Winterthur

Den Nachbarn mit Schlägerkommando aufgesucht

Weil er sich drangsaliert fühlte, hat ein 29-Jähriger fünf Kollegen versammelt, um seinen Nachbarn einzuschüchtern. Der Plan geriet jedoch ausser Kontrolle.

Eine sechsköpfige Männergruppe drang mit Messer und Schlagstöcken bewaffnet in die Wohnung des Nachbarn ein.

Eine sechsköpfige Männergruppe drang mit Messer und Schlagstöcken bewaffnet in die Wohnung des Nachbarn ein. Bild: Keystone

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Eigentlich hätte die sechsköpfige Männergruppe den Nachbarn A. nur zur Rede stellen wollen. Dieser habe den Angeklagten, seine Freundin und deren WG-Kollegen schon seit längerem immer wieder bedroht und dabei auch einmal mit einer Pistole herumgefuchtelt.

So schilderte es K., der sich am Dienstag vor Bezirksgericht verantworten musste. Zudem trage A. Schuld am Suizid eines Freundes – ein Vorwurf, den K. nicht weiter ausführte.

200 Franken fürs Mitmachen

A., der über der Wohngemeinschaft wohnte, habe seine Drohungen im Treppenhaus ausgestossen und auch per SMS verschickt. «Wir haben mit der Verwaltung gesprochen, die wollte ihn loswerden», sagte K.

Man habe ihm auch geraten, zur Polizei zu gehen. Doch K. tat etwas anderes, als ihm die Drohungen zu viel wurden: An einem Abend versammelte er mit seinem Mitbewohner vier Freunde.

«Er hat abgestritten, dass die SMS von ihm sind, deshalb habe ich ihn geschlagen.»

Einen heuerte K. extra wegen dessen Körpergrösse an. 200 Franken zahlte er dem 2.15 Metern Hünen für seine Teilnahme. Die Truppe hatte laut K. einen klar umrissenen Plan: Sie wollten in die Wohnung von A. eindringen, zwei sollten diesen festhalten, damit K. ihn zur Rede stellen könnte.

Schlagstöcke und Klappmesser

Als sie hörten, dass der Nachbar nach Hause gekommen war, drangen sie zu sechst in dessen Wohnung ein. Ausser K. und seinem Mitbewohner waren alle vermumt, zwei Mitglieder des Trupps waren mit Teleskopschlagstöcken bewaffnet. K. hatte ein Klappmesser mitgebracht. «Bei unserem Nachbarn waren noch zwei Frauen, die habe ich erst einmal beruhigt», sagte K.

Derweil hätten zwei Kollegen den Nachbarn in dessen Zimmer auf das Bett geworfen, ihn festgehalten und geschlagen. «Als ich dazu kam, begriff ich, dass die Situation eskaliert ist.» Trotzdem habe er seinen Plan durchziehen wollen. Er zegite A. die Droh-SMS auf dem Handy. «Er hat abgestritten, dass sie von ihm sind, deshalb habe ich ihn doch noch geschlagen.»

«Solche Sachen sehen immer nur im Film gut aus.» 

Der Nachbar kam mit Blutergüssen und blauen Flecken noch einigermassen glimpflich davon. K. gestand gegenüber der Polizei alles. Vor Gericht zeigte er sich reuig: «Es war ein Fehler, jetzt will ich mir nichts mehr zuschulden lassen kommen.» Er hatte zum Zeitpunkt der Tat bereits mehrere Vorstrafen, die Vergehen liegen jedoch viele Jahre zurück.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung hatte die Polizei indes eine Waffe gefunden. K. hatte sie in Konstanz gekauft und besass weder eine Einfuhrbewilligung noch einen Waffenschein. Er habe sich die Pistole zum Selbstschutz gekauft, sagte er.

Bedingte Gefängnisstrafe

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten bedingt und eine Busse von 3300 Franken. Die Richterin folgte dem Antrag, erliess K. aber die Busse. «Das Gericht erkennt, dass Ihr Handeln eine Vorgeschichte hat, dass Sie Ärger und vielleicht auch Angst hatten», sagte sie.

«Die richtige Ansprechperson wäre aber die Polizei gewesen.» K. sei klar gewesen, dass der Überfall keine gute Idee sei. «Solche Sachen sehen immer nur im Film gut aus.»

(Der Landbote)

Erstellt: 09.03.2018, 14:58 Uhr

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