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Der EHCW verschenkt den Sieg

Der EHCW hätte sich trotz Unzulänglichkeiten locker für den Playoff-Final qualifizieren können. Aber er gab gegen Frauenfeld einen 4:1-Vorsprung preis, verlor 4:5 (2:1, 2:1, 0:2, 0:1) nach Verlängerung und führt in der Halbfinalserie nur noch 2:1.

34:11 Minuten waren gespielt, als alles geklärt schien: 4:1 stand es für den EHC Winterthur, und eben hatte der Frauenfelder Patrick Jäggi eine Fünfminuten- plus Spieldauerdisziplinarstrafe kassiert. Was konnte den Winterthurern da noch passieren, fragten sich die knapp 1300 Zuschauer in der Deutweghalle. Sehr viel, lautete die Antwort darauf. Der EHCW brachte in der fünfminütigen Überzahl nichts zustande, dafür verkürzte Fabian Schumann mit einem Shorthander noch vor der zweiten Drittelspause auf 2:4. Nach fünf Minuten des Schlussdrittels schaffte Matthias Schoop mit einem zweiten (!) Unterzahltor für Frauenfeld den Anschluss zum 3:4 und zwei Minuten später liess EHCW-Goalie Brenno Zucchetti einen haltbar scheinenden Schuss Roman Diethelms zum 4:4 passieren. Allzu sehr darf man dem Tessiner im Tor des EHCW, der nur spielte, weil sich Remo Oehninger beim Einspielen verletzt hatte, dieses Gegentor aber nicht ankreiden. Zucchetti war es nämlich auch, der mit seinen Paraden den angesichts der Ereignisse paralysierten Teamkollegen wenigstens den Gang in die Verlängerung ermöglichte. Frauenfeld war dem Sieg fortan nämlich wesentlich näher. Sichergestellt wurde er nach 138 Sekunden der Overtime und zwar auf eine für den EHCW an diesem Abend typische Weise: Andreas Perret verlor den Puck als hinterster Mann und Philipp Bucher liess sich diese Einladung nicht entgehen. Nicht bereit Was nur mag in den Köpfen der Winterthurer Spieler nach der klaren Führung vorgegangen sein? «Die Frage ist vielmehr, wie wir überhaupt zu diesem Vorsprung gekommen sind», konterte Trainer Markus Studer. «Wir sind nicht gelaufen, wir sind nicht in die Zweikämpfe gegangen und wir haben den Puck zu lange gehalten statt schnell zu spielen. Wir haben einfach nicht dieselbe Einstellung gehabt wie in den anderen Spielen gegen Frauenfeld», kritisierte er. «Frauenfeld kam heute zu so vielen Kontern wie in der ganzen Serie nicht. Dafür gibts eigentlich nur zwei mögliche Erklärungen: Entweder waren wir zu überheblich oder wir waren ganz einfach nicht bereit für dieses Spiel.» Wahrscheinlich traf beides zu. Nach dem 4:1 die Überheblichkeit, am Anfang die mangelnde Bereitschaft. Denn schon der erste Einsatz des Spiels missriet: Nach 34 Sekunden wurde Philipp Bucher im Slot alleine gelassen und brachte Frauenfeld 1:0 in Führung. Das konnten die Winterthurer korrigieren. In der 7. Minute glich Philipp Loser zum 1:1 aus, nach einem Puckverlust der Thurgauer, «den wir nicht mal erzwungen haben», so Studer. Eine Minute später hatte Schumann seine erste Möglichkeit zu einem Unterzahltor. Er scheiterte an Zucchetti und im Gegenzug fiel das Winterthurer 2:1 durch Luca Homberger. So führte der EHCW, obwohl es auch umgekehrt hätte sein können. Lange wars überhaupt nicht der Tag der Frauenfelder gewesen. In der 25. Minute hatte ihr Goalie Andreas Schoop Pech, dass er einen Pass Eric Geisers zum 3:1 ins eigene Tor lenkte, und in der 33. Minute schien Thomas Mettler mit dem 4:1, einer der wenigen wirklich guten Aktionen der Winterthurer, alles klargemacht zu haben. Timeout ohne Wirkung Doch dann kam die Fünf-Minuten-Strafe, mit der die Winterthurer die Frauenfelder ins Spiel zurückbrachten, anstatt den Match und damit die Serie zu entscheiden. «Wir hatten die Spieler noch dar­auf hingewiesen, dass Frauenfeld in dieser Si­tua­tion einen Shorthander suchen wird», sagte Studer. Seine Worte aber blieben ungehört. Anders als viele andere in der Halle sah der Trainer das Ungemach auf sein Team zukommen. Aber auch ein Timeout nach dem 3:4 half nichts, um den Gang der Dinge noch einmal zu beeinflussen. So kam Frauenfeld in dieser Saison nach sieben Niederlagen gegen den EHCW zum ersten Sieg. Unverdient war der natürlich nicht. Wer vor dem Ausscheiden steht und dennoch aus einem 1:4 noch einen 5:4-Sieg macht, der hat Charakter gezeigt. Vorerst einmal haben sich die Thurgauer damit morgen Dienstag ein zweites Heimspiel verschafft. Und so eng, wie die Partien zwischen diesen beiden Teams jeweils waren, ist auch da jeder Ausgang möglich. Frauenfeld ist jedenfalls wieder im Spiel. Die Winterthurer dagegen müssen wieder besser arbeiten. Sonst könnte ihnen der verschenkte Sieg vom Samstag noch zum Verhängnis werden.

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