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Das tat weh

SOTSCHI. Simon Ammann musste mit einem 23. Rang auf der Grossschanze von Olympia Abschied nehmen.

Simon Ammanns olympischer Kreis hat sich geschlossen. 1998, als 16-jähriger Bub, war er ein bisschen verloren, aber mit grossen Augen im japanischen Haus gestanden, das die damals kleine Schweizer Springerfamilie bewohnte. 2014 schüttelte es den inzwischen gestandenen Mann wie einen kleinen Buben, der Gefühlsmensch konnte seine Tränen nicht immer zurückhalten.

Eine extrem emotionale Kam­pa­gne in Sotschi war zu Ende gegangen. Nicht im grossen Stil, wie ihm das jeder noch so gerne gegönnt hätte. Sondern verblasen im Wind des ersten Durchgangs. Oben drückte ihm der Aufwind die Ski zu stark an den Körper, was einen Bremseffekt ergab, im zweiten Teil drückte ihn der Rückenwind in den Hang. 125,5 m waren kein Spitzenresultat. Die 131 m des zweiten Durchgangs, Ammanns wohl bester Sprung von dieser Schanze, erbrachten eine kleine Korrektur. Ammann war nicht das einzige Opfer der Bedingungen.

Nicht aus dem Tief gefunden

Platz 17 von der Normalschanze, Rang 23 dann im letzten olympischen Einzelwettkampf – der zweifache Doppelolympiasieger kam einfach nicht auf Touren an dem Ort, der ihm hätte einen schönen Abschied von Olympia ermöglichen sollen. Die Ehre, als Fahnenträger die Schweizer Delegation bei der Eröffnungsfeier anzuführen, hatte er versucht in noch mehr positive Ener­gie umzuwandeln. Die neueste Materialtüftlerei mit einem Carbon-Innenschuh brachte nicht den erhofften Kick. Und selbst der Absturz in Willingen wurde nicht zum Glücksbringer. 2002 war er in Deutschland schwer gestürzt, das hatte ihn aber nicht daran gehindert, in Salt Lake City den ersten olympischen Doppelschlag zu realisieren. Ammanns Abschied tat nicht nur ihm, sondern allen weh.

Noch bei Jahreswechsel hatte sich der Toggenburger in Topform präsentiert. Seine Leistungen bei der Vierschanzentournee beeindruckten. Dann fiel er überraschend in ein Loch, aus dem er nicht mehr rechtzeitig einen Weg zurückfand.

Rückschläge hat er immer wieder überwunden. Stets fand er neue Wege, sich im Skispringen, das mit den ständigen Regeländerungen ein unstetes Geschäft ist, an der Spitze zu behaupten. Mehrmals überraschte er die Konkurrenz mit Neuentwicklungen.

Nur eine Gesetzmässigkeit konnte er nicht zu seinen Gunsten umbiegen: seinen olympischen Erfolgsrhythmus. Er begann 1998 mit Klassierungen zwischen 30 und 40, 2002 folgten zwei Goldmedaillen, 2006 blieb er ohne Auszeichnungen, 2010 flog er wieder zweimal zu Gold. Da war 2014 leider beinahe schon als medaillenlos gegeben. 2018 in Pyeongchang wäre wieder Ammann-Zeit. Aber es ist nicht anzunehmen, dass er so lange springt. Obwohl er dann noch immer fünf Jahre jünger wäre als Noriaki Kasai, der am Samstag hinter Kamil Stoch Silber gewann.

Nachfolger Cologna

Ammann ist mit vier Goldmedaillen noch immer der erfolgreichste Schweizer Olympionike. Mit Dario Cologna steht einer als Nachfolger bereit, der die gleichen Qualitäten wie Ammann aufweist: Der grosse Wille, der vor dem Talent kommt, Demut und Leidenschaft, die Liebe zum Sport – das alles zusammen ergibt Weltklasse. Cologna ist schon zum Schweizer des Jahres gekürt worden. Diese Auszeichnung ist Ammann verwehrt geblieben, als bisher einzige. Er hätte sie verdient.

Ammanns Nachfolger auf der Schanze heisst Kamil Stoch. Er gewann auch den zweiten Wettbewerb und ist damit nach Matti Nykänen und dem Schweizer erst der dritte Doppelolympiasieger. Er könnte mit dem polnischen Team noch eine dritte Medaille holen.

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