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Der Abend der verpassten Gelegenheiten

Ottmar Hitzfeld hatte sein Team – und das Umfeld – am Tag vor dem 0:0 gewarnt: «An einem guten Tag kann Zypern jeden in der Gruppe schlagen.» Fast hätten sich die Befürchtungen des Schweizer Nationaltrainers bewahrheitet. Einige Male waren die Zyprer gefährlich zum Abschluss gekommen. Vor allem in der ersten Halbzeit wurden die Schweizer vom erstaunlich spielstarken Letzten der Tabelle in einen offenen Schlagabtausch verwickelt. Sie wirkten hinten nicht sattelfest, erspielten sich andererseits aber vier erstklassige Chancen bis zur Halbzeit: Xherdan Shaqiri schob einen etwas in den Rücken gespielten Querpass Haris Seferovics am rechten Pfosten vorbei und vergab auch die nächste Chance, zwei Meter alleine vor dem leeren Tor, wieder nach Vorarbeit Seferovics und Valentin Stockers. Dann schoss Innocent Emeghara aus bester Position über das Tor und schliesslich versuchte Stocker, den schlechter postierten Seferovic einzusetzen anstatt die Verantwortung selber zu übernehmen. Umgekehrt hatte Yann Sommer im Tor in der 33. Minute Glück, dass Makridis mit seinem Distanzschuss nur die Latte traf. Das passte zum Schweizer Stil der ersten Halbzeit: Man erar­bei­te­te sich in einzelnen Situationen zwar hervorragende Möglichkeiten, die Spielkontrolle hatte man aber nicht wirklich inne. Da fehlte es an Sorgfalt im Ballbesitz. Zweimal noch musste Sommer nach gefährlichen Abschlüssen eingreifen, auch wenn das nicht Chancen derselben Grössenordnung wie die der Schweizer waren. Probleme für Shaqiri und Inler Hitzfeld hatte wie vermutet Tranquillo Barnetta, Granit Xhaka und Eren Derdiyok draussen gelassen und sie durch Stocker, Seferovic und Emeghara ersetzt. Sie alle hatten ihre guten Szenen, auch Emeghara, der zur Pause seinen Platz Xhaka überlassen musste. Womöglich hätte man eine der unorthodoxen Aktionen des Siena-Stürmers noch brauchen können. Es waren andere, die Probleme hatten: Shaqiri spielte nicht wie einer, der bei Bayern München mehr als die Rolle des jugendlichen Unterhalters anpeilt. Ihm fehlte das Überraschungsmoment und es missrieten ihm zu viele Zuspiele. Und eben: die Chancenverwertung! Valon Behrami mühte sich bis zu seinem verletzungsbedingten Ausscheiden zwar ab, doch sein Nebenmann Gökhan Inler strahlte nicht die Sicherheit besserer Tage aus. Stephan Lichtsteiner stürmte auf der rechten Seite zwar oft nach vorne, kreierte dabei aber wenig Konkretes. Auch der für Emeghara eingewechselte Xhaka konnte die entscheidenden Pässe nicht spielen, weil er sich wohl zu sehr dar­auf kon­zen­trie­ren musste, keine Fehler zu machen. Da fehlte die einstige Unbeschwertheit. Fast immer in Ballbesitz So waren die Schweizer in der zweiten Halbzeit gegen die deutlich defensiver auftretenden Zyprer wohl fast immer im Ballbesitz, aber sie taten sich schwer, sich so gute Chancen herauszuspielen wie vor der Pause. Stocker, nach Xhakas Hereinnahme weiter links agierend und dadurch weniger ins Spiel integriert, verwertete in der 78. Minute einen Abpraller nicht. Und in der Schlussphase vergaben nochmals Seferovic und Derdiyok. Da immerhin spielten die Schweizer mit Geduld. Aber sie nutzten die Gelegenheiten nicht, die ihnen der Abend in Nikosia bot: Nicht die im Spiel und auch nicht die Möglichkeit, die Ausgangslage deutlich zu verbessern. (red/si)

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