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Der Finanzdruck stoppt den Druck

Die Personalzeitung der Stadt ist zum letzten Mal in gedruckter Form erschienen, nur online lebt sie weiter. Das Sparprogramm beendet eine Tradition, die vor 42 Jahren begann. Ein Nachruf.

Als Sohn eines «Städtischen» ist man mit dem Heft quasi aufgewachsen, das bis 1994 den Titel «Wir von der Stadt» trug. Schwarz-weiss war es, etwas bieder (aus heutiger Sicht) und die regelmässige Sprachglosse des damaligen Informationschefs Hans Rentsch zog den Wortversessenen in den Bann. 1971 war die Zeitschrift zum ersten Mal erschienen; sie sollte – so Stadtpräsident Urs Widmer – die Kontakte zwischen Stadtrat und Städtischen fördern. Jahre später als Lokaljournalist war das Blättchen noch immer eine Quelle, es hiess nun «Stadtinfo», war moderner gelayoutet und farbig gedruckt. Besonders die Listen der Eintritte, Austritte, Pensionierungen, Jubiläen und Todesfälle sind immer wieder Anlass für eine Recherche. In der jüngsten und letzten Ausgabe etwa liest man, dass der frühere Projektleiter der Verwaltungskonzentration im Superblock die Stelle verlassen hat – oder verlassen musste? Denn man weiss, dass ihm ein anderer vor die Nase gesetzt wurde. Der frühere Stadtarchivar ist kürzlich gestorben, und ein Jakob Bächtold (nicht der des «Landboten») leitet nun den Club der Seniorinnen und Senioren. Den Wanderklub dieser Ehemaligen hatte einst der Vater geleitet, geht da dem Schreibenden beim Lesen durch den Kopf. Mittlerweile macht die Tochter ihre Lehre bei der Stadt. Ihren Eintritt hatte das «Stadtinfo» natürlich vermeldet, und nun hätte eigentlich das Porträt eines Feuerwehrmannes erscheinen sollen, das sie gruppenweise in der Lehre erarbeitet hatten. Die Porträts, die ihre Kolleginnen geschrieben haben, finden sich in der letzten Ausgabe – ihres nicht. Die Online-affine Tochter bedauert es fast ein wenig, dass ihre Arbeit nun nicht mehr gedruckt wird. Das wiederum freut in gewisser Weise den Vater, der von Berufs wegen auf Print steht. Nun geht also ein weiteres Printprodukt ein, weil die Stadt sparen muss. In der letzten Ausgabe skizzieren drei Autoren drei verschiedene Szenarien: 1. Wenn die Zeiten wieder besser werden, kann vielleicht wieder gedruckt werden (Motto: Die Hoffnung stirbt zuletzt). 2. Einst war das ein wichtiges Informationsmittel, heute ist es ein Auslaufmodell (Motto: Die Informationsgewohnheiten wandeln sich). Und 3. Der heutige Stadtpräsident schreibt, dass zumindest die beliebten Mutationen im Intranet sowie über www.winti-senioren.ch weiter publiziert würden (sorry: Der papiergewöhnte Traditionalist kann nicht versprechen, diese Homepage regelmässig zu besuchen).

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