Winterthur

«Das sind weltbekannte Fenster, es ist erschütternd»

Ob die berühmten Rosenfenster den Brand in der Notre-Dame überlebt haben, ist noch unklar. Glasmalerin Aline Dold mit Atelier in Seuzach ist im Austausch mit Pariser Kollegen.

Die Pariser Kathedrale Notre-Dame stand über Stunden in Flammen.

Die Pariser Kathedrale Notre-Dame stand über Stunden in Flammen. Bild: Keystone

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Frau Dold, wann haben Sie vom Brand in der Notre-Dame erfahren?
Mein Vater, der ebenfalls Glasmaler ist, hat mir heute Morgen die Zeitung hingelegt. Wir arbeiten aktuell zusammen im Landesmuseum. Da habe ich die Bilder vom Brand gesehen.

Sie stammen aus einer Familie von Künstlern, auch Ihr Urgrossvater und Grossvater waren schon Glasmaler. Noch ist unklar, wie der Zustand der drei berühmten Rosenfenster in der Kathedrale ist, laut Medienberichten konnten nicht alle gerettet werden. Wissen Sie mehr?
Nein, ich befinde mich aber im Austausch mit Berufskollegen in Paris. Eine Zerstörung der Fenster wäre ein grosser Verlust. Das sind weltbekannte Fenster, das ganze ist einfach erschütternd.

Bereits wird von einem Wiederaufbau gesprochen. Könnten allfällig zerstörte Fenster einfach so ersetzt werden?
Grundsätzlich schon. Es gibt immer noch Werkstätten, welche die Gläser in alter Technik von Mund blasen. Man weiss, wie die Menschen vor 700 oder 800 Jahren gearbeitet haben, das Wissen wäre also vorhanden. Allerdings schafft man es bei solchen Restaurierungen meist nicht, dasselbe Farbspektrum hinzubringen.

Weshalb nicht?
Farben verändern sich über die Zeit, vor allem wegen der Lichtstrahlung. Wenn man nicht die ganz genaue Farbmischung kennt, ist es sehr schwierig, eine Kopie herzustellen.

Sie haben unter anderem bei der Restaurierung im Kölner Dom mitgearbeitet. War diese Arbeit vergleichbar mit dem, was nun bei der Notre-Dame geplant wird?
Nein. Im Kölner Dom gibt es zwar vergleichbare Fenster, die fast gleich alt sind wie jene in Paris. Aber die Rekonstruierung bezog sich damals vor allem auf Malereien aus dem frühen 19. Jahrhundert. Vergleichbar ist, dass eine erfolgreiche Rekonstruierung nicht nur vom Wissen abhängt.

Wovon denn noch?
Glasmalereien sind auch immer Zeugen eines gewissen Zeitgeistes, und eben - sie verändern sich mit der Zeit. Man merkt immer, wenn eine Malerei rekonstruiert wurde. Zudem hatte man beim Originalbau meist mehr Zeit zur Verfügung. Im Mittelalter wurden oft Mönche mit der Glasmalerei betraut. Geld oder Zeitdauer spielten keine Rolle, es war einfach eine Ehre, diese Arbeit ausführen zu dürfen.

Erstellt: 16.04.2019, 11:20 Uhr

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Aline Dold



Die Glasmalerin betreibt in Seuzach ein eigenes Atelier. Bereits ihr Urgrossvater, Grossvater und Vater Fritz J. Dold waren und sind Glasmaler. Sie entwarf und realisierte unter anderem die Glaskuppel in einer Privatvilla in Lausanne. Bei der Wiederherstellung des Fensterzyklus aus dem 19. Jahrhundert im Kölner Dom konnte sie Ihre Maltechniken weiter vertiefen. Ebenfalls erweiterte sie ihr Wissen bei Restaurationsarbeiten in Königsfelden AG, bei Ergänzungen der Fenster im Erfurter Dom, sowie bei den Giacomettifenster in Davos.

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