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Der lange Kampf ums Pachtland

Die Vergabe von gemeindeeigenem Pachtland ist ein heikles Thema. Vor allem, wenn der Gemeinderat historisch gewachsene Strukturen verändern will. Die Rickenbacher Behörde hat es dennoch gewagt – und die Bauern fast zufriedengestellt.

Die Gemeinde Rickenbach besitzt rund 25 Hektaren Landwirtschaftsland – und dieses ist bei den Bauern heiss begehrt. Jetzt hat der Gemeinderat die Verteilung der rund 30 Parzellen neu geregelt. Denn die ältesten Verträge sind über 36 Jahre alt und nur etwa 13 Betriebe kamen bisher in den Genuss eines Pachtvertrags. Über zwei Jahre lang hat der Gemeinderat an einer gerechteren Verteilung gearbeitet – und sich an ein heisses Eisen gewagt. «Ich wurde von verschiedenen Amtskollegen gewarnt, dass Veränderungen bei der Pachtlandvergabe äusserst heikel sind», sagt Gemeindepräsidentin Bea Pfeifer. «Aber wir wollten eine gerechtere Verteilung und sind jetzt froh, dass wir das Thema angepackt haben.» Zu Beginn des Projekts habe bei vielen Landwirten die Angst geherrscht, der Gemeinderat wolle ihnen etwas wegnehmen. Man habe manchmal klarstellen müssen, dass das Land Eigentum der Gemeinde ist und diese dar­über verfügen könne, sagt Pfeifer. «Viele haben aber auch eingesehen, dass es nicht gerecht ist, wenn einige über Jahrzehnte viel Land bewirtschaften können und andere leer ausgehen.» Drei bekommen nichts Am 1. November treten die neuen Verträge in Kraft, die nach den überar­bei­te­ten Vergabekriterien (siehe Box links) erstellt wurden. Sie gelten – wie vom Gesetz vorgegeben – für die nächsten sechs Jahre. Insgesamt zeigten 19 Betriebe Interesse an dem Pachtland, 16 bekommen je etwa 1,5 Hektaren davon. Zum Teil wurden dafür grössere Parzellen auf mehrere Pächter verteilt. Lediglich drei Landwirte erfüllen die Kriterien bei der aktuellen Verteilung nicht. Einer von ihnen hat das AHV-Alter erreicht und zwei Betriebe können die Selbstbewirtschaftung nicht gewährleisten. Damit muss ein Bauer sein Pachtland abgeben, die anderen zwei hatten bisher noch kein Gemeindeland. Ursprünglich ging der Gemeinderat davon aus, dass es mehr Interessenten gibt, als Landstücke vorhanden sind. Damals rechnete man noch mit 24 Landwirtschaftsbetrieben. Doch diese Zahl hat in den letzten zwei Jahren abgenommen. «Einige Bauern hatten Angst, dass sie mit der Neuverteilung alles Pachtland verlieren», sagt Landwirtschaftsvorstand René Meili, der selber Bauer ist. «Wir sind jedoch froh, dass keiner, der die Kriterien erfüllt, leer ausgeht.» Er kann die Sorgen der Berufskollegen nachvollziehen und hat seine Behörde bei der Neuverteilung beraten. Für die Abstimmungen sind er und Gemeinderatskollege Dieter Müller – auch Landwirt – wegen Befangenheit in den Ausstand getreten. Naturwiese wird Ackerland Trotz der «gerechten Lösung» – einige Pächter müssen mit der Neuverteilung empfindliche Verluste in Kauf nehmen und zum Teil über die Hälfte des jetzigen Pachtlands abgeben. Einer davon ist Markus Habersaat. Er verliert einen Fünftel seiner gesamten Fruchtfolgefläche. «Da wir nur einen kleinen Betrieb haben, ist der Landverlust einschneidend», sagt Habersaat. Er sei nun froh, dass er überhaupt noch Land von der Gemeinde bekommen habe. Zu Beginn der Neuverteilung habe er sich als langjähriger Pächter schon dar­auf eingestellt, alles zu verlieren. «Ohne das Pachtland hätten wir uns wirklich fragen müssen, ob sich unser Betrieb noch lohnt.» Um die fehlenden Ackerflächen auszugleichen, muss er nun einige Naturwiesen zu Fruchtfolgeflächen machen. Diese Landstücke seien zwar nicht ideal für den Ackerbau, aber er müsse den Verlust damit ausgleichen. Landwirt Karl Etzensperger gehört derweil zu den Gewinnern der neuen Vergabe. Er hat nun einen Pachtvertrag für zwei Landstücke erhalten. «Ich bin zufriedener als früher, aber ideal ist es trotzdem nicht», sagt er. Seine Landstücke seien mit 60 und 80 Aren eher klein und liegen weit auseinander. «Vielleicht kann ich mit einem Tausch noch etwas verbessern», sagt er. Ihm wäre lieber gewesen, wenn diejenigen Betriebe, die jahrelang grosse Flächen hatten, vor­übergehend leer ausgegangen wären, zugunsten von denen, die bisher noch nie Land von der Gemeinde pachten konnten. «Grosse Parzellen in mehrere kleine Flächen aufzuteilen, macht für die heutige Bewirtschaftung mit grossen Maschinen eigentlich keinen Sinn.» Dennoch hat er Verständnis für den Gemeinderat: Die Verteilung sei keine leichte Aufgabe. «Jetzt ist halt niemand wirklich unzufrieden, aber so richtig glücklich ist wohl auch keiner.»

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