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Der Hartnäckige

Mit Beat Meier wollen die Grünliberalen einen Sitz im Stadtrat erobern. Der Oberwinterthurer hat sich im Gemeinderat jüngst als entschlossenen Sparpolitiker präsentiert. Wie beharrlich er sein kann, zeigt auch eine Episode aus seinem Garten.

Der erste Eindruck: Beat Meier ist einer, der bohrt. Als Gemeinderat sitzt er der Stadtregierung im Nacken und will genau wissen, ob es eine Strategie hinter den Biogasanlagen mit städtischer Beteiligung gibt und eine zur Strombeschaffung. Meier will das Ziel sehen und den Weg kennen, wie es erreicht werden soll. Sein Drang zur Genauigkeit kippt bisweilen auch ins Besserwisserische. Ein Beispiel dafür war seine Aktion im Gemeinderat, als er während einer Rede des Werkvorstehers Matthias Gfeller (Grüne) zum Kugelschreiber griff, an den Hellraumprojektor schritt und den Antrag des Stadtrats abänderte – ein ungewöhnlicher Vorgang im Ratsprozess. Heute sagt Meier dazu: Diese Sitzung sei so chaotisch verlaufen, er habe nur Ordnung schaffen wollen. Damit konnte er punkten: Meier engagiert sich auf politischer Ebene mit konkreten Forderungen für die 2000-Watt-Gesellschaft und die Reduktion des Treibhausgases CO2. So erreichte er mit einer Motion und den Grünen als Verbündeten, dass Stadtwerk heute einen Strommix aus erneuerbaren Energien anbietet. Zudem machte er sich im Abstimmungskampf für den 90-Millionen-Kredit nochmals stark für Solarenergie, Windkraft und Biogas. Damit eckte er an: Im Dezember setzte er sich in der Budgetdebatte als Sparpolitiker in Szene. Seine Voten waren zwar nicht so resolut wie jene seiner Parteikollegin und Wahlkampfhelferin Annetta Steiner, aber sie hatten dieselbe Botschaft: In der Stadtverwaltung gibt es Luft, die Stadt muss pauschal sparen, bevor sie Steuern erhöht. Die unerbittlichen Kürzungen quer durch alle Departemente machten selbst vor Klassenlagern und Schulreisen nicht halt. Um die Sparziele durchzubringen, verbündeten sich Meier und die GLP-Fraktion mit den Bürgerlichen. Sie strichen rund zwölf Millionen Franken aus dem Budget. Das muss man wissen: Beat Meier ist 49 Jahre alt, Präsident der Grün- liberalen Winterthur und seit 2010 Gemeinderat. Vor neun Jahren gründete er das Beratungsunternehmen Bemepro. Als studierter Agrar- und Wirtschaftswissenschaftler überlegt er sich im Auftrag von Organisationen, Gemeinden und dem Bund Konzepte, wie diese ökologischer werden können. Er betont: «Von der Stadt Winterthur hatte ich mit meiner Firma nie einen Auftrag.» Ein bewusster Entscheid, wie er sagt. Bis vor Kurzem war seine Partnerin, Anna Roschewitz, die Umweltbeauftragte der Stadt. Sie kündigte im Sommer, weil ihr Budget gekürzt wurde. Die beiden leben mit ihrem Sohn in einem Nullenergiehaus in Oberwinterthur. Das sagt der Kandidat: Ein Wahlversprechen abzugeben, ist nicht Meiers Ding. Versprechen will er nur, dass er seine Beharrlichkeit auch in den Stadtrat mitnehmen wird – zum Beispiel bei grossen Projekten. Bei diesen würde er erst genau prüfen, ob sie realisiert werden können, bevor er sie ankündigt. «Und dann würde ich den Finger auf die Umsetzung halten.» Grundsätzlich will Meier, dass Winterthur eine starke Stadt wird. «Das ist sie, wenn sie unabhängiger ist. Finanziell, energetisch, bei den Arbeitsplätzen.» Dass ihn die Bürgerlichen trotz seines radikalen Sparkurses beim Budget 2014 nicht aufs Ticket nehmen, verschmerzt er: «Weder Linke noch Bürgerliche wollen offen zu mir stehen. Das ist der Preis für meine unabhängigen Positionen.» So sehen ihn die anderen: Ralph Bauert, Geschäftsleiter des Hauseigentümerverbands, hat zwar Lob übrig für Meiers Sparhaltung in der Budget­debatte. «Das war ganz im Sinn der Bürgerlichen.» Trotzdem findet er es nach wie vor richtig, dass sein Verband Meier nicht unterstützt. Der Grünliberale sei einfach zu wenig liberal – und deshalb nicht wählbar. Bauert begründet das unter anderem damit, dass Meier Hausbesitzer zwingen wollte, ihre Gebäude ans Fernwärmenetz anzuschliessen. «Er respektiert das Eigentumsrecht zu wenig.» Jürg Buri hält grosse Stücke auf Meier: «Sein Fachwissen im Bereich Ökologie und Energiewende ist enorm.» Buri ist Geschäftsleiter der Schweizerischen Energie-Stiftung und beauftragte Meier mit einer Studie zu den Kosten der Energiewende. Diese habe Meier hervorragend ausgeführt. Buri arbeitete sehr gerne mit Meier zusammen, weil er zuhören könne, konstruktiv sei und wisse, wovon er spreche. «Meier klopft keine Sprüche. Er meint, was er sagt.» Das bleibt in Erinnerung: Beat Meier ist von einer unglaublichen Hartnäckigkeit beseelt. Diese Eigenschaft verhalf ihm zu einem speziellen Sieg. Eines Tages entdeckte er in seinem Garten eine der gefährlichsten Pflanzen, die es hierzulande gibt: einen Japanischen Knöterich, ausdauernd und beinahe unbezwingbar. Das wusste der Grünliberale Meier, als er zur Schaufel griff. Und auch, dass die Pflanze wieder keimen würde, wenn nur eine winzige Wurzel in der Erde stecken blieb. Meier grub den Knöterich aus, kontrollierte seinen Garten Tag für Tag, grub Löcher, durchwühlte Erdhaufen um Erdhaufen, entfernte winzige Wurzeln und nahm noch etwas Gift zu Hilfe. Jetzt gilt der Knöterich in Meiers Garten als ausgerottet.

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