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Decastel wieder in Sion

SION/GENF. Nach acht Runden in der Super League sind bereits drei Trainer nicht mehr im Amt. Sion ersetzt den zurückgetretenen Fournier durch Michel Decastel, Servette sucht noch einen Nachfolger für Alves.

Mitte August musste Murat Yakin in Luzern gehen, gestern zog sich Sébastien Fournier nach nur drei Monaten als Trainer des FC Sion zurück – und Joao Alves wurde in Genf entlassen. Die Trainer in Sion wechseln sich unter Präsident Christian Constantin weiterhin in munterem Rhythmus ab. Fourniers Bilanz war mit 16 Punkten aus 8 Spielen auch nach zuletzt zwei verlorenen Partien eigentlich gut. Er führte in seinem ersten Job als Profitrainer Sion zwar auf Platz 1. Am letzten Samstag wurde Fournier die mangelnde Routine zum Verhängnis. Den 41-jährigen früheren Internationalen brachte die miserable Leistung einiger Spieler beim 0:3 gegen den FC St. Gallen derart aus der Fassung, dass er sich in der anschliessenden Besprechung in der Kabine in der Wortwahl komplett vergriff.

Manset entlassen

Insbesondere der Tunesier Oussama Darragi soll von Fournier mit Kraftausdrücken bedacht worden sein. Bereits eine Woche zuvor hatte der Mittelfeldspieler den Zorn seines Trainers auf sich gezogen, weil er zwei Tage vor der Partie gegen den FC Zürich mit den Mitspielern Adao und Mathieu Manset einen ausgedehnten Ausflug ins Lausanner Nachtleben unternommen hatte. Der FC Sion hat gestern die drei Spieler bestraft. Am härtesten traf es den französischen Stürmer Mathieu Manset. Er muss sich einen neuen Verein suchen. Joaquim Adao wurde in die U21-Mannschaft relegiert. Oussama Darragi kommt mit einer Busse davon, berichteten Walliser Medien.

Fournier bekam für seine verbale «Entgleisung» keine Rückendeckung von Präsident Constantin. In einer Medienmitteilung, die der Klub am Sonntag publiziert hatte, hiess es: «Die Niederlage kann unbeherrschte Worte ge­gen­über Angestellten des Klubs nicht rechtfertigen.»

Es ist davon auszugehen, dass der Rücktritt von Fournier – er wird sich in Zukunft wieder um den Walliser Nachwuchs kümmern – nicht komplett freiwillig war. Er ist in diesem Jahr bereits der dritte Sion-Coach, der mehr oder weniger freiwillig abgetreten ist. Laurent Roussey nahm Ende April den Hut und wurde drei Wochen später durch Vladimir Petkovic ersetzt. Der Bosnier verabschiedete sich nach vier Spielen und überstandener Barrage dann bereits Richtung Lazio Rom.

Fourniers Nachfolger wurde mit «beeindruckender» Geschwindigkeit gefunden. Keine zwölf Stunden nach dem Abgang stand mit Michel Decastel bereits der Nachfolger parat, wurde dem Team vorgestellt und begleitete dieses ins Trainingslager nach Crans-Montana. Decastel weiss immerhin, was ihn erwartet. Den «Problemspieler» Darragi betreute er bereits Anfang Jahr, als dieser bei Espérance Tunis unter Vertrag stand, und auch Constantin kann er einschätzen. Decastel wurde Anfang August 1996 vom Sittener Präsidenten entlassen – wenige Wochen nachdem er die Mannschaft zum Cupsieg und dem zweiten Platz in der Meisterschaft geführt hatte.

Der 56-jährige Neuenburger, der für die Schweiz 19 Länderspiele absolviert hat, betreute den FC Sion bereits von 1995 bis 1996. Danach war er drei Jahre lang in Delémont tätig, bevor er sich vor allem in Afrika einen Namen machte. Er trainierte Klubs in der Elfenbeinküste, in Tunesien, in Marokko, in Ägypten und in den Arabischen Emiraten. Nie blieb er dabei länger als zwei Jahre im Amt, er feierte aber einige Erfolge. Sowohl in der Elfenbeinküste als auch in Tunesien wurde er jeweils zweimal Meister. Mit dem marokkanischen Klub Wydad erreichte er 2011 den Final der afrikanischen Champions League. (si)

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