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Den Faden verloren

ROM. Die Hauptprobe für das French Open verlief gar nicht nach dem Gusto von Novak Djokovic. Im Viertelfinal von Rom scheiterte der Serbe nach klarer Führung doch noch 6:2, 5:7, 4:6 an Tomas Berdych.

Nach der Startniederlage in Madrid gegen Grigor Dimitrov war der serbische Weltranglistenerste Novak Djokovic in Rom dar­um bemüht, Selbstvertrauen zu tanken. In den ersten Runden gelang ihm dies, der zu konstante Albert Montanes und der zu inkonstante Alexander Dolgopolow waren aber nur bedingt valable Gradmesser. Gegen Tomas Berdych startete Djokovic optimal, gewann 11 der ersten 15 Games und führte 6:2, 5:2. Statt nun aber den Halbfinaleinzug unter Dach und Fach zu bringen, liess er plötzlich nach, schlichen sich Mängel in sein Spiel ein, die es dem Tschechen erlaubten, immer stärker aufzukommen.

Der Schlaks, der seinerseits 11 der letzten 15 Games gewann, trat nicht auf wie ein Spieler, der 13 von 14 Duellen mit Djokovic, dar­un­ter die letzten 11, verloren hat. Mutig suchte er weiter sein Heil in der Offensive, suchte, fand die Platzecken und zog schliesslich zum ersten Mal in den Halbfinal von Rom ein. Djokovic war aufgrund des Matchverlaufs enttäuscht: «Ich habe sehr gut gespielt und es fehlten nur zwei Punkte zum Sieg. Nachher habe ich plötzlich meinen Rhythmus verloren und wurde viel zu defensiv.»

Grosse Sorgen muss sich Djokovic hinsichtlich seines erklärten Saisonziels – der erstmalige Gewinn des French Open in Paris – nicht machen, hat er doch in Monte Carlo bereits bewiesen, dass er auch auf Sand alle Spieler (inklusive Nadal) bezwingen kann. Einige Unsicherheiten bleiben aber aufgrund der Anfälligkeit seines Knöchels und der Probleme der letzten Wochen. «Ich werde früh nach Paris reisen und mich in aller Ruhe vorbereiten», so die Weltnummer 1, «aber ich muss aufpassen, dass ich in Paris nicht solche Schwankungen habe.»

Berdych trifft nun auf einen Spieler, gegen den er sogar zwölfmal hintereinander verloren hat, Rafael Nadal. Wie am Vortag gegen Ernests Gulbis musste der sechsfache Rom-Champion hart kämpfen, besiegte aber Landsmann und Laufwunder David Ferrer in zweidreiviertel Stunden 6:4, 4:6, 6:2. Auf Sand hat Nadal damit die letzten 16 Vergleiche gegen Ferrer gewonnen. Getestet wurde auch sein mentaler Zustand, vorab am Ende des zweiten Durchgangs: Ferrer holte sich den zweiten Satzball mit einem Netzroller, beim Satzball selber gab der überforderte Stuhlschiedsrichter dem Mallorquiner zwischen erstem und zweitem Ball eine Verwarnung wegen Zeitspiel und den Satz sicherte sich dann Ferrer, nachdem er einige unglaubliche Bälle ausgegraben hatte, unter anderem einen Smash etwa fünf Meter hinter der Grundlinie. Nadals Reaktion? Eine unerreichbare «Vorhandgranate» beim ersten Punkt des Entscheidungssatzes.

Grosserfolg für «neuen» Paire

Als erster Spieler für die Halbfinals qualifizierte sich einer, mit dem vor Turnierbeginn niemand gerechnet hatte. Benoît Paire (ATP 36) bestätigte seinen ersten Top-Ten-Sieg (gegen Juan Martin del Potro) eindrücklich und überliess Marcel Granollers (ATP 37) nur ein Game. Mit dem unorthodox spielenden Spanier verbanden ihn gleichermassen positive wie negative Erinnerungen. Der einstige Gstaad-Sieger war der erste Top-100-Crack, den er einst bezwungen hatte, seither hatte er aber zweimal gegen ihn verloren. Der Benoît Paire vom Mai 2013 hat aber mit dem der jüngeren Vergangenheit nicht mehr viel gemeinsam. Am offenkundigsten für seinen Sprung ist der mentale Bereich: «Ich habe nun schon zwei Matches kein Wort mehr gesagt, das ist unglaublich», so der Mann, der bis anhin schon bei der kleinsten Widerwärtigkeit dafür bekannt war, das zu tun, was der Franzose so treffend mit «péter un plomb» bezeichnet. Zerstörte Rackets sind dieser Tage aber ebenso kein Thema wie permanente Selbstgespräche. «Ich spiele besser, wenn ich ruhig und gelöst bin», hat Paire erkannt.

Noch vor drei Jahren um den 400. Platz klassiert, wird er nun in den Bereich von Platz 25 vorrücken und in Paris gesetzt sein, sehr zur Freude von Stanislas Wawrinka, mit dem Paire nicht nur gelegentlich Doppel spielt, sondern auch sonst viel Zeit verbringt. Eine gegenseitig befruchtende Freundschaft, wie Paire sagt: «Ich kann viel von seiner Arbeitseinstellung mitnehmen, der Ernsthaftigkeit. Mit ihm ist es auf dem Platz sehr intensiv. Umgekehrt kann er von mir ein wenig Verrücktheit lernen.» Paires nächster Gegner ist heute Roger Federer oder Jerzy Janowicz, die sich nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe gegenüberstanden.

Längste Serie für Williams

Bei den Frauen spielt sich Serena Williams weiter unwiderstehlich durch das Turnier. Inklusive des 6:2, 6:0 gegen Oprandi-Bezwingerin Carla Suarez Navarro (WTA 22) hat die Amerikanerin bis in den Halbfinal, in dem sie heute auf die überraschende Rumänin Simona Halep (WTA 64) trifft, erst sieben Games abgegeben. Williams hat nun erstmals 22 Matches in Serie gewonnen, nachdem ihre beiden anderen längsten Serien 2002 und 2003 jeweils bei 21 Matches geendet hatten.

Wer Serena Williams den zweiten Titel in Rom nach 2002 streitig machen will, ist unklar, sie dominiert wie schon lange keine mehr. Ihre auf dem Papier härteste Widersacherin, Maria Scharapowa, gab gestern für den Viertelfinal gegen Sara Errani wegen Krankheit Forfait. Allerdings dürfte dies für Williams keinen Unterschied ausmachen, hat die Russin gegen die jüngere der Williams-Schwestern doch seit rund neun Jahren nie mehr gewonnen. (si)

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