Zum Hauptinhalt springen

Das letzte Aufgebot

Die Ausgangslage ist perfekt. Aber der FCB muss seinen 3:0-Vorsprung gegen den FC Valencia mit dem letzten Aufgebot verteidigen.

Es ist eine nächste Gelegenheit für den FCB, Schweizer Fussballgeschichte zu schreiben. Gelingt es ihm, aus seiner Reserve von drei Toren aus dem Hinspiel gegen den FC Valencia einen Gesamtsieg zu machen, steht er wieder unter den letzten vier der Europa League. Und er wäre damit der erste Schweizer Verein, der zweimal in Folge einen Europacup-Halbfinal erreicht hat. Aber selbst ein 3:0 muss keine beruhigende Ausgangslage sein. Das erfuhr am Dienstagabend gar Real Madrid. Und was es heissen kann, vor den steilen Rängen des Mestalla zu Valencia zu bestehen, steht selbst in der Basler Vereinsgeschichte geschrieben. Im Oktober 2002 verlor Christian Gross’ grosse Basler Meistermannschaft, die später dennoch die erste Gruppenphase überstehen sollte, in der Champions League dort gar 2:6. Die Basler wurden im strömenden Regen dermassen weggespült, dass sie noch vor Ablauf einer halben Stunde 0:4 zurücklagen. «Ich habe vor lauter Regen meine Gegenspieler gar nicht gesehen», erinnert sich Murat Yakin, damals Basler Abwehrchef, heute Trainer. Valable Startelf In dieser neuen Rolle darf Yakin in Valencia Frühlingswetter geniessen. Aber die Aufgabe seines Teams macht nicht einfacher, dass erneut zahlreiche Spieler nicht verfügbar sind. «Das ist jetzt wirklich das letzte Aufgebot», sagt Yakin, und Spieler Fabian Frei stellte auf der Fahrt zum Flughafen beim Blick durch den Bus fest, dass da doch einige sassen, die er erst selten gesehen habe. Zwar besteht der spielende Teil der Basler Reisegruppe aus 18 Mann, die auch fit sind. Aber es fehlen acht Fussballer, die heute sicher zum Stamm zählen oder zumindest nicht als Ersatzlösung bezeichnet würden. Das sind eigentlich so unverzichtbare Spieler wie Marco Streller und Valentin Stocker, die genauso verletzt sind wie Philipp Degen, Ivan Ivanov, Arlind Ajeti und Kay Voser. Dazu ist Davide Callà für den Europacup nicht qualifiziert und Marek Suchy nochmals gesperrt. Dennoch kann Yakin heute eine absolut valable Startelf aufstellen, so breit ist sein Kader. Im Tor steht Yann Sommer, der als Captain Nummer 3 die Binde tragen wird; vor ihm spielen Taulant Xhaka, Fabian Schär, Gaston Sauro und Berang Safari; in defensiveren Mittelfeldrollen wirken Frei, Mohamed Elneny und Geoffrey Serey Die; die Offensive sollen Giovanni Sio, Marcelo Diaz und Matias Delgado pflegen. Dar­un­ter sind mit Schär und Safari welche, die eben erst von Verletzungen zurück sind; und Sauro spielt mit einem am Donnerstag gebrochenen Zeigfinger. Zumindest an Erfahrung sehr dünn ist aber, was neben Ersatzgoalie Germano Vailati (33) und David Degen (31) auf der Bank sitzt: Naser Aliji, Simon Dünki, Admir Seferagic, Albian Ajeti und Brel Embolo bringen es auf ein Durchschnittsalter von 18,4 Jahren und auf vier Teileinsätze im Europacup, zusammen notabene! In der Ligastatistik stehen für die fünf insgesamt acht (Teil-)Einsätze. Für die Basler spricht, dass sie bisher mit so vielen Unannehmlichkeiten fertigwurden, dass ihnen dies auch heute zuzutrauen ist. Die mentalen Qualitäten dieser Mannschaft waren ja sehr erstaunlich, vor allem zuletzt auf dem Weg zum 2:1 mit zehn Mann in Salzburg oder in einem leeren Stadion in den ersten 90 Minuten gegen Valencia. Allerdings muss der FCB heute mit einem spanischen Gegner rechnen, der von Anfang an und nicht erst nach einem klaren Rückstand in der zweiten Halbzeit so spielt, wie es seinem Ruf und seinem Potenzial entspricht. Dennoch ist der aktuelle FC Valencia grundsätzlich nicht zu vergleichen mit jenem, der vor über zehn Jahren den FCB 6:2 schlug. Jenes war eine Meistermannschaft, die heutige Generation steht – fernab der Europacupplätze – auf Rang 8 der Primera Divi­sión. Ein 6:2 würde den Spaniern zwar wieder reichen … Aber nur schon ein Basler Tor zwänge sie zur Parforce­leistung, mindestens fünfmal treffen zu müssen. Die Qualifikation für den Halbfinal ist von der Uefa mit einer Million Euro dotiert. Für den FCB wäre dies etwas mehr als die Hälfte des Schadens, der ihm durch die Uefa-Sanktionen nach den Ausschreitungen von Salzburg erwuchs.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch