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Der Brückeneinsturz von Winterthur

Beim Bau der A-1-Umfahrung stürzte über der Töss im Schlosstal die fast fertiggestellte Brücke ein. Rückblick auf den 17. Oktober 1966, als wie durch ein Wunder niemand sein Leben liess.

Der tragische Einsturz einer Autobahnbrücke in der italienischen Stadt Genua ruft überall auf der Welt Erinnerungen wach. Auch in Winterthur, wo am 17. Oktober 1966 die Brücke der neuen Umfahrung der A 1 während der Bauarbeiten in sich zusammenfiel, wie durch ein Wunder aber niemand sein Leben verlor.

17 Verletzte habe es gegeben, meldete der «Landbote» einen Tag nach dem Unglück (siehe unten). Einige Arbeiter seien erheblich verletzt, alle aber ausser Lebensgefahr. Und der Autor kam zum Schluss: «So ist man versucht, von Glück zu sprechen, dies angesichts der Tatsache, dass der Einsturz keine Todesopfer gefordert hat.»

«So ist man versucht, von Glück zu sprechen, dies angesichts der Tatsache, dass der Einsturz keine Todesopfer gefordert hat.»

Landbote, 18. Oktober 1966

Die Arbeiter, ein grosser Teil von ihnen Italiener, waren den Tag über von Rettungskräften aus den Trümmern geborgen und befreit worden. Zum Teil mussten die Verletzten «mit Schneidebrennern aus bedrohlicher Lage herausgeholt werden», schrieb der «Landbote». Und das unter prekären Umständen, denn die 2000 Kubikmeter Betontrümmer stauten die durch Regenfälle angeschwollene Töss, sodass das Wasser jede Minute um einen Zentimeter anstieg.

Über die Ursachen für den Einsturz der 163 Meter langen und 23 Meter breiten Brücke kursierten schon früh «Gerüchte mannigfaltiger Art». Während einige behaupteten, dass der nordwestliche Brückenpfeiler nicht richtig betoniert war, sagten andere, der Bruch habe sich unmittelbar beim südöstlichen Widerlager ereignet, das den Zusammensturz stehend überdauerte. Auch eine mögliche Absenkung des Flussbettes durch einen gesunkenen Grundwasserspiegel wurde als Erklärung herumgeboten.

Bei einer Pressekonferenz versuchten die verantwortlichen Personen, sich schadlos zu halten. Der Kantonsingenieur drückte sein Bedauern und seine Überraschung über den Unfall aus. Gleiches tat der Vertreter der beauftragten Baufirma und er «erging sich in langen Erörterungen hinsichtlich der von seiner eigenen, übrigens sehr erfahrenen Firma entwickelten Stützgerüst-Konstruktion». Der Bezirksanwalt kündigte in derselben Pressekonferenz eine Untersuchung an, so werde geprüft, ob allenfalls eine Verletzung der Regeln der Baukunst zu ahnden sei.

Gerüst war das Problem

Die Ingenieure betonten, dass nicht die Brücke an sich eingestürzt sei, der Beton sei ja noch nicht tragfähig gewesen, eingestürzt sei vielmehr das Stützgerüst. Der Fehler liege also nicht in der Berechnung der Brückenkonstruktion.

Den finanziellen Schaden bezifferten die Verantwortlichen damals auf 3,5 Millionen Franken, bei geplanten Kosten für die Brücke von 5 Millionen Franken. Der Bauplan wurde schliesslich trotz des Zwischenfalls eingehalten und die Einweihung der Umfahrung erfolgte im Herbst 1968.

Der dreiseitige Bericht im «Landboten» vom 18. Oktober 1966

mcl

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