Aadorf

Der Gemeinderat hörte gut zu

Visionen und Verbesserungen durften die Aadorfer am Samstagmorgen gegenüber ihren Politikern anbringen.

Aadorfer jeden Alters waren bei der Zukunftswerkstatt dabei.

Aadorfer jeden Alters waren bei der Zukunftswerkstatt dabei. Bild: Johanna Bossart

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Manche Wünsche klingen profan: Es gibt zu viele Brombeerüberwucherungen im Wald, teils sind die Sitzbänke zu tief, «ich will ein Thai-Restaurant» und – der Biber soll bleiben! Als der Gemeinderat von Aadorf seine Bevölkerung um Rückmeldungen zu den Zielen der Legislaturperiode 2015 bis 2019 bat, hatte er wahrscheinlich andere Inhalte im Sinn.

Aber: Die über 100 Teilnehmer an der ersten Zukunftswerkstatt im Gemeindezentrum hinter­fragen und kommentieren die sieben Kernthemen durchaus konstruktiv. An jeder «Insel» wartet die dazugehörige Gemeinderätin oder der Gemeinderat. Auf Papiercharts geben die Bürger ihre Zufriedenheit mit den Legislaturzielen nach einem Ampelsystem kund: Grüne Kleber für Ziele, die sie wichtig finden; rot für zu vernachlässigende Themen. Zumindest war das der Ansatz. Als sich die Blätter mit bunten Punkten füllen, hat man den Eindruck, dass auch und eher die bisherigen Ergebnisse der seit zwei Jahren amtenden Politiker bewertet werden.

Sehr gute Noten stellen die Aadorfer demnach dem Ressort Volkswirtschaft und Gemeindeentwicklung aus. Ob es daran liegt, dass Gemeindepräsident Matthias Küng persönlich an ­dieser «Insel» steht? «Die Angst vorm zu grossen Wachstum ist deutlich», bilanziert er, «Aadorf soll keine Stadt werden, was auch immer das heisst.» Mit rund 8900 Einwohnern nähert sich der Ort dieser (psychologischen) Grenze. Wie man sich bei hoher Lebensqualität verdichten, näher nach innen zusammenrücken kann, spiegelt sich auf vielen Text­beiträgen wieder. Auch für den Gemeinderat für Raumplanung und Hochbau, Patrik Stacher, ein entscheidender Aspekt. Ebenso haben die Überlegungen für Windkraftanlagen am Rüetschberg aufgeschreckt. Sein Fazit ist, die Leute «in die Kommissionsarbeit mitzunehmen».

Eine Senkung des Steuerfusses von 153, zumindest auf Kantonsniveau (Thurgau: 117 Prozent), gehört zu den beliebtesten ­Vorschlägen, «aber um welchen Preis?», fragt Küng, das habe auch immer den Abbau von Dienstleistungen zum Thema. Darum geht es im weitesten Sinne auch am Stand von Urs Thalmann. Der für Soziales zuständige Gemeinderat be-merkt, «das Asylwesen beschäftigt die Bevölkerung extrem». Es wird ein Göttisystem zur Begleitung von Migranten vorgeschlagen, im Deutschkurs sollte man mehr auf die Schweizer Kultur eingehen.

«Man darf nicht vergessen, dass die Kurse in Freiwilligenarbeit geleitet werden», erinnert Thalmann. Andere Forderungen, wie die Asylsuchenden beim Naturschutz oder im Pflegebereich aufzubieten, bezeichnet er aus Sicherheitsgründen als «blauäugig», denn viele seien der Sprache nicht mächtig respektive Analphabeten. Dementsprechend sei die Vorstellung, mehr niederschwellige Arbeitsplätze in der Industrie einzufordern, nicht immer machbar. Hingegen kommt das von der Gemeinde organisierte Beschäftigungsprogramm gut an – offenbar weil man die Asylbewerber in den orangen Westen sowie das Ergebnis der Strassenreinigung sieht.

Über gelungene Integration solle man stärker kommunizieren, findet Kurt Weber aus Gunters­hausen, der Beispiele von Sportvereinen kennt, wo die Migranten regelmässig erscheinen. Im Übrigen ist von Bewohnern aus Guntershausen und Ettenhausen die Befürchtung zu spüren, von der Infrastruktur abgehängt zu werden (Stichwort Bahnhof). Auch die Schliessung einer Hausarztpraxis hat deutlich gemacht, dass die ärztliche Versorgung für Gemeinderätin Sabina Peter weiterhin auf der Agenda bleibt. Der gelungene dreistündige Anlass, ohne externe Unterstützung durchgeführt, hinterlässt bei den Aador­fern – und nicht nur den Regierenden – das Bedürfnis, ihn zu wiederholen. (Der Landbote)

Erstellt: 26.02.2017, 17:51 Uhr

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