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Der Brückenbauer

Seit 16 Jahren sitzt er für die SP im Parlament. Von der Politik hat Samuel Wüst noch nicht genug: Der bald 50-Jährige will in den Stadtrat. Für drei Amtsperioden.

In der «Tomate» in Effretikon nahe beim Stadthaus ist Samuel Wüst regelmässig anzutreffen. Dies aus pragmatischen Gründen. Unkompliziert sei es hier, sagt Wüst. «Hier kann man auch nach 22 Uhr noch etwas bestellen.» Man könne bestellte Pizzen mit mehreren Personen teilen, ohne dass der Wirt einen schräg anschaue. «Ideal also, um nach einer Sitzung noch zusammenzusitzen und Ideen weiterzudrehen.» Nach den Sitzungen des Parlamentes sowie der Rechnungsprüfungskommission, die er seit vier Jahren präsidiert, geht der SP-Politiker also in die «Tomate». Bei einer (geteilten) Pizza könnten auch Probleme über die Parteigrenzen hinweg diskutiert und mögliche Wege erörtert werden. Das ist Samuel Wüst, der im Mai 50 Jahre alt wird, wichtig: «Politik ist doch, Brücken zu schlagen, um gemeinsam Lösungen zu finden.» Ein Ziel müsse sein, die Stadt Illnau-Effretikon attraktiv zu halten, sagt Wüst. Die Höhe des Steuerfusses steht ihm dabei nicht an vorderster Stelle. «Die Stadt muss doch auch etwas bieten.» Das für viel Geld rundum erneuerte Sportzentrum Eselriet sei «doch klarerweise Luxus». Aber es handle sich «um Luxus, den sich die Stadt leisten soll und auch muss». Denn was bringe ein tiefer Steuerfuss letztlich, wenn niemand mehr in Illnau-Effretikon wohnen wolle, fragt Wüst rhetorisch. Ihm sind deshalb auch die Zentren wichtig. Projekte wie das gross angelegte «Mittim» in Effretikon begrüsst Wüst. «In den vergangenen Jahren haben wir viele Geschäfte an die Peripherie verloren.» Früher gab es Gemischtwarenläden wie Jelmoli, ein Geschäft für die Heimhandwerker. «Heute muss man mit dem Auto wegfahren.» Vor den Wahlen gibt sich Samuel Wüst optimistisch. Er will für die SP den dritten Sitz, der durch den Rücktritt von Sozialvorstand Kurt Brüngger frei wird, verteidigen. Dieses Amt würde ihn reizen. Er glaubt, mit Engagement und Druck etwas bewirken zu können. «Man darf nicht zu lange warten, man muss rasch reagieren.» Langfristiger Planer Seit 16 Jahren sitzt Samuel Wüst im Parlament. Genug hat er von der Politik nicht; auch wenn er nun schon 16 Budgets verabschiedet hat, «war jede Debatte anders und hat für die Stadt konkrete Folgen». Nun will er in den Stadtrat wechseln. «Ein logischer Schritt.» Vor vier Jahren hatte er es sich schon einmal überlegt. Doch «jetzt ist der Zeitpunkt ideal». Zwei seiner vier Töchter sind ausgezogen, die beiden anderen sind auch längst selbstständig. «Das ermöglicht mir, etwas mehr Zeit einzusetzen.» Und dies drei Amtsperioden lang, wenn das die Bevölkerung wünscht – «vom Alter her doch ideal», sagt Wüst, der gern langfristig und umsichtig plant. Samuel Wüst gilt weit über die SP hinaus als wählbar. «Mit Alleingängen geht es nicht», sagt er dazu. Pragmatismus und Gesprächsbereitschaft werden ihm auch von der bürgerlichen Seite attestiert. Das zeigte die Wahl zum Ratspräsidenten – von 35 der 36 Gemeinderäte erhielt Wüst die Stimme. Wüst arbeitet bei der Stadt Zürich im Tiefbauamt. Dort ist er für den Fachbereich Brückenbau zuständig. «Ich weiss also, wie man Brücken baut», sagt er lachend.

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