Zum Hauptinhalt springen

Der einsame Tod eines Putin-Gegners

london. Boris Beresowski ist im Alter von 67 Jahren in London gestorben. Dass er Selbstmord begangen haben soll, wird in Russland angezweifelt. Beresowski hatte Wladimir Putin einst an die Staatsspitze verholfen, wurde seitdem jedoch einer seiner wichtigsten Gegner.

Eine Epoche ist in Russland zu Ende gegangen. Der legendäre Oligarch und Schattenpolitiker Boris Beresowski starb am Samstag im Alter von 67 Jahren im Londoner Exil. Ersten, inoffiziellen Meldungen zufolge wurde er in seinem Haus tot in der Badewanne gefunden. Anfangs war von Selbstmord die Rede. Dann wurde Herzversagen als Todesursache vermutet. Beresowski hatte in der letzten Zeit mehrere Herzattacken überstanden. Die Londoner Polizei schickte als Erstes ABC-Experten hin, denn sein Name war seinerzeit mit dem durch das radioaktive Material Polonium herbeigeführten Mord an Alexander Litwinenko in Verbindung gebracht worden. Moskau warf Beresowski damals vor, er stehe hinter dem spektakulären Mord. Er selbst beschuldigte den Kreml, die Beseitigung seines Freundes Litwinenko angeordnet zu haben.

Als Argument für die Selbstmordtheorie werden Beresowskis finanzielle Probleme genannt. Im vorigen Jahr hatte er einen Prozess um Anteile an der Ölgesellschaft Sibneft gegen Roman Abramowitsch verloren. Das soll ihn insgesamt 100 Millionen Dollar gekostet haben. Sein ehemaliger Anwalt Alexander Dobrowinski behauptet, Beresowski sei faktisch pleite gewesen. Um die Abfindung für eine seiner geschiedenen Frauen zahlen zu können, habe er Bilder aus seiner Sammlung verkaufen müssen, und neulich habe er einen Freund angepumpt, weil ihm 5000 Dollar für ein Flugticket fehlten.

Reuebrief an Putin

Der Rechtspopulist Wladimir Schirinowski will als letzter Politiker mit Beresowski, dem er im vergangenen Januar zufällig in einem Ferienhotel am Roten Meer begegnet sei, gesprochen haben. Beresowski sei von Heimweh geplagt und zu allem bereit gewesen, um nach Russland zurückzukehren, sagt der Politiker. Der russische Präsidentensprecher Dmitri Peskow bestätigte unterdessen ein Gerücht, wonach Beresowski vor ein paar Monaten einen Reuebrief an Putin geschrieben haben soll, in dem er um Vergebung und Rückkehrerlaubnis bat. Offenbar blieb dieser Brief unbeantwortet. Das kann freilich nach allgemeiner Überzeugung kein ausreichender Grund für einen Selbstmord gewesen sein.

1999 hatte Beresowski den damaligen Präsidenten Boris Jelzin über dessen Tochter Tatjana zum Rücktritt bewegen können. Gleichzeitig stampfte er die Bewegung Einheit, aus der später die Regierungspartei Einiges Russland hervorging, aus dem Boden und half somit Putin entscheidend, den russischen Thron zu besteigen. Sein Kalkül, Russland in dessen Schatten faktisch zu regieren, ging aber nicht auf. Der neue Präsident, der die Macht nicht teilen wollte, liess seinen Gönner strafrechtlich verfolgen und zwang ihn zur Flucht nach London. Seither zog Beresowski alle Register, um Putin zu schaden. Dieser forderte seinerseits vergeblich die Auslieferung des Flüchtlings an Russland. In Moskau wurde Beresowski in seiner Abwesenheit wegen Wirtschaftsdelikten zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Beresowski finanzierte die Jelzin-Familie im Tausch gegen politischen Einfluss. Er riss das russische Staatsfernsehen ORT an sich und zog als Vizechef des Nationalen Sicherheitsrates die Fäden im Tschetschenien-Krieg. Über seine persönlichen Kontakte zu Feldkommandeuren brachte er 1997 den Friedensschluss von Hassaw Jurt zustande. Beresowski wollte an die Macht im Kreml, wusste aber, dass er als Jude im traditionell antisemitischen Russland nie Präsident hätte werden können. 1996 brachte er General Alexander Lebed ins Spiel. Die Hoffnung, er könnte mächtiger Regierungschef unter einem Präsidenten Lebed werden, ging jedoch nicht auf.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch