Zum Hauptinhalt springen

Der Fluch der braunen Vergangenheit

Das Geburtshaus des Nazidiktators im österreichischen Braunau steht leer: Es soll auf keinen Fall zum Anziehungspunkt für Neonazis werden.

Den Nazis misslang es in den letzten Kriegstagen, das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau am Inn zu sprengen. Damit haben sie der kleinen Stadt in Österreich ein schwieriges Erbe hinterlassen. Seit 2011 steht das Haus leer. Nun werden Befürchtungen laut, es könnte zur Pilgerstätte für Neonazis werden. Rund 35 Jahre war in der geschichtsträchtigen Liegenschaft eine Behindertenwerkstatt untergebracht. Die Einrichtung für Behinderte im Geburtshaus des «Herrenmenschen»-Verfechters «wurde von allen positiv bewertet», sagt Florian Kotanko vom örtlichen Verein für Zeitgeschichte. Die Behindertenwerkstatt zog aber aus, weil sich die Besitzerin, Gerlinde Pommer, weigerte, in einen behindertengerechten Umbau der Liegenschaft zu investieren. Was die Besitzerin, die für die Liegenschaft monatlich 4800 Euro Miete von der Republik Österreich kassiert, daran hinderte, ist unklar, sagt Kotanko. Nun soll Bewegung in die Sache kommen. Denn «ein Leerstand ist auf Dauer nicht der Wunsch des Innenministeriums», sagt Ministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck in Wien. Der Besitzerin wurde bereits von einem Jahr eine Nutzung durch die Volkshochschule und die Volkshilfe vorgeschlagen. Und: Seit Monaten liegt der Besitzerin ein prinzipielles Kaufangebot vor, ohne dass diese allerdings darauf reagiert hätte. Nun lässt die Regierung die Chancen einer Enteignung prüfen. In den nächsten Wochen werden drei Gutachten dazu erwartet. Aber der Schritt ist heikel. «Man kann nicht einfach so enteignen», meint Verfassungsrechtler Hein Mayer in den «Oberösterreichischen Nachrichten». Das öffentliche Interesse als Voraussetzung dafür wäre erst gegeben, wenn die Besitzerin eine «Hitler-Gedenkstätte» planen würde, so der Jurist. Die Stadt versucht der Entstehung einer allfälligen Kultstätte für Neonazis derweil mit diversen Massnahmen entgegenzuwirken. Eine Informationstafel und ein Mahnstein aus dem ehemaligen KZ Mauthausen thematisieren das Hitler-Haus. Wie Braunaus Bürgermeister Johannes Waidbacher (ÖVP) erklärt, hat die Stadt als Signal auch einen Park und mehrere Strassen nach Widerstandskämpfern und Naziopfern benannt. Aber: «Das Haus hat für die Naziszene eine magische Relevanz», sagt der Leiter von Exit Deutschland, Bernd Wagner, unter Berufung auf Aussteiger. Der Verein, der in den vergangenen 15 Jahren in Deutschland rund 560 Rechtsextremen geholfen hat, ihrer alten Überzeugung abzuschwören, würde in dem Gebäude gern ein «Haus der Verantwortung» einrichten. «Es wäre eine Anlaufstelle für Aussteigewillige, wie es sie in Österreich noch nicht gibt», sagt Wagner. Doch zuvor müssen die Fragen von Kauf oder Enteignung entschieden werden – und der Staat könnte den Mietvertrag auf den 1.März kündigen. Auf eine geschmeidige Kooperation mit der Besitzerin zählt dabei niemand.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch