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Der Eidgenosse, der aufräumt

VADUZ. Der Winterthurer Giorgio Contini (39) kommt heute erstmals als Cheftrainer auf die Schützenwiese. Mit dem FC Vaduz ist er Gast des FCW.

Der FC Vaduz erscheint als Tabellenachter der Challenge League auf der «Schützi», nur einen Punkt vor dem Zweitletzten aus Wohlen, aber fernab der Spitzenplätze, ja selbst der oberen Tabellenhälfte. Seit Giorgio Contini im vergangenen November Nachfolger des Holländers Eric Orie wurde, hat sich das Bild (noch) nicht gebessert – im Gegenteil. In den letzten 15 Spielen unter Orie gewannen die Liechtensteiner 20 Punkte, seither in den ersten 15 unter Contini lediglich 14. Besonders schmerzlich ist, dass Contini in sieben Heimspielen noch nicht einmal siegte. «Das ist resultatmässig nicht, was wir uns vorgestellt haben,» gibt auch Contini zu.

Für ihn, neben Aaraus René Weiler zweiter Winterthurer Chefcoach in der Swiss Football League, ist Vaduz die Chance, sich als Boss eines Profiklubs zu beweisen. Bisher war er in Winterthur (mit Mathias Walther), St. Gallen (Uli Forte und andere) und zuletzt Luzern (Murat Yakin) Assistent. In Vaduz hat er bis Sommer 2014 unterschrieben – und damit auch die Aufgabe übernommen, in diesem Frühjahr die Voraussetzungen für eine erfreulichere nächste Saison zu schaffen.

Von einer «intensiven Zeit hinter den Kulissen» spricht Contini denn auch, wenn er seine bisherige Arbeit im «Ländle» beurteilt. Es soll ja auch das bisher ziemlich aufgeblähte Kader reduziert werden. Auf diesem Weg kommunizierten die Vaduzer bereits, mehrere Spieler erhielten keinen neuen Vertrag – wie die Verteidiger Pascal Bader, Dusan Cvetinovic und Aleksandar Zarkovic oder die Stürmer Mariano Hassell und Mariano Tripodi. Am meisten Aufsehen erregte in der Vaduzer Presse aber, dass sich auch die Namen zweier Liechtensteiner auf dieser Opferliste fanden: Yves Oehri (26), ehemaliger FCW-Junior und immerhin 35-facher Nationalspieler, sowie Philippe Erne.

«Kein Artenschutz»

Nicht allseits geschätzt worden war schon, dass Contini im Winter den Torhüter Oliver Klaus (23) aus dem Fundus des FCB zur Nummer 1 ernannt hatte – vor dem Denkmal Peter Jehle(31), dem langjährigen Stammgoalie mit mittlerweile 97 Länderspielen! In Klaus sieht Contini den «moderneren» Torhüter, aber er hätte Jehle gerne gehalten. Nur nutzte Jehle, offenbar beleidigt, die erste Gelegenheit, sich abzusetzen. Er ging nach Luzern, spielte dort einmal für den gesperrten David Zibung und sitzt seither auf der Bank. Noch läuft aber sein Vertrag in Vaduz. «Ich erwarte von ihm», sagt deshalb Contini, «eine Rückmeldung, wie er seine Zukunft sieht.»

Er sei nun halt, ergänzt der Winterthurer mit einem Länderspiel und einem Meistertitel mit dem FC St. Gallen im Palmarès, für die einen im «Ländle» der «Eidgenosse, der aufräumt». Aber es sei doch logisch, dass ein so kleines Einzugsgebiet wie Liechtenstein mit seinen 37 000 Einwohnern nicht zehn Kaderspieler eines Klubs stellen könne, der in der Challenge League auch noch vorne mitspielen solle. So sehe es auch der Vorstand, fügt Contini bei, und er selbst scheue sich nicht vor unpopulären Entscheiden. «Artenschutz für Liechtensteiner kann es nicht geben,» sagt er. Oehri habe er doch seinerzeit in die U21 des FC St. Gallen nachgezogen, als dieser vom FCW als U21-Spieler keinen Vertrag erhalten habe.

Nicht erwartet hat Contini allerdings, dass Stürmertalent David Hasler (23), der einen Teil seiner Ausbildung in Basel genoss, künftig in einer unteren Liga spielen will – aber weiterhin auch in der Nationalmannschaft! Das neue Kader soll noch 18 Feldspieler und zwei Torhüter umfassen. 13, 14 Feldspieler sind fix, dazu haben die Torhüter Klaus und Jehle einen Vertrag. Es ist also Platz für den einen oder andern Zuzug. Wenn diese klar seien, wenn man also auch wisse, ob ein Stürmer komme, der eine gewisse Torquote garantiere, dann werde man auch «klare Zielsetzungen formulieren».

Geht man davon aus, dass der FC Aarau aufsteigt und die AC Bellinzona verschwindet, dann sehen sich die Liechtensteiner wohl mit dem Absteiger und dem FCW im Kreis der kommenden Spitzengruppe, als einer der auch finanziell solidesten Klubs der Liga. Dann aber werden auch Continis Resultate zum absoluten Nennwert genommen, dann wird er an seinen «unpopulären» Entscheiden gemessen.

Ein vierter Sieg?

Heute will er mal den FCW fordern. Beim ersten Mal gabs im Februar im Rheinpark ein 1:1. Der Winterthurer Trainer Boro Kuzmanovic lässt noch offen, ob Patrik Schuler nach verbüsster Sperre in die Mannschaft zurückkehrt oder Nick von Niederhäusern Rechtsverteidiger bleibt. Luca Radice ist angeschlagen. Es ist also davon auszugehen, dass ihn Janko Pacar ersetzt, der dann als rechter Flügelmann wirken würde.

Was die Winterthurer möchten: Zum zweiten Mal in dieser Saison ein viertes Mal in Folge gewinnen. (hjs)

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