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«Das Leben im Chreis Cheib ist sehr real»

«Verletzte Herzen» ist der erste Kriminal­roman von Walter Bächtold aus Turbenthal. Sein Kommissar ist unspektakulär, die Schauplätze sind umso spannender.

Eine Bäuerin wird im Zürcher Oberland in ihrem Garten erschossen. Beno Stadler von der Kantonspolizei Zürich und seine Kollegen tappen lange im Dunkeln. Erst das Aufrollen der Lebensgeschichte des Opfers führt schliesslich zum Täter, der im Drogenmilieu zu finden ist.

Dies ist eine Kurzzusammenfassung des Krimis «Verletzte Herzen» des Turbenthalers Walter Bächtold. Es ist nicht sein erstes Buch: Der Elektromonteur verfasste bereits einen Gedichtband. Bächtold ist selber ein grosser Krimifan und liest vor allem Autoren aus dem Norden.

«Ich habe einfach angefangen zu schreiben, Kapitel für Kapitel», sagt der 58-Jährige. Klar seien ihm lediglich die Themen gewesen und dass Priska, das Opfer, von ihrer Vergangenheit eingeholt würde. «Der Mörder zeichnete sich erst im Laufe der Zeit ab, auch das Ende der Geschichte war lange offen.» Anspruchsvoll sei für ihn der häufige Wechsel der Schauplätze und die richtige Abfolge der Zeiten gewesen. «Ich musste ein paarmal nachrechnen, ob das Alter der Personen auch wirklich stimmt.»

Er kennt das Leben als Bauer

«Die Personen sind alle frei erfunden, nicht hingegen die Schauplätze», sagt Bächtold. Der Autor hat zu ihnen allen einen persönlichen Bezug. Dies ist wohl einer der Gründe, wieso sie äusserst authentisch wirken. So zum Beispiel der Tatort Hombrechtikon, der zugleich letzte Wohnort des Opfers. Bächtold wuchs im Zürcher Oberland auf und führte viele Jahre zusammen mit seiner Frau einen Bauernhof. «Die von mir beschriebenen Si­tua­tio­nen auf den Höfen, das Verhältnis unter den Bauern und das gemeinsame Bier in der Dorfbeiz kenne ich alle eins zu eins.» Zuvor lebte er in den 80er-Jahren als «Aussteiger» und echter Hippie im Tessin. Im Verzascatal führten Bächtold und seine Frau einen kleinen Bauernhof mit Alp und Vieh.

In jener Zeit hat er nicht nur das Tessin, sondern auch Norditalien bestens kennen gelernt. «Eine Gegend, die mir immer etwas suspekt war.» Von hier stammt der Ex-Mann des Opfers, Alessandro Marchise. Dass mit ihm etwas nicht stimmt, spürt der Leser schon nach wenigen Seiten. Marchise kommt als unsympathischer Macho rüber, der seine Frau Priska und seinen Sohn terrorisiert. «Er ist ein richtiger Kotzbrocken, der seine Frau völlig dominieren will. Diese Südländermentalität mag ich nicht», so Bächtold. «Priska passt nicht in dieses Schema. Sie verkörpert die emanzipierte Frau, die ihren eigenen Weg kompromisslos geht. Das imponiert mir.» Exakt diese Kompromisslosigkeit wird Priska dann aber zum Verhängnis: Die Suche nach ihrem Sohn und das Herumschnüffeln im Zürcher Chreis Cheib führen sie zu ihrem verschollen geglaubten Ex-Mann. Und das bedeutet für Priska nichts Gutes.

Leben im Chreis Cheib

Auch hier erzählt Walter Bächtold von Gegebenheiten, die er selber erlebt hat. «Als Kind lebte ich mit meinen Eltern ein paar Jahre mitten im Kreis 4.» Das Leben unter Alkoholikern, Drogendealern und -konsumenten sowie Prostituierten hat für ihn etwas Ursprüngliches, Reales. «Die Abgründe, die sich hier auftun, faszinieren mich auf ihre Art.» Gerade das Thema Drogen ist Walter Bächtold nicht unbekannt: Als Arbeitsagoge hatte er mit Menschen, die auf die schiefe Bahn geraten waren, zu tun. «Immer wieder mussten wir Drogensüchtige vom Zürcher Letten holen», sagt Bächtold. Der ganze Dreck und die Misere beelendeten ihn zutiefst, gleichzeitig übte das Verhalten der Suchtkranken aber auch eine gewisse Faszination auf ihn aus. «Diese Verbissenheit, an Stoff zu gelangen und sich selbst und alles um sich herum zu vergessen, fand ich auf eine paradoxe Art und Weise beeindruckend.»

Der Hauptkommissar, der in den meisten Krimis die zentrale Rolle spielt, ist bei ihm unspektakulär. Beno Stadler trinkt nicht, raucht nicht, rastet nicht aus, ist nett zu seinen Mitarbeitern, hat keine Schulden und lebt in einer festen Beziehung. Kurz: ein etwas blasser, langweiliger Typ. «Das war meine Absicht. Der Kommissar soll die Geschichte am Rande begleiten und sie nicht dominieren», erklärt Bächtold. So auch bei seinem nächsten Krimi, der bereits in Vorbereitung ist und im Tösstal spielen wird.

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