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Der Computer spart Zeit – oder frisst sie

Break-even – noch so ein englischer Ausdruck! Er besagt, dass sich der Aufwand, den man betrieben hat, gelohnt hat, weil der Ertrag bereits dieselbe Grösse erreicht hat wie das, was man zunächst als Vorleistung investieren musste. Jetzt sind die Kosten gedeckt, fortan wird alles zum Gewinn. Bei schlechten Entscheidungen wird dieser Punkt womöglich viel später erreicht, als man sich das vorgestellt hat. Egal – Hauptsache, er kommt, hoffentlich! Nun liegt es im Wesen des Unternehmers, dass er Misserfolge scheut. Wenn es also nicht so leicht messbar ist, ob Break-even erreicht worden ist oder nicht, wird er zur positiven Antwort neigen.

Nach diesem Prolog nun zu meiner «Gretchenfrage»: Hat der Computer den springenden Punkt, eben diesen Break-even, eigentlich schon erreicht? Haben wir dank dem Computer wirklich mehr Zeit eingespart, als wir aufgewendet haben, um uns zunächst in dessen Geheimnisse einzuarbeiten und die immer weiteren «Updates» in den Griff zu bekommen?

Wer es auch nur wagt, diese Frage zu stellen, gerät sogleich in den Verdacht des «Hinterwäldlertums»: «So sind sie halt, die Alten, überfordert, pessimistisch, risikoscheu, einfach nicht mehr ganz von dieser Welt!» Was für ein Sturm der Entrüstung fegt erst über einen hinweg, wenn man zum Beispiel die Meinung vertritt, die gigantisch teuren Investitionen der Zeitungsverlage in ihre Multimedia-Abteilungen würden sich niemals rechnen. Das folgende Gedankenspiel sei trotzdem erlaubt: Ein Verlag verwendet die Millionen statt für den Aufbau seiner Multimedia-Plattform dazu, die besten Journalistinnen und Journalisten des Landes mit fürstlichen Gagen anzu­locken. Diese Autoren liefern dann – exklusiv auf gedrucktem Papier – ihre Beiträge, die einfach jeder gelesen haben muss. Die Auflage verdoppelt sich, die Werbeeinnahmen schiessen in die Höhe …

Zurück zur Realität: Ich stelle beim Fernsehen, bei Sportvereinen, bei Schulen und Behörden, aber auch etwa bei Hilfsorganisationen und vielen weiteren Vereinigungen fest: An ihren Sitzungen und Generalversammlungen ist fast immer das Thema Computersoftware traktandiert. Die aktuelle Software ist veraltet, ein Aufrüsten ist schwierig und der Erfolg kann nicht garantiert werden. Im Moment werden verschiedene Varianten evaluiert (was natürlich auch etwas kostet), die Firma XY hat dafür extra einen Mitarbeiter angestellt, der sich in die Materie einarbeitet. Derjenige, der das Pech hat, dass die IT-Abteilung ihm unterstellt ist, tut sein Bestes, muss aber letztlich dem Spezialisten blind vertrauen. Das Traktandum ist von nun an ständig präsent, und das Dilemma zwischen purer Notwendigkeit und horrenden Kosten wird immer grösser. Doch wer wagt es schon, «nicht an die Zukunft zu glauben»? Na also!

Wie viele Stunden hat doch jeder schon verwendet, um ein Computerproblem zu lösen! Wie viele produktive Arbeitszeit ging schon verloren, weil die Mitarbeiter ein bisschen im Internet herumgesurft sind oder ihr Chef auch schon einmal ein paar neue Spiele ausprobiert hat! Hunderttausende von IT-Mitarbeitern lösen weltweit die Computerprobleme von Millionen von Firmen. All diese Arbeitszeit steht bei der Berechnung des Break-even auf der falschen, auf der Soll-Seite.

Ich bin natürlich alles andere als sicher, ob ich recht habe. Aber gerade mit dieser Einstellung scheine ich doch einen Schritt weiter zu sein als alle diejenigen, die dem technischen Fortschritt hörig und blind nachlaufen.

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