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Das Kesselhaus leert sich

Die Elektronikkette Saturn schliesst den Laden im Kesselhaus. Noch ist der Nachmieter nicht bekannt. Spekuliert wird über alles, gehofft auf Globus.

Saturn ist in Winterthur nie recht in die Gänge gekommen. Auch wer nicht Einblick in die Geschäftsbücher hatte, konnte ahnen, dass es der Firma im Kesselhaus nicht rund lief. So beklagte der Geschäftsführer einst, viele Kunden würden den Laden hinter dem Hauptbahnhof fast nicht finden. Eine grosse Leuchtreklame an der Fassade des denkmalgeschützten Hauses wurde nicht erlaubt. Statt­dessen warb Saturn mit illegalen Graffiti auf dem Trottoir. Auch wurde gemunkelt, dass sich die Firma mit dem neuen Laden selbst kannibalisiere. Saturn und Media-Markt gehören zum gleichen Unternehmen. Nun ist die Geschäftsaufgabe offiziell. Ende Juni, knapp drei Jahre nach der Eröffnung, wird der Laden schliessen. Dies schreibt die Firma in einer Mitteilung. Den Mitarbeitern wurde gestern eröffnet, dass «der Verwaltungsrat angesichts des bisherigen Geschäftsgangs und der zu erwartenden zukünftigen Entwicklung keine Möglichkeit sieht, am Standort Winterthur festzuhalten». Elf der 33 Angestellten werden entlassen; sie bekommen eine Abfindung von 3000 bis 6000 Franken. Die restlichen 22 Mitarbeiter erhalten eine neue Stelle in einem Media-Markt-Geschäft. Bei der Eröffnung beschäftigte Saturn noch 55 Personen. «Schlecht für Winterthur» Mit dem Rückzug von Saturn verliert das Kesselhaus seinen grossen «Ankermieter». Standortförderer Michael Dom­eisen spricht von einer «schlechten Nachricht für Winterthur». Allerdings hänge der Entscheid nicht in erster Linie mit dem Standort, sondern mit der Strategie der Firma zusammen. Die Media-Saturn-Gruppe gibt die Marke Saturn in der Schweiz auf. Vier Filialen werden in Media-Markt-Geschäfte umgewandelt, nicht jedoch die Läden in Winterthur und Spreitenbach. Dom­eisen räumt ein, dass die Besucherzahlen im Kesselhaus «noch nicht so hoch sind, wie das vielleicht einige erwartet haben». Das werde sich aber mit der weiteren Entwicklung des Sulzer-Areals ändern. Saturn kommt die Geschäftsaufgabe teuer zu stehen. Die Firma hat einen Zehn-Jahres-Vertrag unterschrieben, der bislang noch nicht gekündigt werden konnte. Das Kesselhaus gehört der UBS. Bei der Grossbank war gestern nicht zu erfahren, ob schon ein Nachmieter bereitsteht. Standortförderer Domeisen hofft auf das Luxus­geschäft Globus, mit dem die Stadt schon seit längerer Zeit im Gespräch sei. Es ist eine Hoffnung, die sich auf der anderen Seite des Bahnhofs nicht erfüllt hat: In den Arch­höfen wird stattdessen der Discounter Aldi einen Laden eröffnen. Zu den möglichen Kesselhaus-Interessenten zählt Aldi-Rivale Lidl, der sich in der Vergangenheit nach einer zentral gelegenen Verkaufsstelle in Winterthur umgesehen hat. Exodus der Gastrobetriebe Im Kesselhaus verbleiben neben dem Kino Maxx noch der Sport­laden Doodah und das Sushi-Restaurant Yooji’s im Erd­geschoss sowie dar­über die Bar Boiler Room und die zwei Imbiss­stände Fellini und Nooch. Von den einst fünf Gastro­betrieben gaben zwei schnell auf, das Restaurant Amariso, das mediterrane Reisgerichte anbot, schloss vor wenigen Monaten. Bei den beiden verbliebenen Imbissständen hofft man, den Ausfall des grossen Nachbarn verdauen zu können. Man sei nicht von Saturn abhängig, sagt ein Mitarbeiter zuversichtlich. «Wir haben unsere Stammkunden. Die kommen wegen des Essens und nicht, um bei Saturn einzukaufen.»

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