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Dem Abschwung begegnen

Winterthur. Der FCW hat von seinen letzten sechs Meisterschaftsspielen nur eines gewonnen. Morgen strebt er in Vaduz den ersten Sieg seit elf Jahren an.

Ein Jahr ist es her, seit der FCW nach einem kapitalen Fehlstart zur Wende ansetzte und seither aus 32 Meisterschaftsspielen 63 Punkte holte, also praktisch zwei im Schnitt – für 18 Siege, 9 Unentschieden und 5 Niederlagen. Mit der glorreichen Qualifikation für die Cup-Halbfinals dazu. Beendet hat er dieses starke Jahr allerdings mit einer «englischen» Woche, die ihm in drei Spielen nur zwei Punkte einbrachte. Und die ihn erstmals in dieser Saison auf Platz 3 zurückwarf. Das ist zwar noch immer eine ordentliche Bilanz, aber es ist doch der erste kleine Durchhänger in zwölf Monaten. Und es ist auch festzustellen, dass die Tendenz zuletzt sinkend war, mit nur noch einem Sieg – dem 3:1 gegen den FC Lugano – in den letzten sechs Spielen. Die Mannschaft wirkte zuletzt, als habe sie von ihrem anfänglichen Schwung, ihrem Selbstverständnis der Selbstbewussten verloren. Dass da – vor allem in der Defensivarbeit – mehr als nur ein zeitlicher Zusammenhang mit Absenzen des Teamleaders Savvas Exouzidis bestand, war nicht zu übersehen. Mittlerweile ist der Grieche aber wieder fit, und die Quoten der Abwehr verbesserten sich gleich wieder, auf je ein Tor in den drei Matches, die er über 90 Minuten bestritt. «Nicht so weit wie erhofft» Dem drohenden Abschwung entgegenzuwirken, hat der FCW morgen im «Ländle» eine anspruchsvolle Aufgabe. Der FC Vaduz hinkt zwar – als Tabellensechster drei Punkte hinter dem FCW – zurzeit ebenfalls zumindest leicht hinter seinen Ansprüchen her, weil er bisher zu unkonstant spielte. Aber er war doch als einzige Mannschaft fähig, den FC Aarau zu schlagen, und dies mit einer sehr starken Offensivleistung zu einem 5:3. Zuletzt hatten die Liechtensteiner dieselben Gegner wie der FCW: Den FC Chiasso schlugen sie auf dessen Platz 1:0, in Wohlen verloren sie 0:1. Der FCW spielte gegen die Aargauer auswärts wie die Tessiner daheim 1:1. «Wir sind nicht so weit wie erhofft», urteilt denn auch – in seiner dritten Saison als Vaduzer Trainer – Eric Orie, der 44-jährige Holländer. Ein Grund sei natürlich, dass das Kader nach der Neuausrichtung des Vereins – weg von «grossen» Namen aus der Ferne – nicht mehr so breit und erfahren besetzt sei wie ehedem. So hätten in der vergangenen Saison in der Regel fünf mit einem Altersschnitt von 31 Jahren verteidigt, Routiniers wie Reto Zanni, Pascal Bader, Roland Schwegler und Pascal Cerrone vor Routinier Peter Jehle. Zuletzt aber, als auch noch Jehle verletzt und Bader krank waren, war das Durchschnittsalter um ein Jahrzehnt tiefer! Nicht den Erwartungen entsprechend spielte aber auch der prominenteste Neue, Stürmer Guilherme Afonso, der mit seinen 27 Jahren eigentlich nochmals einen Anlauf Richtung Super League nehmen will. Aber er hat noch nicht mal ein Meisterschaftstor geschossen. «Natürlich haben wir von ihm mehr erwartet, aber auch er von sich selbst», sagt Orie. Schon eher Richtung Trouvaille geht die Verpflichtung des französischen Technikers Amin Tighazoui (23), eines Mannes für die rechte Flanke vom St. Louis-Neuweg FC, einem elsässischen Verein aus Frankreichs 5. Liga. Er wird morgen allerdings – wie der noch immer verletzte Jehle – fehlen. Er sitzt seine letzte von drei Sperren ab für einen Platzverweis im Match gegen die AC Bellinzona, «als er sich provozieren liess», wie Orie sagt. Vaduz auf «neuem Weg» Natürlich, sagt der Trainer aus Utrecht mit einem guten Jahrzehnt Vergangenheit beim FC Lustenau im Vorarlbergischen, gebe es von aussen Kritik am bisherigen Abschneiden. Aber «intern» sei die Kommunikation «gut»; schliesslich wüssten sie ja, dass sie «einen neuen Weg eingeschlagen» hätten. Und auch er kann die Tabelle lesen in dieser Liga, die so «ausgeglichen ist, wie ich das noch nie erlebt habe». Also sieht auch er, dass es nur vier Punkte sind zu Platz 2. Dass man also mit einer nur kleinen Serie schnell weit oben ist. Wieder eine «neue» Abwehr Vergleichbar ist – aus leicht höherer Warte – die Perspektive des FCW. Eine «kleine Serie» – und der kann sich auch dem Leader FC Aarau wieder annähern. Aber eine Fortsetzung der Negativtendenz hiesse auch, dass man sich sehr schnell in der zweiten Tabellenhälfte wiederfände. Im Rheinpark muss Boro Kuzmanovic seine Abwehr erneut umstellen. Weil Ermir Lenjani mit seiner Angina weiterhin krankgeschrieben ist, wird Denis Simijonovic wieder den Linksverteidiger geben. Auf der andern Seite wird Nick von Niederhäusern den gesperrten Patrik Schuler ersetzen, also wieder mal auf jener Position antreten, die er jahrelang besetzte. Schuler sammelte in jedem zweiten seiner bisher acht Spiele eine Verwarnung und brachte es damit als erster Winterthurer in dieser Saison auf die Sperrquote. Der FCW hat zweifellos eine Mannschaft, die auch in Vaduz bestehen kann. Anderseits bedarf seine Bilanz im Rheinpark dringendst einer Aufbesserung. Am 8. September 2001 hat er auf seiner ersten Reise ins «Ländle» nach dem Aufstieg des FC Vaduz in die Nationalliga B 2:1 gewonnen. Dar­auf folgten acht Niederlagen in Folge – bis zum 2:2 vor einem Jahr, als Exouzidis in letzter Sekunde wenigstens der Ausgleich glückte. (hjs)

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