Neftenbach

Das solidarischste Trottoir im Kanton

Die Hüniker haben die Kosten für ihr neues Trottoir nicht einfach den Anstössern überlassen. Solidarische Beiträge aus dem Dorf halfen, die Rechnungen des Kantons um rund ein Drittel zu ermässigen. Das ist einzigartig.

Schlank und rank: Das neue Trottoir in Hünikon bringt der Bevölkerung mehr Sicherheit.

Schlank und rank: Das neue Trottoir in Hünikon bringt der Bevölkerung mehr Sicherheit. Bild: Madeleine Schoder

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Fast so unbeugsam und selbstbewusst wie das Gallierdorf in «Asterix und Obelix» lässt sich das 220-Seelen-Dorf Hünikon vom Kanton nicht einfach diktieren, wie seine Strasse saniert und neu gestaltet werden soll. Ein entsprechendes Projekt des Kantons erntete vor sechs Jahren vehementen Widerstand. Das damals geplante Trottoir war den Hünikern zu breit und lag auf der falschen Strassenseite. Heute ist die Strasse saniert und der Gehweg genau dort gebaut, wo die Hüniker ihn haben wollen. Schlank und rank zieht er sich seit letztem Sommer durchs Dorf. Der IG Hünikon sei Dank. Die Vorgärten der betroffenen Liegenschaften sind durch das 1,5 Meter breite Trottoir weniger stark tangiert worden, als durch ein 2 Meter breites. Auf Einladung von Strassenentwickler Urs Günter hat die siebenköpfige Interessensgemeinschaft in unzähligen Stunden ein neues Projekt erarbeitet.

Ganz auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abgestimmt, enthielt es eine bahnbrechende Idee: Das neue Trottoir entlang der Flaachtalstrasse, für welches die 14 betroffenen Grundeigentümer je nach Grösse ihres Grundstücks und Lage zur Strasse vom Kanton in Form eines Anstösserbeitrags zur Kasse gebeten wurden, sollte vom Dorf solidarisch mitfinanziert werden. «Wenn jeder Haushalt 500 Franken zahlt, ist das Trottoir finanziert», sagte IG-Sprecher Markus Vontobel im September 2014 bei der Präsen­tation des neuen Projektes.

20 000 Franken im Fonds

Insgesamt 50 000 Franken forderte der Kanton von den 14 privaten Anstössern nach Fertigstellung des Trottoirs. Die Rechnungen flatterten Ende 2016 in die Häuser. «Wir konnten daran aus dem So­lidarfonds rund 20 000 Franken beisteuern», freut sich Vontobel. Das sei zwar nicht so viel wie geplant. Aber die betrof­fenen Anstösser hätten sich da­rüber freudig überrascht gezeigt. Für die Hünikerin Frieda Bühler – vielen auch wegen ihrer feinen Kuchen auf dem Markt in Winterthur bekannt – ist das keine Überraschung. «Hier lässt man sich nicht im Regen stehen», sagt sie.

Zu den Grundeigentümern, die in den Genuss der Solidarität kamen, gehören auch Paul und Kalsang Wick. Ihr Haus steht an der Flaachtalstrasse auf Höhe der Bushaltestelle. «Wir beide brauchen das neue Trottoir nicht», sagt der Kunstmaler. Dafür hätten sie jetzt manchmal Getränkebüchsen im Garten. Umso mehr hätten er und seine Frau sich über die Solidarität gefreut. «Wir waren sehr positiv überrascht.» Dank des Zustupfs aus dem Hüniker Trottoirfonds habe sich die Rechnung des Kanton erheblich reduziert. Im aktuellen Neften­bacher Mitteilungsblatt bedanken sich die Wicks dafür bei der Bevölkerung herzlich.

«Nicht nur eigener Vorteil»

Lob im öffentlichen Raum gab es zuvor schon andernorts. In einem Leserbrief im «Landboten» bedankte sich Ende des vergangenen Jahres ein betroffener Grund­eigentümer für die Solidarität und den grossen Aufwand, den die IG Hünikon dafür betrieben habe. Bis zu einem Drittel der kantonalen Rechnungen in Tausenden von Franken pro Anstösser hätten dadurch abgedeckt werden können. «Die Hüniker haben mit ihren freiwilligen Beiträgen zugunsten der Liegenschaftsbesitzer an der Flaachtalstrasse die Behauptung widerlegt, es werde nur noch auf den eigenen Vorteil hingearbeitet.»

Für die Verteilung der Solidarbeiträge wandte die IG Hünikon die gleiche (komplizierte) Verteilformel wie der Kanton an, wie Vontobel sagt. So seien aus dem Fonds schliesslich Beträge zwischen 409.20 und 2983.20 Franken ausbezahlt worden.

Laut Thomas Maag, Sprecher der kantonalen Baudirektion, ist die Hüniker Trottoirsolidarität im Kanton bisher einzigartig. «Es ist unseres Wissens das erste Mal, dass die Solidaritätsidee auch wirklich umgesetzt worden ist.»

Wenn im Kanton Zürich ein Trottoir gebaut wird, geht ein Viertel der Gesamtkosten zulasten der Anstösser. Der Betrag, wer wie viel zu bezahlen hat, wird umständlich ermittelt. Die Verordnung stammt aus dem Jahr 1893. Der Trottoirbeitrag für die Anstösser wird im ganzen Kanton nach dem gleichen Modell berechnet»

Nach der Sanierung und Neugestaltung der Flaachtalstrasse im Dorf Hünikon werden nun in mehreren Etappen auch die restlichen Teilstücke der Flaachtalstrasse saniert (siehe Artikel unten). «Jetzt fehlt nur noch ein Bushäuschen», sagt Vontobel. Der Hüniker setzt sich, wie könnte es auch anders sein, derzeit beim Kanton dafür ein. Die Gemeinde hat den Kredit schon gesprochen. (Der Landbote)

Erstellt: 04.03.2017, 10:21 Uhr

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