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Der Kitt der Freundschaft

Der Mensch ist das Verbindende. In der Galerie Weiertal zeigen vier regionale Kunstschaffende ihre Arbeiten – es wird wacker an Netzwerken gearbeitet.

Etwas im Schatten der aktuellen Skulpturen-Biennale Winterthur findet zurzeit im Weiertal eine zweite Ausstellung mit vier regionalen Kunstschaffenden statt. Galeristin Maja von Meiss hat vier Künstlerinnen und Künstler eingeladen, mit denen sie seit Jahren eine enge Freundschaft verbindet: Petra Sulzer-von der Assen, Ulla Rohr, Ka­thrin Severin und Hansjörg Flückiger. «Ver-Bindungen» lautet denn auch der Titel der Schau, die im Obergeschoss und im Bistro zu sehen ist.

Solche Mottos sind einerseits praktisch, weil man sich während der Betrachtung so etwas wie einen roten Faden durch die ganz unterschiedlichen Arbeiten legen kann. Andererseits ist das Feld so weit gesteckt, dass Assoziationen ins Beliebige ausufern können. Verbindungen, könnte man einwenden, sind doch ein Modethema in Zeiten des World Wide Web. Wäre da nicht der Solitär, das Geniale das wirklich künstlerisch Spannende?

Doch bevor man in Allgemeinplätze abdriftet – die vier verbindet ein Merkmal: Sie alle arbeiten figürlich. Der Mensch ist das Verbindende zwischen Ulla Rohr und Petra Sulzer-von der Assen, Hansjörg Flückiger und Kathrin Severin arbeiten im weitesten Sinn ausgehend von der Natur.

Man darf selber Hand anlegen

Spannend, weil sie eine neue Phase der Künstlerin zeigen, sind die Bronzefiguren von Petra Sulzer-von der Assen. Hat sie bislang den Menschen als Wesen ins Zen­trum ihres Schaffens gestellt, gruppiert sie ihn – und steht so fast zwangsläufig vor der Frage, was denn genau Gruppen von Menschen zusammenhält. Sulzer-von der Assen ist jedoch keine Psychologin, die ihre Arbeiten mit irgendwelchen Gefühlen befrachten und diese dann veranschaulichen will. Sie sucht viel eher die Ästhetik, die zwischen den kleinformatigen, aber dennoch grossartig wirkenden Bronzefiguren wirken kann. Es sind die kleinen dunklen Volumen, die sie arrangiert, Körper in liegender, entspannter Pose, andere in angespannter Haltung. Die Figuren können frei arrangiert werden und so lassen sich immer neue Beziehungen zwischen den Volumen herstellen, aber auch Leerräume gestalten. Im Bistro hat die Künstlerin dem Betrachter Gipsmodelle zur Verfügung gestellt, mit denen er Konstellationen ausprobieren kann. Andere Figuren komprimiert sie zu grossen Gruppen, die von der Spannung leben, die sie den einzelnen Elementen verleiht, sie streben nach oben, aussen, irgendwo hin oder auch zueinander. Hier werden Beziehungen spürbar, die über rein physische Verbindungen hinausgehen. Sicher ist: Eine bewegte Werkphase der Künstlerin ist zu sehen – die spannendste der Ausstellung auch – und man wartet gespannt, wie es weitergeht.

Wie Sulzer-von der Assen zuweilen aus Verbindungen Beziehungen gestaltet, so ist Letzteres auch das Thema von Ulla Rohr, die stärker an den psycho­logischen Aspekten von Verbindungen interessiert ist. Bereits in den Werk­titeln ist die Suche nach existenziellen Erfahrungen ablesbar: «Begegnung», «das Lächeln» oder «Warten». In den aktuell gezeigten Arbeiten findet die Künstlerin eine gute Balance zwischen den psychologischen Ansprüchen und der malerischen Umsetzung. Oft tendieren ja Gemälde mit dem Anspruch, psychologische Forschungen zu betreiben, in reinem Kitsch. Rohr umschifft diese Klippe, indem sie in vielen Werken mit einem Schuss Ironie und Humor das «ernste» Thema bricht. Die Moral der Geschichte kommt immer einleuchtend und einfach daher.

Sulzers Plastiken und Rohrs Gemälde gehen im Bistro eine eigentümliche und schöne Verbindung ein – da sind die schweren Bronzen einerseits, die lediglich aus wenigen Strichen skizzierten Figuren Rohrs andererseits. Eine Beziehung, in der sich Gegensätze glücklich anziehen.

Grossmaulmuschel

Kathrin Severin und Hansjörg Flückiger gehen zwar beide von der Natur aus, so war es aber doch eine kluge Entscheidung, den zweien je einen eigenen Raum zur Verfügung zu stellen. Severin arbeitet eher in Serien – so ist sie von einem realen Baum ausgegangen und hat ihn anschliessend als Netzwerk zwischen Wurzeln und Geäst zu erfassen versucht. Das Ende der Serie bilden zwei Modelle aus synthetischen Seilen, in denen die Künstlerin das Netzwerk der Natur vollkommen abstrahiert hat. Als Denk- und Produktionsprozess wirkt dies konsequent.

Flückiger arbeitet aus der Fantasie, die Schwerkraft und andere Naturgesetze fast schon frech und ziemlich fröhlich ausser Kraft setzt. Da kreuzen sich Schmetterlinge und Korallen und setzen so manch wunderliches Kind in die Welt. Kürbisse werden zu UFO getunt, Muscheln riskieren eine kesse Lippe und ein grosses Maul. Und da entdeckt man noch eine Verbindung: des Künstlers Humor, den er mit Ulla Rohr teilt. Humor, Freundschaft und gemeinsame Themen: Das ist der Kitt, der Freunde zusammenhält.

www.galerieweiertal.ch

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