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Den Kopf aus der Schlinge gezogen

INTERLAGOS. Jenson Button entscheidet in einem aufwühlenden Grossen Preis von Brasilien als Sieger vor dem bis zuletzt hoffenden Fernando Alonso die Formel-1-Weltmeisterschaft zugunsten des sechstklassierten Titelverteidigers Sebastian Vettel.

Nach zwei Runden des «Finale furioso» im Autodromo von Interlagos durfte sich Fernando Alonso dem dritten WM-Titel als Dritter hinter dem McLaren-Duo Lewis Hamilton/Jenson Button schon sehr nahe fühlen. Sebastian Vettel sah sich zu diesem Zeitpunkt nach Kollisionen mit Bruno Senna und Sergio Pérez an den Schluss des Feldes verbannt. Bei ständig wechselnden Witterungsbedingungen, anspruchsvollen Strategiewechseln, vielen Zwischenfällen und Dutzenden von Reifenwechseln änderte sich die Ausgangs­lage in der Folge aber laufend. Vettel rückte trotz eines beschädigten Autos und Kommunikationsproblemen rasch wieder in die Punkteränge vor, nie aber auf den angestrebten vierten Platz, der ihm den Titel aus eigener Kraft beschert hätte. So musste er nach Alonsos Vorrücken auf Platz 2 durch einen Platzabtausch mit seinem Ferrari-Teamkollegen Felipe Massa als Sechster zittern, bis Paul di Resta zwei Runden vor Schluss mit einem heftigen Abflug auf der Zielgeraden einen zweiten Einsatz des Safety-Cars notwendig machte. Wäre der nach einer verhängnisvollen Kollision zwischen Hamilton und Nico Hülkenberg plötzlich führende Button mit seinen stark nachlassenden Reifen im immer stärker werdenden Regen auch noch von der Piste gerutscht, hätte er die Weichen zugunsten von Alonso und Ferrari gestellt. Der Brite behielt aber kühlen Kopf und sicherte McLaren den siebten Saisonsieg und damit trotz des millionenschweren Verlustes des zweiten Platzes in der Teamwertung an Ferrari noch einen positiven Saisonschluss. «Zuletzt glich meine Fahrt einem Balanceakt auf dem hohen Seil. Es war unglaublich schwierig, das Auto auf der Piste zu halten, umso glücklicher bin ich über diesen Sieg, der uns die richtige Moral für die nächste Saison verleihen wird», versicherte Button. Zufrieden zeigten sich auch andere, Gewinner und Verlierer. «Dass wir mit einem unterlegenen Auto bis zum letzten Meter um den Titel kämpfen konnten, erfüllt mich mit grossem Stolz», gestand Alonso. «Ferrari hat trotz der nicht selbst verschuldeten Rückschläge nie aufgesteckt und sehr vieles zu einer fantastischen Weltmeisterschaft beigetragen. Wir gratulieren Red Bull und Sebastian Vettel. Wir werden die Köpfe wegen dieser ehrenvollen Niederlage aber nicht in den Sand stecken, sondern 2013 voller Ambitionen einen neuen Anlauf nehmen.» Vettels Ritt durch die Hölle Vettel freute sich nach einem Ritt durch die Hölle eher im Stillen über den dritten Weltmeistertitel. Der 25-jährige Deutsche erlebte ein Rennen der besonderen Art mit ganz unterschiedlichen Gefühlen. «Es hat ganz schlimm angefangen und ein gutes Ende gefunden», meinte er sichtlich erleichtert. «Schon der Start war alles andere als optimal. Ich sah mich abgedrängt und habe in der Folge einige Positionen eingebüsst. Dann wurde ich in Kurve 4 von Bruno Senna umgedreht und an den Schluss des Feldes zurückversetzt. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich alle und alles verwünschen können. Es kam aber noch schlimmer. Als ich mich am Funk über den Schaden am Auto informieren wollte, verstand ich nur noch, dass ich unbedingt draussen bleiben solle. Dann ist der Kontakt komplett abgebrochen. So fühlte ich mich im schwierigsten Rennen des Lebens völlig allein gelassen. Ich war frustriert und verärgert und habe mich dann aber immer wieder mit völlig neuen Si­tua­tio­nen konfrontiert gesehen und mit jedem Platzgewinn Hoffnung geschöpft. Umso schöner ist der dritte Titel in Folge. Die richtigen Worte dafür werde ich wohl erst nach dem Ausschlafen finden. Der Appetit wird aber nicht kleiner, das kann ich schon jetzt versprechen. Wir werden uns bestimmt nicht auf den Lorbeeren ausruhen.» Hülkenberg nahe an Sensation Für den Titel kamen nur Vettel und Alonso in Frage, für den Sieg im letzten Rennen einer der besten Weltmeisterschaften aller Zeiten drängten sich andere auf. Hamilton war aus der Pole­position der Mann der ersten Runden, Nico Hülkenberg ein sensationeller Leader im Force-India-Mercedes von der 18. bis zur 42. Runde und Jenson Button der lachende Dritte, als Hülkenberg Hamilton wieder von der Spitze verdrängen wollte und aus dem Rennen warf. Dass der nächstjährige Sauber-Pilot trotz der dafür kassierten Durchfahrtsstrafe und des Verlustes von mehr als 40 Sekunden hinter dem Safety-Car noch als Fünfter ins Ziel kam, rückt seine Leistung ins richtige Licht. Nur er und Button waren bei einem ersten leichten Niederschlag mit den Trockenreifen auf der Piste geblieben und hatten so einen grossen Vorsprung herausgefahren. Sauber ins Zittern gebracht Durch ein Wechselbad der Gefühle ging auch das Sauber-F1-Team, das schon in der ersten Runde den Ausfall des von Vettel getroffenen Sergio Pérez verkraften musste, wegen Nico Hülkenbergs Husarenritt plötzlich um den sechsten Platz in der Teamwertung bangen musste, dank dem nach harten Duellen mit Vettel zwischenzeitlich viertklassierten Kamui Kobayashi aber auch wieder hoffen konnte, Mercedes doch noch abfangen zu können. Erst der letzte Reifenwechsel stoppte dieses heikle Unterfangen. Michael Schumacher hatte sich in seinem Abschiedsrennen mit Mercedes vorher mit Regenreifen eingedeckt und konnte sich weiter vorne einreihen. Als ihm der Japaner in extremis den siebten Platz wieder entreissen wollte, touchierten die beiden und auch hier blieb Kobayashi der Verlierer. Der Dreher warf ihn auf den neunten Platz zurück. Dennoch darf er die Formel-1-Bühne erhobenen Hauptes verlassen. Er hat im Gegensatz zu dem seit dem Glanzlicht in Monza nicht mehr positiv auffallenden Pérez bis zum Schluss das Beste gegeben für das Schweizer Team und verdient andernorts eine neue Chance.

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