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«Das System ist ein alter Zopf»

SP-Kantonsrätin ­Céline Widmer gehört zu den Kritikern der ­Laienrichter. ­Sie hat den Vorstoss im ­Parlament lanciert.

War­um hat dieses System, das sich Jahrhunderte lang bewährt hat, Ihrer Ansicht nach ausgedient?Céline Widmer: Die juristischen Prozesse sind zunehmend komplexer geworden, nicht zuletzt wegen der neuen Prozessordnung. Heutzutage werden vermehrt Einzelrichter eingesetzt, wo früher Richtergremien entschieden haben. Das bedeutet mehr Verantwortung für die einzelnen Richter und erfordert von diesen gleichzeitig aber auch mehr Fachkompetenz. Diese ist aber erst nach einem abgeschlossenen Studium gegeben. Jüngst hat das Bezirksgericht in Uster beim Obergericht ein Gesuch um personelle Verstärkung gestellt. Die Gerichtsschreiberin, deren Stelle bewilligt worden war, musste den Laienrichter fachlich unterstützen. Dabei sollte es eigentlich eher umgekehrt sein. Die Gerichtsschreiber haben oft auch noch nicht allzu viel Erfahrung. Trotz Hilfe gab der Richter nach wenigen Monaten sein Amt auf. Dieser Fall zeigt doch, dass eine juristische Ausbildung für einen Richter unabdingbar ist. Sie können doch nicht wegen eines Einzelfalls ein ganzes ­System infrage stellen?Es hat auch noch andere Fälle gegeben, in denen Laienrichter mit ihren Aufgaben überfordert waren.

Um Recht zu sprechen, braucht es nicht nur die juristischen Kenntnisse, sondern auch ­gesunder Menschenverstand. Sprechen Sie diesen den Laien ab?

Nein, aber genauso wenig, wie er den Laien fehlt, genauso wenig ist er den Juristen abhandengekommen. Ich wehre mich gegen die Annahme, dass nur Laien über ­gesunden Menschenverstand verfügen. Auf einen Richterstuhl gehören ausgebildete Fachkräfte, ­gekoppelt mit einem gesunden Menschenverstand.

In einer Exekutive sitzen auch Leute, die nicht über eine ­spezielle Ausbildung für ihr ­Departement verfügen. Weshalb kann das in einer Judika­tive nicht funktionieren?

Die Leute, die ein Exekutivamt bekleiden, müssen selbstverständlich kompetent sein, um politisch zu führen. Aber im Gegensatz zu einer Judikative können sie auf eine ganze Verwaltung zurückgreifen, die sie unterstützt. Und für andere Berufe im juristischen Bereich, etwa für Anwälte und Notare, werden ja auch die nötigen Fachkenntnisse vorausgesetzt. War­um also nicht für Richter? Interview: Ursula Schöni

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