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Der designierte Aufsteiger

winterthur. Der FC Aarau steht nach drei Jahren vor der Rückkehr in die Super League. Der FCW möchte ihn heute erstmals seit über drei Jahrzehnten wieder schlagen.

Er habe «im Moment» keine Aufstiegsmannschaft. Das sagte der Aarauer Trainer René Weiler in der ersten Phase der Saison. Mittlerweile weiss auch er, dass dies nicht stimmt: Sein FCA wird aufsteigen, auch wenn sich in der Tabelle die offizielle Version von nur zwei Plus- und fünf Minuspunkten Vorsprung auf Bellinzona noch keineswegs liest, als wäre die Entscheidung schon gefallen. Aber es rechnet niemand mehr damit, die ACB könne dem Konkurs entgehen.

Weiler hat sich wiederholt dahingehend geäussert, dass er unsportlich findet, dass mit Bellinzona ein Verein noch immer durch die Meisterschaft zieht mit einer Mannschaft, die er gar nicht mehr bezahlen kann. An der Rückkehr des FCA in die Super League wird aber auch diese Mannschaft nichts mehr ändern können. Der Aufstieg entspricht im Prinzip den Planungen, die sich die Aarauer vorgenommen haben, nachdem sie 2010 nach 29 Jahren in der Elite abgestiegen waren. Im ersten Jahr sollte der Verein in der neuen Umgebung Fuss fassen, im zweiten vorne mitspielen, im dritten aufsteigen.

Die Aarauer Konstanz

Das mit dem «Fuss fassen» war aber schwierig, denn vor zwei Jahren war Aarau bis wenige Runden vor Schluss – wie der FCW – in grösster Abstiegsgefahr. Es kam der Trainer Weiler, der den FCA rettete. Letztes Jahr verloren die Aarauer erst in der Barrage gegen Sion, und nun sind sie im dritten Jahr eindeutig die konstanteste Mannschaft der Liga. Sie sind kaum besser als ein FCW an guten Tagen, aber sie sind weniger anfällig. Und sie haben das breitere Kader.

Wie entschlossen sie um den Platz in der Super League kämpften, zeigt sich auch in einem «Duell» mit dem FCW: Dem warben sie in der Winterpause, ohne ihn zu informieren, Sven Lüscher ab. Zuerst mit Blick auf die neue Saison, nach dessen Degradierung in die U21 per sofort. Sie vereinbarten mit dem FCW, dass Lüscher in den Direktbegegnungen nicht eingesetzt werde – und setzten ihn ein paar Wochen später doch ein. Eine (tiefe) fünfstellige Summe als «Konventionalstrafe» war ihnen das wert. Heute wird Lüscher jedoch nicht spielen. Er nutzte die Gelegenheit, sich vor einer Woche Sekunden vor Schluss des Spiels gegen Lugano ein viertes Mal verwarnen zu lassen. Andernfalls hätten sich die Aarauer überlegen müssen, ob sie nochmals zahlen wollen.

Der FC Aarau wäre – oder vielmehr: ist – ein verdienter Aufsteiger, denn er zeigte weniger Schwächen als erwartet, gewann oft auch nach einem Rückstand oder an einem Tag, in dem er nicht überzeugte. Anderseits wird es eine schwierige Aufgabe, mit seinen finanziellen Mitteln ein Super-League-taugliches Kader zu bilden. Das neue Stadion wird frühestens 2014 in Angriff genommen. Als die Aarauer Führung einst ihren Dreijahresplan für die Rückkehr aufstellte, ging sie von einem Baubeginn 2012 aus. Und ohne neues Stadion dürfte der Aufwand fürs «Eins» fünf Millionen Franken nicht überschreiten.

Also wird es schwierig, den Forderungen des Trainers gerecht zu werden. Er wünscht sich von einem zweiten Goalie neben Youngster Uwe Mall bis hin zu einem, zwei Stürmern für jede Linie Verstärkungen oder zumindest Ergänzungen. Fürs Tor dürfte der Aargauer Swen König, der mit der AC Bellinzona eine gute Saison spielt, in Frage kommen. Noch nicht ganz sicher ist aber auch, ob Weiler Trainer bleibt.

Der 2. Mai 1981

Wor­über sich die Aargauer in den vergangenen Jahrzehnten praktisch uneingeschränkt freuen konnten: über ihre Ergebnisse gegen den FCW. Auf dem heimischen Brügglifeld haben sie seit dem Herbst 1967 nicht mehr verloren, auf der Schützenwiese seit dem 2. Mai 1981. Von den sieben Spielen seit dem Abstieg 2010 endeten sechs mit einem Sieg Aaraus, einem 0:0 – im vergangenen November auf der «Schützi». Allerdings könnten die Aarauer heute selbst eine Niederlage als gutes Omen sehen: Als sie vor 32 Jahren letztmals in Winterthur unterlagen, und zwar 1:3, standen sie ein paar Runden später als Aufsteiger in die Nationalliga A fest. Der gehörten sie dann bis 2010 an.

Für den FCW wäre ein Sieg gegen den FCA nichts mehr wert im Aufstiegskampf, aber ein Prestigeerfolg. Er brächte ihn im Duell mit Wil um Platz 3 weiter. Boro Kuzmanovic wird dieselbe Mannschaft wie zuletzt aufstellen; Youngster Denis Simijonovic kann sich wegen einer Knöchelverletzung auch nicht auf die Bank setzen. Und Neues gibt es von Savvas Exouzidis: Dessen Beschwerden in der Leistengegend, die ihn seit Monaten plagen und im Frühjahr noch jeden Einsatz verhinderten, stellten sich nun als Schambeinentzündung heraus. Das ist eine langwierige Sache, und man fragt sich, wieso diese Entdeckung nicht schneller möglich gewesen sein kann. (hjs)

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