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«Das Mass ist die Mutter aller Tugenden»

Pater Christoph Müller hat am Freitag in der St.-Laurentius- Kirche in Wülflingen über die Regeln des heiligen Benedikt und ihre Bedeutung in unserer Alltagswelt gesprochen.

Die Gläser klingen. Das Wochenende wird mit Rotwein, Bier und Kaffee eingeläutet. Die Stimmung ist gelöst. Die Gäste kennen sich und tauschen Neuigkeiten aus. Nur wenig deutet dar­auf hin, dass der benediktinische Pater Christoph Müller bald einen Vortrag über die Klosterregeln des heiligen Benedikt halten wird. Es sind Regeln, die helfen sollen, ein tugendhaftes und vor allem massvolles Leben zu führen.

Der vom Männerverein St. Laurentius organisierte Abend hat das Interesse seiner Mitglieder geweckt. Gegen dreissig Männer und Frauen sind anwesend und spitzen die Ohren, als Pater Müller zu seinem Vortrag ansetzt. Anhand seines Buches «Benedikt für Anfänger» will er aufzeigen, dass die Lebensgrundsätze des heiligen Benedikt aus dem sechsten Jahrhundert auch heute noch gültig sind. «Im Kern sind die menschlichen Probleme die gleichen wie damals und die Regeln des heiligen Benedikt deshalb auch nicht veraltet», sagt Müller. Von den vielen Grundsätzen, die auch physische Züchtigung vorschlagen, sieht er jedoch ab. Körperliche Bestrafung sei heute kein Mittel mehr, um jemandem ein massvolles Leben näherzubringen.

Müller hat die zwanzig zeitgemässesten Regeln in seinem Buch gesammelt und erklärt diese mit viel Witz dem Publikum. Sie geben vor, wie ein geduldiger und verantwortungsbewusster Umgang mit sich selbst und den Mitmenschen möglich sein kann. Spannend wird es immer dann, wenn Müller Anekdoten aus seinem früheren Leben im Kloster Einsiedeln heranzieht, um die Gedankengänge Benedikts zu illustrieren. Dies erlaubt seltene Einblicke ins Klosterleben, wenn er Dinge wie die Fastenzeit beschreibt. Dann müssen die Mönche auch beim Rotwein noch mehr Mass halten als sonst. Dass sich Müller daraufhin für die Weiterführung des Vortrags ein Glas Rotwein bestellt, sorgt für allgemeines Gelächter bei den Anwesenden.

Im zweiten Teil des Vortrags zeigt sich, dass Benedikts Regeln ganz einfach in unseren Alltag übersetzt werden können; auch wenn sie ursprünglich für das Klosterleben gedacht waren. Die Zuhörer dürfen jetzt nachfragen und jemand wundert sich, wie die Regel «Du sollst nicht schallend lachen» ins weltliche Leben umgemünzt werden kann. «Benedikt wollte damit für eine gute Atmosphäre zwischen den Mönchen im Kloster sorgen», sagt Pater Müller. Ein befreiendes Lachen sei dabei kein Problem. Schwierig werde es erst bei einem groben Lachen oder wenn Personen ausgelacht würden. Dies störe die Gottverbundenheit und ein feinfühliges Miteinander. Müller führt hier das Alltagsbeispiel des Mobbings an. Das grobe Auslachen und Ausgrenzen von Personen schade dem Zusammenhalt einer Gruppe und dem Seelenfrieden der Betroffenen. Wie fast alle Regeln des heiligen Benedikt sei auch diese vor allem eine Frage des Masses.

Vom Joghurt verführt

Seit gut zehn Jahren lebt Pater Müller weit weg vom Einsiedler Kloster in der Abgeschiedenheit des vorarlbergischen Walsertals. Trotz der Ferne zum Kloster lebt er noch immer nach den benediktinischen Grundsätzen. «Ich versuche, so gut es geht, den Rhythmus alleine aufrechtzuerhalten.» Am Ende des Vortrags gibt er jedoch zu, dass auch er nicht gegen alle Masslosigkeit gefeit ist. «Ich esse für mein Leben gern Joghurt und werde deswegen wohl irgendwann im Spital landen.»

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