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Das Kino zum Mitnehmen

Das Open-Air- Kino Cinéma Solaire bietet weder 3-D-Filme noch Cocktailbar, dafür eine einwandfreie Ökobilanz.

Je nach Wetterlage sind es zwischen drei und dreihundert Besucher, die, mit Wolldecken und Klappstühlen bewaffnet, eine Perle der Filmkunst unter freiem Himmel geniessen. Der Eintritt ist frei, dafür bringt man seine Sitzgelegenheit und Popcorn selber mit. Auf einer 4,70 mal 2,75 Meter grossen Leinwand zeigen die Veranstalter Christoph Seiler und Reto Schmied neue und alte Independent-Filme, an denen sie selbst Gefallen finden. Da das ganze Kino inklusive Soundanlage mit Sonnenener­gie­ betrieben wird, kann die Aufführung an jedem beliebigen Ort stattfinden. Einzig eine Mauer, ein Baum oder Ähnliches zum Aufhängen der Leinwand muss vorhanden sein, denn ein Gestell für die Leinwand hat in den zwei Veloanhängern, in denen das Kino transportiert wird, nicht auch noch Platz. Seiler und Schmied sind zwei umweltbewusste Filmliebhaber, die der Bevölkerung die Vorteile und Möglichkeiten der Sonnenener­gie­ näherbringen wollen. Batterien laden bei Sonnenschein Im Jahr 2007 war genau das ihre Aufgabe in ihrem Zivildienst. Die Umsetzungsvorschläge damals fanden sie unbefriedigend und nahmen die Lösung selbst in die Hand. Einzig mit den Tipps einer Solartechnikfirma und dem eigenen Pioniergeist im Gepäck entwickelten der Grafiker und der Architekt das mobile Solarkino. Der Prototyp war mit einer 70 Kilogramm schweren Bleibatterie noch ziemlich unhandlich und das faltbare Solarpanel hielt dem Wetter auch nicht so lange stand wie erhofft. Seither hat sich einiges getan. Heute wiegen die zwei Lithiumbatterien noch je acht Kilogramm und die Solarpanels sind direkt auf den Deckeln der Veloanhänger angebracht. Der 16-mm-Projektor wich einem Beamer mit niedrigem Stromverbrauch. «Es war eine ermüdende Suche, die passenden Geräte mit dem richtigen Stromverbrauch zu finden», meint Seiler. In der momentanen Zusammenstellung frisst das Kino noch 200 Kilowattstunden, das reicht mit den zwei Batterien für sechs Stunden Betrieb. Aufladen muss es bei vollem Sonnenschein doppelt so lange. Solarkino reist auf Mauleseln Das so viel leichtere Kino ging auf weite Reisen. Seiler und Schmied bauten für die NGO Helvetas ein Solarkino, das erst mal durch die ganze Schweiz tourte. Ein weiteres flog nach Nepal, wo es auf Mauleseln abgelegene Dörfer besuchte. Mit einem mitgebrachten Kameraequipment konnten die Nepalesen dort selbst filmen und das von der Schweizer Crew aufbereitete Resultat am Abend auf der Leinwand begutachten. Ein weiteres Exemplar tourte 2012 als Wanderkino durch Georgien. Die Väter des Solarkinos haben sich in der Zwischenzeit etwas zurückgezogen. «Wenn Anfragen für ein weiteres Kino kommen, werden wir die aufwendige Arbeit auswärts geben», sagt Seiler. Irgendwo zwischen Hobby und Geschäft vermieten sie das Kino und organisieren in Winterthur, Wabern und Basel einige Open-Air-Vorstellungen. Regensichere Sitzgelegenheit Heute und morgen werden auf dem Lagerplatz neben dem Café Portier noch zwei Filme gezeigt. Alfred Hitchcock kitzelt heute mit seiner legendären Verfolgung des Fussgängers mit dem Doppeldecker in «North by Northwest» die Nerven. Morgen kann man sich von Audrey Tatou in «La Délicatesse» verzaubern lassen. Für diejenigen, die dem Wetter nicht trauen und den Klappstuhl nicht durch die ganze Stadt schleppen möchten, gibt es gute Nachrichten: Neu kann gegen ein Entgelt von zehn Franken eine regensichere Sitzgelegenheit reserviert werden.

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