Zum Hauptinhalt springen

Der Biorender AG geht das Geld aus

Die Biorender-Fleischabfallvergärungsanlage hat einen Investor aus der Fleischindustrie an der Angel. Wenn der nicht anbeisst, ist die Firma trotz der mittlerweile stabilen Gasproduktion im September am Ende.

«Biorender lebt noch», sagte Markus Sägesser gestern an einer Medienkonferenz in Winterthur. Sägesser ist Direktor von Stadtwerk Winterthur und gleichzeitig Verwaltungsratspräsident der Biorender AG in Münchwilen, an der Stadtwerk beteiligt ist. Das Lebenszeichen, das er aussandte, entpuppte sich dann aber als Ankündigung einer Notoperation. Man sei im Kontakt mit einem «Kooperationspartner aus der Fleischindustrie», und es zeichne sich ab, dass dieser Interessent «die Mehrheit des Aktienpakets übernehmen könnte», sagte Sägesser. Allerdings setze dies «ein grosses Entgegenkommen von allen Seiten» voraus – von den Aktionären, Banken und Gläubigern. Worin dieses Entgegenkommen besteht, sagte er mit Verweis auf die Gespräche nicht. «Das Messer am Hals» Das zweite Problem. das eine Sanierung in Frage stellt und eine schnelle Lösung erfordert, ist der gravierende Liquiditätsengpass, der Biorender belastet. «Wir haben das Messer am Hals», erklärte Sägesser. Konkret heisst das: Wenn der Investor nicht einsteigt, ist die Biorender AG im September in Konkurs. Als Hauptgrund nannte Sägesser mehrfach das Verhalten der Stadt Wil, die wie Winterthur zu den Hauptaktionären gehört. Wil zahlt seit einem Jahr den ökologischen Aufpreis auf die bezogene Gasmenge nicht mehr und bezieht seit April gar kein Gas mehr. Der Biorender-Verwaltungsrat glaubt, mehr als 1,5 Millionen Franken von Wil zugut zu haben, und will diese Summe nun gerichtlich einfordern. Die Schlichtungsphase des Konflikts sei vorbei, nun werde die Klage vorbereitet, sagte Sägesser. Eine Klage strebt der Verwaltungsrat auch gegen den Verband der schweizerischen Gasindustrie an, der eigentlich Investitionen in Biogasanlagen unterstütze, Biorender dies aber verweigert habe. Um wie viel Geld es geht, sagte Sägesser nicht; er betonte aber, die beiden Biorender-Hauptaktionäre, die Städte Winterthur und St.?Gallen, würden beachtliche Beiträge an den Gasverband leisten. Sägesser glaubt, in diesen beiden Konflikten juristisch gute Karten zu haben. Er leitet dies daraus ab, dass die Stadt Winterthur (und indirekt Biorender) alle drei Beschwerden abwenden konnte, die im Umfeld der Volksabstimmung vom letzten November eingereicht worden waren. Damals stimmten fast 57 Prozent dem Vorgehen des Stadtrats zu, Biorender nicht fallen zu lassen. Produktionsziel gesenkt Neben dem möglichen Investor, der Möglichkeit des Konkurses und den juristischen Versuchen, zu Geld zu kommen, hatten Sägesser und der neue Geschäftsführer der Biorender AG, der Wirtschaftsprüfer Marcel Jaggi, auch Neuigkeiten zur Gasproduktion vorzulegen. Die Gute heisst: Seit mehreren Monaten produziert die Anlage täglich und ohne Ausreisser nach unten eine Gasmenge, die 55'000 bis 60'000 Kilowattstunden entspricht. Zur Zeit der Winterthurer Abstimmung im letzten Herbst lag diese Zahl bei 40'000 bis 50'000. Beim derzeit fixierten Gaspreis (samt ökologischem Mehrwert) von 39 Rappen ergibt das Einnahmen von gut 20?000 Franken täglich. Doch Sägesser und Jaggi mussten auch eine entscheidende Zahl deutlich nach unten korrigieren. Studien hätten gezeigt, dass sich die ursprünglich anvisierte Maximalproduktion von weit über 100'000 Kilowattstunden mit der Anlage nicht erreichen lasse. Das neu geltende Maximalziel heisst nun stabile 70'000 Kilowattstunden Gas täglich. War­um der alte Chef ging Der neue Geschäftsführer Marcel Jaggi hatte im März den bisherigen Chef abgelöst. Er versteht sich als Fachmann des Change-Managements und verwies unter anderem auf 15 Jahre Erfahrung bei der Swatch Group. Bei Biorender hatte er schon im Herbst als Finanzexperte begonnen, die derzeitige Cheffunktion übe er im Mandatsverhältnis aus, sagte er. Präsident Markus Sägesser bestätigte, der Verwaltungsrat habe sich vom bisherigen Geschäftsleiter getrennt, weil man sich vom neuen mehr Unterstützung in der neuen Strategie verspreche. «Biorender hat eine Zukunft», sagte er. Dem Einwand, der Verwaltungsrat betreibe Schönfärberei und verpacke viele schlechte Nachrichten in eine einzige gute, widersprach er.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch