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Der alternde Star rockt immer noch

Es ist eine doppelt nostalgische Angelegenheit: mit dem Jubiläums-Modell Corvette 427 der auslaufenden Generation zum Konzert von Bon Jovi zu fahren. Beide Klassiker haben es aber noch voll drauf.

Die siebte Generation der Chevrolet Corvette steht eigentlich schon in den Startlöchern. Doch bevor die Amerikaner im Herbst ein neues Kapitel aufschlagen, feiern sie den 60. Geburtstag der Corvette und die abtretende sechste Generation mit einem Sondermodell. Die 427 Convertible Collector Edition ist zugleich mit 505 PS das stärkste je gebaute Corvette-Cabrio. John Bon Jovi und seine Band sind zwar nicht schon seit 1953 im Geschäft, aber ebenfalls schon 30 Jahre. Was also taugen die zwei nicht mehr ganz taufrischen Amerikaner? Klar, die Karosserie der C6 aus dem Jahre 2005 kann man nicht einfach wie brandneu aussehen lassen, wie man auch Sänger John Bon Jovi beim Auftritt im Stade de Suisse ansieht, dass er nicht mehr 20 ist (sondern 51). Doch beide haben sich gut gehalten. Die flache, breite und an den Flanken muskulöse Erscheinung der Corvette hat das Zeug zum Klassiker. Bon Jovis «Livin on a Prayer» hats vorgemacht: Der Song wird seit 27 Jahren regelmässig am Radio gespielt und begeistert die Fans auch nach so langer Zeit immer noch. Mit den breiten schwarzen 19-Zoll-Felgen vorne, den 20-Zoll-Felgen hinten und den Racing-Streifen wirkt das Cabrio noch dynamischer als die normale Version. Spezielle Embleme und Logos weisen auf die Jubiläumsedition hin, auch im Interieur. Dort zeigt sich, dass Gutes zwar manchmal älter, aber dadurch nicht zwingend schlechter wird – was ja auch für Bon Jovis grosse Hits wie «Keep the Faith» gilt. Der vor allem bei schnellerer Gangart praktische Head-up-Display, die schöne Verarbeitung mit Leder und Alcantara und die übersichtlichen Instrumente überzeugen noch immer. Doch für den Käufer gibts auch «Bad Medicine» zu schlucken. Während sich die Konzertbesucher über langweilige Tracks vom aktuellen Album ärgern , wundert sich der Corvette-Fahrer über das altertümliche und schwergängige Multimedia- und Navigationsgerät. Da hört und sieht man das Verfallsdatum von gewissen Konzepten deutlich. Während der US-Sänger auf der Bühne trotzdem sympathisch wirkt und Freude versprüht, gibt sich die Corvette durchaus ab und zu als Diva. Das Dach will von Hand entriegelt werden und öffnet sich nur, wenn die Handbremse angezogen ist. Parkieren lässt sich der Sportwagen nur, wenn der Rückwärtsgang eingelegt ist. Und die empfindliche Diebstahl-Alarmanlage schaltet man besser jedes Mal von Hand aus. Aber sonst rocken sowohl Band wie Cabriolet immer noch. «Because we can» ist nicht nur das Motto der Bon-Jovi-Tour, sondern auch der Grundsatz bei Chevrolet. So packen die Amerikaner den 7-Liter-V8 aus der Z06 erstmals in ein Cabriolet. Und das wird mit 505 PS und 637 Newtonmetern Drehmoment zum Geschoss. Der Beschleunigungswert von 4,2 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer genügt kaum, um zu beschreiben, wie intensiv das Erlebnis der brachialen Motorengewalt ist, vor allem bei offenem Dach. Der V8 dreht geschmeidig hoch und drückt den Fahrer in den Sitz. Am Steuerrad ist ein Reissen und Ruckeln zu spüren, der Sound geht vom Grollen in ein Brüllen über und entlädt sich beim Gangwechsel mit lautem Donnern. Soviel Power hätte man sich im mässig beschallten Berner Fussballstadion auch gewünscht. Dort sorgt immerhin ein fitter und engagierter Leadsänger für genügend Unterhaltung. Die Corvette bleibt trotz vielen Karbon-Teilen (wie der gesamten Motorhaube) und auf 1531 Kilogramm abgespecktem Gewicht eher wuchtig als dynamisch. Enge Kurven mag der Sportwagen genauso wenig wie den Auftritt auf kleinen Bühnen. Muss man im engen Parkhaus die Lenkung ganz einschlagen, ächzen Pneus und Fahrwerk. Dafür kann man in der 427 Convertible wunderbar tieftourig cruisen – und bekommt so auch den Applaus des Publikums mit. Ein halbes Dutzend Zugaben forderten die Zuschauer von Bon Jovi, mindestens so oft gabs auf dem Weg nach Bern ein freudiges Winken oder einen anerkennenden Daumen nach oben. Übrigens: Der gigantische Motor, an dem Downsizing- und andere Spirtspar-Trends spurlos vorübergegangen sind, ist ziemlich genügsam. Im Alltagsbetrieb haben wir 11,2 Liter auf 100 Kilometer gebraucht. Der Basispreis für die 427 beträgt 107?000 Franken, dazu kommen 7200 Franken für diverse Spezialausstattung des «60th Anniversary Package». Aus vier Dachfarben und fünf Aussenfarben kann man sogar ohne Aufpreis auswählen. Und so ziehen wir mit Bon Jovi ein positives Fazit: «We Got It Goin On» – ja, der Rockstar und der Sportwagen gehen beide noch richtig ab. Chevrolet Corvette 427 Convertible Collector Edition + Enorme Motorenpower+ Stimmiges Image+ Klassisches Design – Extrem hohe Ladekante– Teilweise veraltete Systeme– Baldiger Modellwechsel

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