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Der FCZ oder Wenns läuft, läufts

Das 3:1 gegen die Young Boys war der sechste Sieg des FCZ in Folge. Er schloss damit in der Super League zu den ersten Verfolgern des FCB auf, zu YB und Stadtrivale GC.

Aus Sicht der Young Boys war die Ausgangslage fürs Spitzenspiel der 24. Runde nach dem überraschenden 1:1 des FCB am Vorabend gegen St. Gallen diese: Wir schlagen den FCZ und rücken den Baslern bis auf zwei Punkte nahe, wir haben sie danach in Reichweite. Der FCZ aber sah in seinen schönen Träumen den sechsten Sieg im sechsten Spiel 2014 – und damit die Chance, sich dem Kreis der Verfolger anzuschliessen. Und dies als Mannschaft, die im November noch Zweitletzter war, zwölf Punkte vom FCB entfernt. Nach 45 Minuten vor nur rund 17 000 Zuschauern im Stade de Suisse stands dann 0:0 und waren beide Teams gleich weit von ihren Wünschen entfernt. Der FCZ war immerhin eine Spur besser gewesen. Aber zwei Minuten später sah vieles danach aus, als brächten es die Young Boys endlich mal wieder fertig, ein zwar (noch) nicht entscheidendes, aber doch wichtiges Spiel zu gewinnen. Sie müssten sich danach nicht schon wieder vorwerfen lassen, einen Ausrutscher der Basler nicht verwertet zu haben. Schlüsselszenen für den FCZ Moreno Costanzo nutzte eine der wenigen Lücken, die in diesen 90 Minuten die Zürcher Abwehr bot, zu einem Sololauf mit anschliessendem Hocheckschuss. Vor allem der erstmals wieder eingesetzte Montenegriner Ivan Kecojevic sah schlecht aus. Zwar brauchte es nur Sekunden später den letzten Einsatz von YB-Abwehrchef Steve von Bergen, um den Ausgleich zu verhindern. Er schlug einen Ball Franck Etoundis von der eigenen Torlinie. Aber nicht zu Unrecht sollte YB-Trainer Uli Forte später sagen: «Bis zum 1:1 hatten wir eigentlich alles im Griff, lief das Spiel nach unseren Plänen.» Dieses 1:1, das Etoundi noch verpasst hatte, fiel dann 20 Minuten vor Schluss, als Mario Gavranovic inmitten fast der halben Berner Mannschaft zu einem Schuss ansetzen konnte; der Verteidiger Scott Sutter lenkte den Ball so ab, dass er über Torhüter Yvon Mvogo hinweg unter die Latte flog. «Bis dahin hatte der FCZ nicht viele Chancen, wir liessen kaum etwas zu,» sagte Forte, «aber wie dieses Tor fiel, war unglücklich. Und es ist halt so: Wenns läuft, läufts.» Was der Zürcher Forte damit sagen wollte: Dem FCZ läufts zurzeit, manchmal weiss er gar nicht so recht, war­um Bälle ins Tor fliegen, die noch im Herbst anderswo gelandet wären. «Wenigstens dieses 1:1 hätten wir mitnehmen müssen,» fügte Forte später noch bei. Aber nicht mal das schaffte seine Mannschaft – und daran war sie selbst schuld: Es war eine schwache Aktion, wie die Abwehr und zuletzt vor allem Milan Vilotic gegen den anstürmenden FCZ-Verteidiger Berat Djimsiti vorgingen. «Da haben wir uns unglücklich angestellt,» gab auch Forte zu. Vilotics Foul wurde mit einem Elfmeter bestraft, den Yassin Chikhaoui verwertete. Es lief schon die 83. Minute, also blieb nicht mehr viel Zeit. «Die Schlüsselszenen liefen für den FCZ,» sollte Forte noch anmerken. Aber er musste auch sehen, dass der im Winter für viel Geld von GC geholte Vilotic noch längst nicht der erhoffte Stabilisierungsfaktor für seine Abwehr ist. Und Jung-Torhüter Mvogo noch nicht konstant. In der Nachspielzeit konterten sich die Zürcher noch zum 3:1 des dafür eingewechselten Spezialisten Pedro Henrique. «Jetzt müssen wir die Wunden lecken,» klagte Forte, während FCZ-Chef Urs Meier wieder mal vom «Spass» sprach, den seine Mannschaft habe und bereite. Ihm fiel vor allem positiv auf, wie sie auf den Rückstand reagiert hatte. «Wir schafften es wieder, Ruhe zu bewahren, obwohl wir uns gedulden mussten,» sagte er, «das ist sehr wertvoll.» «Chikhaoui gibt etwas zurück» Sechs Siege in Folge hat in dieser Saison noch keine andere Mannschaft geschafft. Dieser FCZ hat aber nicht nur das nötige Wettkampfglück wie beim 1:1. Er hat auch, wie er in Bern bestätigte, mittlerweile die Mentalität, sich mit viel Laufbereitschaft und Härte zu wehren, wenn es nicht gleich für ihn läuft – wie gestern. Davide Chiumiento war erneut ein Beispiel, Gavranovic sowieso, aber auch Chikhaoui. Die in ihren FCZ-Jahren oft verletzte tunesische Diva erhält Ende Saison keinen neuen Vertrag mehr. «Aber Yassin ist bereit, dem FCZ etwas zurückzugeben,» lobte Meier, «dafür, dass ihn der Verein in schwierigen Stunden immer wieder unterstützte.» Meier hat nach der Winterpause eine Mannschaft, die ihren Stil gefunden hat – auch wenn er sie umstellen muss, wie gestern bei Abwesenheit Loris Benitos und Avi Rikans. Vieles erinnert ans vergangene Frühjahr, als der FCZ eine mässige Vorrunde korrigierte und damals mit fünf Siegen und einem Unentschieden dazwischen startete. «Aber wir haben noch nichts gewonnen, wir müssen demütig bleiben,» findet Meier seine übliche Wortwahl zum Thema, ob der FCZ nun gar Titelaspirant sei. Aber er sagt auch: «Ich sagte immer, diese Meisterschaft bleibt eng – eng bis zum Schluss.» Wobei «eng» relativ ist, solange der FCB fünf Längen voraus ist. (hjs)

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