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Der FCZ am nächsten Tiefpunkt

zürich. Statt eines wenigstens kleinen Schritts nach vorne machte der FCZ einen grossen zurück: Beim 0:2 (0:0) gegen den Tabellenletzten Servette bot er eine in jeder Beziehung bedenkliche Vorstellung.

Ein Punkt aus acht Spielen in der Fremde – mit dieser Bilanz reiste Servette am Samstag auf den Letzigrund. Es war die Bilanz eines Tabellenletzten, der zeitweise schon hoffnungslos abgeschlagen schien, sich in den letzten Wochen aber doch zum einen oder andern positiven Resultat aufrappelte, wenigstens zu Hause. Ein Sieg gegen diesen Gegner, so dachte man sich beim FCZ, müsste doch möglich sein und damit eine Aufbesserung der miesen Heimbilanz von zwei Siegen aus acht Spielen. Nach einem «Dreier» hätte man, konnten sie sich sagen, dann doch schon 13 Punkte Reserve auf den Abstiegsplatz; also könne wenigstens in dieser Beziehung nicht auch noch Unruhe aufkommen. Ganz abgesehen davon sollte der Anlass zu einem ersten Signal werden, dass man sich in jeder Beziehung wieder gefunden habe nach überstandenem Machtkampf in der Vereinsspitze. Explosive Gemengelage Als dieses Spiel, das für eine Mannschaft, die sich noch zu Saisonbeginn der Spitzengruppe zurechnete, zu einer Pflichtaufgabe hätte werden sollen, beendet war, war die Gemengelage beim FCZ aber schon fast explosiv. Die Südkurve pfiff und schimpfte so lautstark, wie es dem Ereignis aus Zürcher Sicht angemessen war. In den Katakomben zogen Verantwortliche wie Rolf Fringer, der Trainer, und Fredy Bickel, der Sportchef, Gesichter, die einen ihre Gefühlslage leicht ablesen liessen. Denn ihre Fussballer hatten nicht nur verloren gegen die nominell, aber sicher nicht an diesem Tage schwächste Mannschaft der Liga. Sie hatten so schlecht gespielt, dass nur beängstigende Analysen möglich sind. Der FCZ spielte nach vorne zwar mit vier «gelernten» und durchaus namhaften Offensivkräften; aber er spielte, «als könnten wir es noch stundenlang tun, ohne ein Tor zu schiessen», wie Fringer klagte. Dar­über hinaus spielte der FCZ auch noch nach hinten, dass ihm in der Not nicht wenigstens ein 0:0 blieb. Das schien nämlich wahrscheinlichstes Resultat, so lange Servette seine zwar wenigen, aber klaren Chancen nicht genutzt hatte. Das war in der ersten Stunde zweimal der Fall gewesen; aber kurz vor der Pause gegen Eudis, kurz danach gegen Steven Lang hielt Torhüter David Da Costa den FCZ im Spiel. Nach einer Stunde war ihm auch das nicht mehr möglich, denn da leistete sich Kollege Stefan Glarner den Fauxpas eines zu kurzen Rückpasses, den Lang erlief und zu Geoffrey Tréand weiterleitete – 0:1. Keine zwei Minuten später stands 0:2 nach einem perfekten Schlenzer Eudis’ aus spitzem Winkel in die weitere Ecke. Der ehemalige FCZ-Brasilianer wählte die Variante Torschuss, weil er keinen Kollegen sah, den er hätte anspielen können! Die Reaktion des FCZ dar­auf war, trotz zweier weiterer Wechsel, so dürftig, dass sich die Genfer eigentlich nur noch auf den Schlusspfiff freuen durften. «Natürlich bin ich zufrieden,» sagte Trainer Sébastien Fournier, «es war unsere beste Leistung auswärts.» Fredy Bickels Ohnmacht ... Bickel stand derweil an einer Wand und murmelte mehr zu sich selbst als zu Zuhörern: «Es ist einfach unglaublich, es macht einen geradezu ohnmächtig.» Und: «Was haben wir nicht schon alles versucht; mal waren wir laut, mal leise, mal haben wir sie geschlagen, mal gestreichelt – und es blieb immer dasselbe.» Zwischendurch habe es «gewisse Anzeichen» gegeben, schob Bickel nach, etwa das 4:1 in Thun. «Aber jetzt wars wieder tiefe Nacht, diese letzten zwei Spiele» – beide im Letzigrund, das 1:4 gegen Luzern, nun dieses 0:2. Und Bickel wird sich gedacht haben, was jetzt andere sagen und denken würden, die – im Zuge besagten Machtkampfs – seine Absetzung betrieben hatten. Ihm musste zu denken geben, wie wenig seine Fussballer nach einem halben Jahr unter Fringer eine Mannschaft sind, wie schlecht welche spielen, «die doch gezeigt haben, dass sie es besser können», wie der Sportchef beifügte. Und er begann aufzuzählen: «Das halbe Team ist doch in einer Nationalmannschaft.» Derweil formulierte Fringer, er sei «extrem enttäuscht». Zwar seien sie vor der Pause die «aktivere Mannschaft» gewesen, «aber dann in der zweiten in eine kollektive Schlafphase gefallen. Und das erste Tor war ein wunderbares Geschenk von uns.» Was sie geboten hätten, sei «alles in allem zu wenig»; viel zu wenig hätte er sagen müssen. ... Fringers gefährliche Worte Aber dann sagte er auch noch: «Die Mannschaft hat in dieser Woche zu viel geredet, anstatt sich aufs Spiel zu fokussieren. Sie wurde dadurch destabilisiert.» Was er damit ansprach, liess sich sehr wohl heraushören: Es war eine Kritik am Präsidenten, der offenbar in Abwesenheit Fringers und Bickels mit den Spielern gesprochen hatte. Das passte Fringer, man kann es nicht anders interpretieren, überhaupt nicht. Dinge wie diese, Dinge wie Fringers Äusserungen lassen sich aber auch ganz eindeutig so werten: Es ist beim FCZ auch in den Tagen nach dem Machtkampf so vieles im Argen, dass niemanden mehr überraschen würde, wenn es zu einem Trainerwechsel käme. Aber das scheint Fringer, wie er am Samstag flapsig kommentierte, «eigentlich egal» zu sein. Egal am nächsten Tiefpunkt des FCZ. (hjs)

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