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Dem Hauptbahnhof drohen Castor-Transporte im Wochentakt

Kommt das Atom-Endlager im Weinland zu ­stehen, würden jeden Monat fünf Castor-Züge durch ­Winterthur rollen. Die Fraktionen fordern den Stadtrat jetzt zum Handeln auf. Dieser beklagt fehlendes Mitspracherecht.

Das Weinland ist einer von drei Kandidaten für ein Atom-Endlager für hochradioaktive Abfälle. Fällt der Entscheid auf die Region nördlich von Winterthur, werden die Züge mit den Castor-Behältern in 40, 50 Jahren durch den Hauptbahnhof Winterthur rol­len. Fünfmal monatlich würden schwach- bis hochradioaktive Abfälle vom Zwischenlager Würenlingen nach Marthalen zum «Tor zum Endlager» transportiert. Die geplante Route führt über Bülach und Pfungen nach Winterthur und von dort weiter Richtung Norden ins Weinland. Diese Pläne überraschen im Win­ter­thurer Gemeinderat, wie Anfragen bei den Fraktionspräsidenten zeigen. «Dass man uns nicht konsultiert hat, ist ein Manko», sagt der Grünliberale Michael Zeugin. «Winterthur wäre als Transitort auch eine direkt betrof­fene Gemeinde.» Das Risiko sei nicht zu unterschätzen. Auch Silvio Stierli (SP) hält ­ den möglichen Transportweg für «hoch­problematisch», weil er mit­ten durch die dicht besiedelte Stadt und den hochfrequentierten Bahnhof führe. Stierli verweist auf den grossen Nachholbedarf der SBB in der Infrastruktur: «Ob das Schienennetz für diese Zwecke sicher genug ist, darf bezweifelt werden.» SP wie Grüne stellen sich grundsätzlich gegen ein Endlager im Weinland. Mitteparteien sind gelassen Daniel Oswald (SVP) erachtet Güter­fahrten bereits heute als eine generelle Gefahr im Bahnhof Winterthur. «Jeder Güterzug, der mit Diesel oder Benzin durchfährt, ist das grössere Risiko als ein Castor-Transport.» Etwas gelassener reagieren die Mitteparteien. Markus Wenger (FDP) spricht den Logistikunternehmen sein Vertrauen aus: «Sie sind es gewohnt, schwierige Güter zu transportieren.» Auch Matthias Baumberger (CVP) sieht einzig Gefahren, die von politischen Aktivisten ausgehen könnten. Dennoch erwartet Baum­ber­ger wie weitere Fraktionspräsidenten vom Stadtrat, dass dieser die Stand­ortwahl der Nagra näher begleitet. Der Ruf nach einer klaren Positionierung wird laut. Angesprochen auf den möglichen Transportweg, sagt Stadtpräsident Michael Künzle: «Das gefällt uns nicht.» Man kenne diese Pläne und verfolge das Thema mit grossem Interesse. Bund verwehrt Mitsprache Mitreden aber darf die Regierung nicht: «Wir haben beim Bund mehrfach ein Mitwirkungsrecht geltend gemacht», sagt Künzle, «leider wurde uns diese Mit­wirkung nicht zugestanden, da die Stadt ausserhalb des geogra­fischen Einzugsgebiets liege.» Dies gehe in die Richtung einer «weiteren Entmachtung der lo­kalen Institutionen», so Künzle. Winterthur werde sich wei­ter­hin für ein Mitspracherecht ein­setzen. Jigme Garne und Markus Brupbacher

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