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Das «vergessene» Stadel fühlt sich benachteiligt

Am Wochenende veranstaltet Stadel eine Dorfet. Wer diese besuchen will, muss laufen oder Auto fahren. Denn noch immer wartet die Winterthurer Aussenwacht auf einen Bus.

«Wir sind so nah und doch so fern. Wir gehören dazu und eben doch nicht», sagt Joyce Widmer und deutet Richtung Winterthurer Stadtkern. Die dreifache Mutter sitzt in ihrem weitläufigen Garten in Stadel, umgeben von Kirschbäumen. Sie drückt ein Gefühl aus, welches einige der 290 Bewohner von der Winterthurer Aussenwacht teilen: Der Ort gehört zur Stadt und irgendwie doch nicht. Gleichwertig behandelt fühlen sie sich auf jeden Fall nicht: «Wir haben keinen Zug, keinen Laden, keinen Bus. Nichts», sagt Widmer. Seit dreissig Jahren wohnt sie hier. «Wir zahlen dieselben Steuern wie alle anderen in Winterthurer auch. Nur erhalten wir nicht dasselbe.» Hinter ihr rattert der Zug, doch er hält einen Kilometer weiter südlich, in Reutlingen. Zu viel Durchgangsverkehr Im Osten liegt Wiesendangen, im Westen Seuzach. Beide verfügen über Bahnhof und Bus. Durch Stadel allerdings führt nur die Hauptstrasse. Denn für Ärger sorgt nicht nur der nicht durchfahrende Bus, sondern die zahlreich durchfahrenden Autos. «Wir bekommen den ganzen Durchgangsverkehr ab», sagt Bewohner Günther Prassl. Der Verkehr habe sich in Stadel massiv vervielfacht. Insbesondere am Morgen, wenn die Autobahn verstopft sei. Eine Beobachtung, welche auch der Schreiner Stefan Baars bestätigt: «Dann kommen die Gehetzten.» Prassl will die Strasse nicht weghaben, was ihn neben dem Durchgangsverkehr jedoch nerve, seien «die Ausflügler, die mit dem Auto hierherfahren, den Hund seine Notdurft verrichten lassen und wieder verschwinden». Würde es einen Bus geben, würden vielleicht auch mehr Ausflügler mit dem ÖV kommen. Joyce Widmer ist überzeugt, dass auch mehr Leute in Stadel wohnen würden. Für Prassl ist es ein Teufelskreis: «Wenig Bewohner bedeutet keinen Bus. Kein Bus bedeutet wenig Bewohner.» So gehe Stadel oft vergessen. Im Februar 2012 stellte der Stadtrat einen Bus in Aussicht: Die Linie 674 aus Seuzach könne verlängert werden, lautete eine der Ideen. Ideen, welche sich ein Jahr später jedoch als zu teuer herausstellten. 2018 wird die Stadt die Busfrage erneut prüfen. Und so bleibt Stadel, was es bis dahin war: «Ein Paradies zwar, aber halt ohne Bus», wie es Widmer ausdrückt. Um eine «Prise Stadel» zu nehmen, müssen die Dorfet-Besucher somit am Wochenende mit dem Auto oder zu Fuss von einem der umliegenden Bahnhöfe kommen. Stadler Dorfet Samstag ab 11 Uhr, Sonntag Brunch ab 9 Uhr.

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