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Das passende Geschenk

SUZUKA. Nach Nico Hülkenberg kann jetzt auch Esteban Gutiérrez das Potenzial des plötzlich starken Sauber C32 nutzen. Ein passenderes Geschenk zum 70. Geburtstag als die Plätze 6 und 7 im Grossen Preis von Japan hätte sich Peter Sauber kaum wünschen können.

Der Jubel war riesig im sommerlich warmen Suzuka nach dem vierten Erfolgserlebnis in Folge des Sauber-F1-Teams, aber nicht überbordend. Auch im überschaubareren Rahmen im Kreise der Familie im bereits winterlichen Laax, wo Firmengründer Peter Sauber seinen 70. Geburtstag mit einem Brunch feierte, waren die Freude und die Genugtuung über 14 WM-Punkte und die Saisonbestleistung gross. Nico Hülkenberg als Sechster und der von einer langen Gedulds- und Nervenprobe erlöste Esteban Gutiérrez als Siebenter konsolidierten den vor zwei Wochen zurückeroberten siebten Platz des Schweizer Teams in der wichtigen WM-Konstrukteurenwertung und brachten es bis auf 17 Punkte an das kriselnde Force-India-Team heran.

Vor drei Monaten noch schien die Verteidigung der Vorjahresposition mit 53 Punkten Rückstand ein Ding der Unmöglichkeit. «Ich hätte niemals gedacht, dass wir noch in ihre Nähe kommen könnten», gestand der zufriedene Jubilar aus der Ferne. «Jetzt müssen wir uns aber den sechsten Platz als neues Ziel setzen. Esteban Gutiérrez hat mit seiner vorzüglichen Leistung den Beweis erbracht, wie gut unser Auto geworden ist. Viele waren ja der Meinung, Nico Hülkenberg allein sei für die Trendwende und die besseren Resultate verantwortlich gewesen.» Mit dieser Aussage möchte Peter Sauber dessen Verdienste keineswegs schmälern. «Wie er in den letzten vier Rennen frühere Weltmeister wie Alonso, Hamilton, Räikkönen und Button in den Topautos in Schach gehalten hat, war mehr als beeindruckend und verdient Anerkennung», findet er.

Gut wie nie klassiert

Hülkenberg hat in den letzten vier Rennen mehr Punkte erobert als Lewis Hamilton oder Nico Rosberg im Mercedes, auch mehr als Felipe Massa im Ferrari und fast gleich viel wie Mark Webber im Red Bull und Romain Grosjean im Lotus, die gestern mit Seriensieger Sebastian Vettel aufs Podest kamen, und ist damit auf den 10. Platz der Fahrerrangliste vorgestossen. So gut war er bei seinen früheren Arbeitgebern Williams und Force India nie klassiert gewesen. Hintereinander in Monza als Fünfter, in Singapur als Achter, in Yeongam als Vierter und jetzt in Suzuka als Sechster das Ziel erreicht zu haben, stellen Hülkenberg ein erstklassiges Zeugnis aus, aber auch dem Auto, das bezüglich Traktion und Topspeed zu den besten gehört und auch prominenteste Angreifer wie Alonso und Hamilton zum Verzweifeln bringt.

Auch den Grundstein zum sechsten Rang in Japan legte der Deutsche mit einem perfekten Qualifying. Er verbesserte sich von der siebten Position am Start auf die vierte und musste mit stark nachlassenden Reifen erst im Final Alonso und Räikkönen passieren lassen. «Das Rennen lief aus unserer Sicht von Anfang an optimal, das Auto war wirklich gut und die Boxenstopps auch. Dass ich mich vorübergehend sogar von Alonso absetzen konnte, war eine positive Überraschung. Wäre ich etwas früher am anders taktierenden Toro Rosso von Ricciardo vorbeigekommen und hätten die Reifen etwas länger gehalten, wäre sogar der vierte Platz möglich gewesen», glaubt er.

Wo ist Esteban?

Auf ihren zweiten Helden musste die Sauber-Truppe länger warten. Esteban Gutiérrez hatte in der Aufregung beim Wiegen seinen Helm vergessen und gönnte sich in der Folge überglücklich über den ersten längst fälligen Punktegewinn einen Moment der Ruhe, bis er seine Emotionen wieder einigermassen unter Kontrolle hatte. «Ich möchte allen danken, die immer an mich geglaubt haben. Jetzt endlich kann ich nach einem Rennen ein Gefühl der Zufriedenheit haben. Es brauchte eine Menge Arbeit, um an diesen Punkt zu gelangen, und es war alles andere als ein leichter Weg», meinte der 22-jährige Mexikaner nach der Gratulationstour bei Mechanikern und Ingenieuren bewegt und sichtlich erleichtert.

Sein Rezept für das bisher klar beste Formel-1-Resultat war ein Superstart, der ihn vom 14. Platz in die Top 10 führte. Daraus liess er sich dank beherzter Manöver nicht mehr verdrängen. Seine Meisterprüfung war die gelungene Verteidigung des siebten Platzes trotz stark abbauenden Reifen gegen den mit neuem weichem Gummi resolut angreifenden Nico Rosberg im Mercedes. «Wenn man spürt, dass etwas möglich ist, schafft man es auch, das Maximum herauszuholen», glaubt Gutiérrez. «Obwohl es immer schwieriger wurde, als Nico den Druck erhöhte, machte das Rennen bis zum Schluss viel Spass. So kann und darf es weitergehen.»

Um Jahre gealtert

Dafür gab es natürlich auch höchstes Lob von der Teamchefin. «Estebans Leistungskurve hat in den letzten Wochen klar nach oben gezeigt. Und jetzt hat er endlich einmal auch im Rennen das umgesetzt, was er kann. So kann er für uns noch eine grosse Stütze werden», denkt Monisha Kaltenborn, die erstmals mit beiden Fahrern um Punkteplätze zittern durfte. «Als sich beide gegen schnellere Fahrer verteidigen mussten, war es fast nicht mehr zum Aushalten. Diesmal bin ich vorübergehend nicht nur um Monate, sondern um Jahre gealtert», schildert sie. «Mit beiden Autos punkten zu können, bringt uns jetzt in eine neue Si­tua­tion. Wir müssen aber realistisch bleiben und dürfen nicht zu viel erwarten.» Das Team hat in Japan den Aufwärtstrend bestätigt und die Fahrer haben Werbung in eigener Sache gemacht. Gutiérrez hat seine Aussichten für einen Verbleib markant verbessert. Hülkenbergs Name ist auch in den Notizbüchern anderer Teamchefs noch stärker unterstrichen worden. Lotus will laut Eric Bouiller schon in den nächsten Tagen Nägel mit Köpfen machen.

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