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Das Schlimmste kommt vielleicht erst

Die Aktie von Facebook rutscht ab. Seit dem Börsengang vor einem Vierteljahr wurde der Unternehmenswert halbiert. Wenn Firmengründer Mark Zuckerberg nicht schnell Lösungen präsentiert, könnte dies schon sehr bald fatale Folgen haben.

Der Abwärtstrend bei Facebook gewinnt an Fahrt. Die Aktie des sozialen Netzwerkes verlor erneut sechs Prozent. Vorausgegangen war dem das Ablaufen einer Sperrfrist, nach dem einige der ersten Investoren des Unternehmens ihre Aktien verkaufen dürfen. Die Euphorie um den Börsengang im Mai ist damit endgültig verflogen. Seinerzeit war Facebook mit 104,2 Milliarden Dollar bewertet worden. Heute ist es noch in etwa die Hälfte. Die Skeptiker, die bereits vor dem grossen Rummel des Börsenganges warnten, scheinen also bestätigt. Bislang ist es Gründer Mark Zuckerberg nicht gelungen, ein plausibles Wachstumskonzept vorzulegen. Auch für den Einsatz auf mobilen Geräten fehlt es an Lösungen. «Bevor die Werbeeinnahmen nicht steigen, wird die Aktie bestimmt nicht zulegen», sagt der Präsident von Northlake Capital Management, Steve Birenberg. «Und vor diesem Zeitpunkt würde ich mir auch keine Papiere kaufen.» Ob und wie viele der Anleger der ersten Stunde ihre Papiere verkaufen wollen, ist noch unklar. Ihnen steht eine Frist von drei Tagen zur Verfügung, in denen sie sich erklären müssen. Es wird damit gerechnet, dass die Börsenaufsicht die eventuellen Verkäufe in der kommenden Woche bekannt gibt. Und die nächste Verkaufswelle könnte schon bald bevorstehen. Im November endet eine weitere Sperrfrist. Dadurch könnten 1,22 Milliarden Aktien auf den Markt gespült werden, 2013 folgen Millionen weitere. «Das ist natürlich schon ein Problem», sagt Scott Sweet von der Beratungsfirma IPO Boutique. «Wären es nur wenige Aktien, müsste sich niemand gross dar­um kümmern, aber so sieht die Sache schon anders aus. Facebook muss sich etwas einfallen lassen, um negative Folgen zu vermeiden.» Ein Verkauf von Aktien durch die ersten Anleger könnte zudem eine negative Signalwirkung auslösen. Viele von ihnen haben relativ wenig Geld in das Unternehmen investiert. Trotz der jüngsten Verluste würden sie bei einem Verkauf immer noch enorme Gewinne verzeichnen. Für einige könnte der Zeitpunkt richtig erscheinen. So zum Beispiel für das in Frankfurt am Main geborene Vorstandsmitglied Peter Thiel. Der Mitgründer des Bezahldienstes PayPal investierte bereits kurz nach der Gründung des Unternehmens 2004 eine Summe von 500 000 Dollar in das soziale Netzwerk. Am Tag des Börsengangs verkaufte er 16,8 Millionen Aktien für 640 Millionen Dollar. In seinem Besitz befinden sich immer noch 28 Millionen Aktien mit einem Wert von 560 Millionen Dollar. Das Finanzunternehmen Accel Partners investierte ein Jahr nach Thiel 12,7 Millionen Dollar. Ihre 144 Millionen Aktien haben aktuell einen Wert von 2,9 Milliarden. «Viele Leute haben einfach auf den richtigen Zeitpunkt gewartet», sagt Börsenexperte Sam Hamadeh. «Schliesslich wurde der Börsengang schon seit Jahren erwartet.» Google doppelt attraktiv Ebenfalls für einen Verkauf einer Reihe von Investoren spricht das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Facebook. Mit diesem Wert wird berechnet, wie lange es dauert, bis ein Anleger seine Ausgaben decken kann. Nach Angaben des Datenanbieters FacSet liegt dieser Wert aktuell bei 41. Google liegt bei 20, Microsoft bei 15 und Apple bei 14. Die Facebook-Anleger müssten sich also auf eine lange Wartezeit einrichten, bis sich ihre Investition lohnen wird.

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