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Der Kunst auf der Spur – und dem Potenzial: Malen mit Jugendlichen im Quartierzentrum

Diese Woche haben Jugendliche im Quartier­zentrum die Möglichkeit, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Ganz aus dem Bauch heraus können sie im Malworkshop ihre Leinwände bearbeiten.

Eine Ikone aus dem 11. Jahr­hundert steht einem modernen, ab­strak­ten Bild gegenüber. Da­zwischen liegen 1000 Jahre Kunst­geschichte. «Was ist für euch Kunst?», fragt Kunstmaler und Jugendarbeiter Stefan Heinichen die zwei anwesenden Jugendlichen. Heute liege das im Auge des Betrachters, meinen die beiden. Instinktiv ordnen sie die sechs Bilder auf dem Tisch richtig auf der Zeitachse. Die Jugendlichen zeigen schon in den ersten Minuten des Workshops, dass sie sich mit Kunst auseinandersetzen. Michelangelo, Renoir oder Monet sind ihnen zwar kein Begriff. Trotzdem sehen sie selbstständig die Entwicklung, vom figürlichen Zeichnen zur expressiven und intuitiven Kunst. Heinichen hat sie im Jugendtreff neben einigen anderen persönlich auf das Angebot angesprochen, da er Po­ten­zial in ihnen sieht. Er will Jugendlichen die Möglichkeit geben, ihr Talent zu entdecken, sie ermutigen und motivieren. Besonders diejenigen, die zu Hause wenig Verständnis und Unterstützung für ihre Passion erhalten. Wenig Theorie und viel Kreativität Mit dem kurzen Theorieblock zur Kunstgeschichte hat Heinichen den Workshop im Quar­tier­zen­trum Gutschick eröffnet. Vier Nachmittage ist er hier, um Jugendlichen die Malerei näherzubringen. Es darf kommen, wer möchte, und wann es die Zeit zulässt. So sind am heutigen Dienstag nur zwei gekommen, für den Folgetag werden aber mehr erwartet. Es gibt kein strenges Programm, im Gegenteil, den Jugendlichen stehen Leinwände, Acrylfarben, Pinsel, Papier, Schwämme und drei Stunden Zeit zur freien Verfügung. «Im Gegensatz zum Zeichenunterricht in der Schule sollen sie hier nicht Techniken lernen, sondern gross und aus dem Bauch heraus arbeiten», sagt Heinichen. Damit die Jugendlichen ihre Gedanken auch umsetzen können, gibt es die kurzen Theorie-Inputs, Inspiration und indivi­duelle Betreuung. So rät er Xhej ­Doni, an seiner Leinwand innezuhalten, die Farbe erst trocknen zu lassen, damit sich nicht alles vermischt. Der 14-jährige Winterthurer hat wenig Erfahrung mit dem Pinsel. Er zeichnet sonst mit Bleistift oder digital auf dem Handy. Die grosse Leinwand und das Verhalten der Farben dar­auf ist daher ein Experiment. Die zweite Teilnehmerin, Jasmin Da Silva (15), weiss genau, was sie mit einer Leinwand anstellen muss. Routiniert trägt sie das Gesso, die Kreidegrundierung, auf. Dass den Farben damit Stärke und dem Bild Tiefe verleiht wird, hat sie an der eigenen Leinwand gelernt. Sie wird von den Eltern gefördert und malt, seit sie sieben ist, mit dem Pinsel. Für den Workshop hat sie eine Skizze mit selbst kreierten Ornamenten mitgebracht, an der sie seit Monaten immer wieder gearbeitet hat. «Ich möchte einen Ausschnitt nun gross und farbig umsetzen» erklärt sie, während sie ihre Palette mischt. Ausstellen und Verkaufen am Quartierfest In den vier Tagen dürfen die Jugendlichen nicht nur eigene Werke kreieren, es soll auch ein grosses gemeinsames Bild entstehen. Zudem soll auch gelernt sein, wie man seine Kunst an den Mann bringt, denn das Brot des Kunstmalers ist hart verdient. Im Sommer werden die Bilder am Gut­schickquartierfest zu sehen und erwerben sein. Auch hier können die Künstler selbst entscheiden, wie viel sie verlangen oder ob sie ihre Werke lieber versteigern möchten. Der Erlös wird allerdings dem Verein Jugendtreff Gutschick zukommen, der die Räumlichkeiten und das Material zur Verfügung stellt.

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