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Das Trio hinter Ronaldo

Portugal hat im Verlauf dieser EM bewiesen, dass es mehr zu bieten hat als Cristiano Ronaldos One-Man-Show. Nationaltrainer Paulo Bento versucht das zu betonen, indem er die meisten Fragen zu Ronaldo ignoriert – mit dem diplomatischen Hinweis, er äussere sich nicht zur Vorstellung einzelner Spieler: «Ich analysiere immer die mannschaftliche Leistung als Ganzes.» Als ehemaliger defensiver Mittelfeldspieler weiss er, wie es ist, im Schatten zu stehen. Er bestritt für Portugal 35 Länderspiele, schoss dabei keinen Treffer und bleibt vor allem in Erinnerung als der Spieler hinter Rui Costa und Luis Figo.

Heute im Halbfinal gegen Spanien dürften die Schattenmänner, mit denen Bento so gut mitfühlen kann, mehr in den Blickpunkt rücken. Die «Selecção» will den Welt- und Europameister mit Pressing am Spielen hindern und dann rasch den Angriff suchen. Es kommt viel Arbeit auf die drei eher defensiven Mittelfeldspieler zu: Miguel Veloso, Raul Meireles und João Moutinho. Bento weiss genau, was er von ihnen verlangen kann, vor allem von Veloso und Moutinho, die er bereits als Junioren bei Sporting Lissabon trainiert hatte.

Veloso ist der Mann vor der Verteidigung, eine Art Libero im Mittelfeld. Der 26-Jährige vom Serie-A-Klub Genoa soll die Angriffe des Gegners lesen, die Pässe abfangen und dort sein, wo Not am Mann ist. In den vier EM-Spielen trat er nicht immer überzeugend auf. Vor allem sein Zweikampfverhalten entspricht eigentlich nicht den Anforderung seines Postens: Er gewann nur 50 Prozent der Duelle. Trotzdem hat er einige Ukrainer begeistert: Dynamo Kiew möchte ihn Genoa abkaufen.

Etwas vor Veloso spielt Meireles von Champions-League-Sieger Chelsea. Der 29-Jährige ist der Erfahrenste und Auffälligste des Trios. Er hat eine verwegene Frisur und 32 Tattoos. Dass er an der EM weniger oft im Blickpunkt stand als bei Chelsea, dürfte nicht mit der Müdigkeit nach der aufreibenden Saison, sondern in erster Linie mit seiner Position zu tun haben. Er soll beim Verteidigen möglichst nahe am Ball sein. Da Portugal im bisherigen EM-Verlauf nur 46 Prozent Ballbesitz hatte, heisst das: Meireles muss viel rennen.

Der «spanischste» Portugiese

Wesentlich nüchterner als Meireles kommt der 1,70 m grosse João Moutinho daher. Der 25-Jährige ist aber der technisch Stärkste des Trios und derjenige, der am offensivsten auftritt, der die Bälle verteilt. Im Viertelfinal gegen Tschechien führte seine Flanke zu Ronaldos Siegtreffer, schon in der Gruppenphase hatte er mit seiner Übersicht und Passgenauigkeit überzeugt. In seiner Heimat wird Moutinho schon lange hoch gehandelt. 2010 wechselte er für die Liga-Rekordsumme von 11 Millionen Euro von Sporting Lissabon zum FC Porto. Seine Karriere in der Nationalmannschaft verlief nicht reibungslos. 2010 wurde er für die WM nicht mal aufgeboten. Und im laufenden Turnier wäre ihm kein Stammplatz auf sicher gewesen, wenn sich der interne Konkurrent Carlos Martins nicht verletzt hätte. Nun ist er der Spielmacher und der «spanischste» Portugiese: Pro Spiel hat er an der EM bisher 63 Ballkontakte, 88 Prozent seiner Pässe kamen an.

Es sind Zahlen, die er sonst nur auf Klubebene aufweist. Bei Sporting Lissabon gab Moutinho als 17-Jähriger sein Debüt und war ein gutes Jahr später schon Captain. Seit dem Wechsel zum FC Porto gewann er zweimal die Meisterschaft und einmal die Europa League. Nun wird er mit diversen englischen Klubs in Verbindung gebracht. Diese schrecken allerdings noch vor der vertraglich festgesetzten Ablösesumme von 40 Millionen Euro zurück. Das könnte sich heute ändern. (si)

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