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Das kleine Paradies im Dschungel

Daniel Widmer, Schreinermeister aus Rickenbach, hat gemacht, wovon viele nur träumen: Er ist ausgewandert und hat sich in Costa Rica ein eigenes Reich geschaffen.

Es ist heiss. Es ist feucht. Die Sonne brennt mit unerbittlicher Hitze vom Himmel, und die Luftfeuchtigkeit beträgt beinahe 95 Prozent. An Daniel Widmer ist kein einziger Schweisstropfen zu sehen. Der Schreinermeister aus Rickenbach sägt Bretter zu, schleift und poliert. Hin und wieder greift er zu seiner «Pinta» – so nennt man hier eine Kokosnussart, die mit dem Strohhalm ausgeschlürft wird. «Man gewöhnt sich an das Klima», sagt er und ergänzt: «Die Luftfeuchtigkeit hilft gegen mein Asthma.»

Wir befinden uns keine zehn Grad nördlich des Äquators in Puerto Viejo, einem verschlafenen Fischerdörfchen an der karibischen Ostküste Costa Ricas. Im Jahresschnitt fällt die Temperatur hier nie unter 25 Grad Celsius.

Sechs Jahre ist es her, als Daniel Widmer entschied, dieses Klima den rauen Jahreszeiten unseres Alpenlandes vorzuziehen.

Die Entscheidung, auszuwandern, hat der 49-Jährige damals aus dem Bauch heraus gefällt. «Ich wollte gehen, also habe ich es einfach getan», sagt er. Zu dieser Zeit ging es seiner Schreinerei so gut wie noch nie, und sein Entscheid war für viele unverständlich. «Es lief gut und ich hätte mit einem weiteren Jahr viel Geld verdienen können, doch auf ein Jahr kommt ein nächstes, und ich wäre wohl nie zu einem Ende gekommen», begründet Widmer.

Er verkaufte die Firma, packte seine Sachen und ging in das Land, welches er zuvor bereits siebenmal bereist hatte. Seine Frau Renata hatte keine andere Wahl, als ihm zu folgen. «Ich habe ihr gesagt, ich gehe jetzt, sie könne mitkommen, wenn sie wolle.» Sie sei dann mitgekommen, habe aber noch heute Bedenken wegen der Sicherheit. Diese sei eigentlich sehr hoch, obwohl erst vor Kurzem unweit des Hauses einem Touristen die Kehle aufgeschlitzt worden sei. Der Täter: ein Nachbar.

Daniel Widmer hat den Entschluss, die Schweiz für immer zu verlassen, nie als einen Fehler angesehen. «Ich habe es bis heute in keiner Weise bereut», sagt er, «ich würde jederzeit wieder gehen.»

Die Idee, sein trautes Heim zu verlassen, kam nicht von ungefähr. Schon immer war er von neugieriger Natur und sobald es ihm möglich war, begann er zu reisen. Der weltoffene Zürcher ordnete bereits früh alles dieser Neugier unter. «Ich ar­bei­te­te ein bis zwei Jahre am Stück, um mir dann mehrere Monate zum Reisen freizunehmen», erzählt er.

Mit dem Velo bis nach Peking

Widmer, der Workaholic, ist und war immer mit vollem Elan bei der Sache, so auch im Sportverein, dem Veloclub Sulz, welchem er in seinen jungen Jahren angehörte: Mit einem Kollegen fuhr er einmal mit dem Velo bis nach Peking. Später entdeckte er den südamerikanischen Kontinent für sich, bereiste unter anderem Mexiko, Guatemala und eben Costa Rica. Grund dafür seien die Originalität und Wahrhaftigkeit dieser Region gewesen, «wo die Bäume noch spriessen, wie sie wollen, und die Leute sind, wie sie schon immer waren»; eine Lebensweise, wie man sie heute nur noch selten antreffe.

Hier hat Widmer sich ein kleines Paradies aufgebaut: Vor dem Haus gibt es einen riesigen Swimmingpool, dessen Oberfläche im Sonnenlicht glitzert. Auf einem Holzsteg kann man durch den immergrünen, dschungelartigen Garten wandern, der mitsamt einem kleinen Fluss zum 7000 Quadratmeter grossen Grundstück gehört. Fuss- sowie Volleyballfeld sind in Planung. Daneben beinhaltet sein Reich zwei Gästehäuser. Zwei Haushalthilfen arbeiten für ihn.

Bei diesen Bedingungen würde sich wohl mancher zurücklehnen und sein Dasein geniessen, nicht so Widmer. Zwar hat er eine feste Stelle aufgegeben, doch bisher ist er noch nie auf der faulen Haut gelegen. Jeden Tag fährt er Töchterchen Laura auf dem Velo in den Kindergarten und wieder zurück. Nach dem Kauf des Hauses hat er dieses erst einmal stark umgebaut, von eigener Hand selbstverständlich. Widmer war schon immer ein «Büezer»: Stets läuft er zu Hause mit einem völlig verdreckten Hemd und zerrissenen Shorts durch die Gegend, ob er Gäste hat oder nicht, macht keinen Unterschied.

Bauland zum Nulltarif

Gründe, wieso sich der erfolgreiche Geschäftsmann Widmer ausgerechnet in Costa Rica niedergelassen hat, kennt er viele. Seine Frau Renata hingegen wisse nicht so recht, ob dieses Land der richtige Ort zum Aufwachsen für ihre Tochter sei. Aber schön sei diese Gegend. Costa Rica sei als Destination schon sehr bekannt, auch in unseren Breiten. Viele Europäer hätten sich hier bereits niedergelassen. Kein Wunder, gebe es hier schliesslich bestes Bauland zum Nulltarif zu kaufen.

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