Zum Hauptinhalt springen

Der Kofferraum fürs Velo kommt aus Winterthur

Manchmal sind Dinge so altbewährt, dass niemand auf die Idee kommt, sich dar­über Gedanken zu machen. Trotzdem haben zwei Winterthurer den Veloanhänger als Polyroly neu erfunden.

Design-Drehbänke, Fräsen, Pressen stehen in der grosszügigen Werkstatt, und in einem raumhohen Gestell lagern Metallprofile, Träger, Bleche. Das alles wirkt für die filigranen Produkte, die entstehen, reichlich überdimensioniert – denn hier wird intensiv an einem völlig neuartigen, ultraleichten Veloanhänger gearbeitet. Seit 2008 ist der gelernte Maschinenmechaniker und Schlosser Lorenz Grimmer (41) in dieser ­alten Sulzer-Werkstatt tätig; das Polyroly-Projekt hat er 2011 gemeinsam mit seinem ehemaligen Arbeitskollegen Andreas Re ­Meili aufgegleist. Während Grimmer nach seiner Lehre im Messedesign und -bau tätig war, sich mit Innenarchitektur, Ausstellungstechnik und Lichtdesign beschäftigte, bevor er sich wieder dem Metallbau zuwendete, kommt Meili (49) vom Design her. Nach dem Vorkurs an der Kunstgewerbeschule und (abgebrochener) Mittelschule zog er nach England, wo er zunächst vorwiegend als Künstler tätig war und später ein Designstudium abschloss. «Schon damals geisterte der Polyroly in meinem Kopf herum, doch mit Bohrmaschine und Hammer kam ich nicht sehr weit …», gesteht er lachend. Designer trifft auf Macher Als er Grimmer nach langer Zeit wieder traf, schlug er ihm eine 50:50-Partnerschaft vor: «Die Idee vom ultraleichten, hoch­stabilen Anhänger fand ich nach wie vor cool», erzählt er. «Zugleich war mir klar, dass viele meiner Ideen technisch nicht wirklich gut waren. Deshalb sollte er als Praktiker das Gefährt besser, stabiler machen.» Und so ist die Arbeitsteilung heute klar: «Re ist der Designer, ich bin der Macher», bestätigt auch Grimmer. Dabei seien sie eigentlich beide nicht sonderlich an Anhängern interessiert, gestehen sie: «Uns reizte vor allem die technische Herausforderung, wie man das stabilste und gleichzeitig leichteste Gefährt bauen kann.» Dank einer räumlichen Fach­werk­kon­struk­tion ist es ihnen gelungen, bei minimaler Materialmenge höchste Stabilität hinzukriegen: Die leichtesten Polyrolys wiegen nur gerade gut fünf Kilogramm, vermögen aber bis zum 50-­Fachen ihres eigenen Gewichts zu tragen. Der Kofferraum fürs Velo Mit dem Polyroly wollen sie ein heutiges Transportbedürfnis lösen: «Velos sind beim Nahverkehr im Trend, aber bei Transporten bald am Anschlag. Die klassischen Veloanhänger jedoch sind zu schwer und im Handling mühsam.» Kein Wunder: Sie wurden nie weiterentwickelt. Anders der Polyroly: Als erstes, professionell entwickeltes Anhängerprodukt soll er der Kofferraum fürs Velo sein, gerade auch für E-Bikes. Zu einem guten Produkt gehört für die beiden auch, dass die Fertigung möglichst in der Schweiz (beziehungsweise in Winterthur) erfolgt und dass alle Teile aus «unkaputtbarem» Chromstahl gefertigt sind; Kunststoff wird nicht verbaut. Zudem basiert der Polyroly auf einer Modulbauweise; alles ist reparier-, ersetz- oder wandelbar: Ein Baukastenprinzip ermöglicht verschiedene Varianten; Chromstahlschutzbleche oder Rückstrahler können einfach «angeclippt» werden. Die Box, die jeder hat Dementsprechend kommt der Polyroly als Bausatz: Lediglich sechs Schrauben und die vier Radmuttern müssen angezogen werden. Und den eigentlichen Gepäckraum, eine 60 mal 40 Zentimeter grosse Euronorm-Kunststoffbox, hat ja ohnehin bereits ­jeder im Haus: «Die liefern wir nicht mit, weil wir nichts Sperriges verschicken wollen», sagt Re Meili. «Denn primär soll der Polyroly über unseren Webshop zur Selbstmontage verkauft werden.» Dennoch betreiben die beiden am Lagerplatz auch einen Fabrik­laden, der Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 und Samstag von 11 bis 15 Uhr geöffnet ist. Und bereits gibt es für den Polyroly schickes oder praktisches Zubehör, etwa eine wasserdichte Pack­tasche oder einen geflochtenen Weidekorb. «Gerne gehen wir Partnerschaften mit Zulieferern ein», sagt Grimmer. «Wenn jemand einen Golfbag, einen Picknickkorb, eine Kühlbox, einen Grill als Aufsatz für den Polyroly entwickeln will: Bitte sehr – mit uns kann man immer reden …»

Weitere Informationen: Polyroly, Lagerplatz 20, 8400 Winterthur, Telefon 052 508 08 15. www.polyroly.com

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch