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Der Fall Pistorius reicht über ein Einzelschicksal hinaus

Oscar Pistorius ist für die fahrlässige Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Bisher scheinen zumindest die Familien mit der Entscheidung von Richterin Thokozile Masipa zufrieden zu sein. Nun obliegt es der Staatsanwaltschaft, ob sie Masipas Entscheidung anficht oder nicht. Die öffentliche Meinung ist dabei gespalten. Die Reaktionen auf das Urteil waren unterschiedlich. Viele Beobachter sehen das Urteil als fair an. Andere dagegen glauben, der Sportler sei gut davongekommen. Sie sind der Meinung, dass das Urteil eine falsche Botschaft an eine Gesellschaft sende, die noch immer von häuslicher Gewalt und Waffendelikten geprägt sei. Bereits die Tatsache, dass Pistorius überhaupt hinter Gittern sitzen wird, hat für viele Südafrikaner eine grosse symbolische Bedeutung. Richterin Masipa betonte denn auch, dass sie keine unterschiedliche Rechtsprechung für Arm und Reich zulassen würde. Der als privilegiert angesehene Sportler hat sich den Weg in die Freiheit zumindest nicht gänzlich erkaufen können und muss nun die Folgen seiner Handlungen tragen. Die Länge der Haftstrafe, von der Pistorius wahrscheinlich lediglich zehn Monate absitzen muss, ist dabei aber nicht so ausschlaggebend wie der anhaltende Unmut darüber, dass er nur für fahrlässige Tötung und nicht für Mord verurteilt wird. Der Frauenbund von Südafrikas regierender ANC-Partei hat sich bereits dafür ausgesprochen, dass der Staat dagegen in Berufung gehen soll. Damit stimmt die Organisation in einen Chor von kritischen Stimmen ein, die Masipas Entscheidung als klaren Fehltritt beurteilen. Selbst die Ministerin für Grundschulbildung, Angie Motshekga, befand, dass diese Beurteilung auf «Formalitäten und nicht Fakten» basiere. Sie sagt, dass viele Frauen in Südafrika sich vom Gesetz im Stich gelassen fühlten. Andere zweifeln daran, dass ein normaler Südafrikaner in der gleichen Situation auch so leicht davon gekommen wäre. Mit oder ohne Berufung: Die Bedeutung des Pistorius-Prozesses für Südafrika reicht über das Schicksal eines einzelnen Mannes hinaus.

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