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Das Nachrutschen ins Parlament war diese Legislatur sehr beliebt

In der zu Ende gehenden Legislatur rutschten auffallend viele Leute in den Kantonsrat nach: 49 von 180 Parlamentsmitgliedern. Besonders viele Wechsel verzeichnet die SP-Fraktion, wenige hingegen die SVP.

Zwei Wege führen in den Kantonsrat. Der normale und häufigste Weg heisst Volkswahl. Diesem Zweck dienen die alle vier Jahre stattfindenden Gesamterneuerungswahlen – die nächste am 12. April. Die zweite Art, Zutritt ins Parlament zu erhalten, ist das Nachrutschen während der Legislatur, wenn durch einen vorzeitigen Rücktritt ein Sitz frei wird. Die nächste Person auf der Wahlliste rückt dann nach. Die Methode Nachrutschen ist bei allen Parteien beliebt, weil sich so Sitze einfacher verteidigen lassen. Die Nachgerutschten können sich bei den nächsten Wahlen als Bisherige bezeichnen, was den Wählern meist Eindruck macht. In der laufenden Legislatur, die im Mai 2011 begann und im Mai 2015 endet, war das Nachrutschen noch beliebter als sonst: 49 von 180 Kantonsratsmitgliedern wurden auf diese Art eingewechselt. In der letzten und vorletzten Legislatur waren es 42 beziehungsweise 41 Personen, wie Moritz Wyss, Leiter der Parlamentsdienste, nachgerechnet hat. 15 Wechsel bei der SP Die Nachrutscher verteilen sich nicht gleichmässig auf die Fraktionen. Mit Abstand am meisten verzeichnet die SP-Fraktion. Ihr Anteil im Verhältnis zur Fraktion beträgt 43 Prozent. Anders gesagt: 15 der 35 Fraktionsmitglieder gelangten auf diese Weise ins Parlament. Auf 40 Prozent bringt es die Fraktion Grüne/AL. Die 22-köpfige Truppe wechselte 9 Leute ein. Auf dem dritten Platz liegt die FDP mit 34 Prozent, was 8 Rücktritte auf 23 Leute ergibt. Die übrigen Parteien liegen tiefer. Auf den tiefsten Wert, 13 Prozent, kommt die grösste Fraktion, die SVP. 7 Personen traten in die 54-köpfige Mannschaft ein. Weshalb ist der Anteil bei der SP besonders hoch? SP-Kantonsrat Ruedi Lais, der das Parlament wie seine Hosentasche kennt, hat eine plausible Erklärung. Er sieht die grosse Zahl der Wechsel als Spätfolge der erdrutschartigen Verschiebungen in der Fraktion bei den Wahlen 2003 und 2007. Das Wahljahr 2003 war für die SP erfolgreich. Ihm folgte 2007 aber ein massiver Verlust von 15 Sitzen, wobei fünf davon dem damals neuen Wahlsystem «Doppelter Pukelsheim» geschuldet sind. Die neuen SP-Abgeordneten, die es 2003 ins Parlament schafften, wurden 2007 wieder weggespült. Wer das Wahlmassaker überlebte, harrte bis mindestens nach der Wahl 2011 aus. Aus Angst vor neuerlichen Sitzverlusten zögerte man Rücktritte hinaus. Die vielen neuen Leute, die dann kamen, senkten das Durchschnittsalter der SP-Fraktion auf 45,7 Jahre. So tief wie keine andere Fraktion. Am höchsten ist das Durchschnittsalter mit 55,3 Jahren bei der SVP. Das hängt laut Lais mit den wenigen Nachrutschern zusammen. Bei vielen SVP-Politikern handelt es sich um Herren im vorgerückten Alter mit Sitzleder. Der amtsälteste Kantonsrat ist SVP-Mann Willy Haderer. Der 71-Jährige ist seit 1991 dabei, tritt jetzt aber nicht mehr an. Seine Nachfolge als Doyen übernimmt – sofern nichts schiefgeht – der 70-jährige Hansruedi Bär, seit 2001 im Rat. Etliche Wechsel nach Bern Für die auffallend vielen Wechsel während dieser Legislatur gibt es weitere Gründe – nebst den parteitaktischen. So konnte eine ganze Reihe von Kantonsräten in den Nationalrat nachrutschen. Zu ihnen gehören Gregor Rutz (SVP), Thomas Hardegger (SP) oder Beat Walti (FDP). Weiter gibt es Gewählte, die aus familiären oder beruflichen Gründen aufhörten. Zum Beispiel der Zürcher Grüne Matthias Kestenholz. Er rutschte 2009 in den Kantonsrat nach, überstand die Wahl 2011, trat im darauffolgenden Sommer aber aus. Aus zwei Gründen: Der heute 33-Jährige wurde Vater. Gleichzeitig beanspruchte ihn der Job in der jungen IT-Firma Feinheit, deren Chef er heute ist. Kestenholz musste Leute einstellen. Die Firma wuchs wie wild. Job, Familie und Politik: «Ich musste mich für jene zwei Dinge entscheiden, die mir am nächsten lagen», sagt Kestenholz. Den Kantonsrat liess er fallen. Halbe Sachen möge er nicht. Deshalb wollte er einer «hungrigen» Frau im Parlament Platz machen. Für ihn rutschte Alma Redic nach. Sie hielt aber nicht lange durch und warf in der gleichen Legislatur das Handtuch, sodass es erneut zu einem Wechsel kam. Thomas Schraner

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