Zum Hauptinhalt springen

Der maskierte Franko-Japaner

Wie schon die erste Generation baut Toyota auch die zweite Auflage des Kleinwagens Aygo in Kooperation mit Citroën und Peugeot. Neben seinen französischen Geschwistern sticht der Japaner mit einem frechen Design heraus.

Eines vorweg: Der neue Aygo ist Toyota sicher besser gelungen als der dazugereichte Slogan. «Go fun yourself» – der Spruch aus der Werbeabteilung taugt allenfalls für einen – leidlich vulgären – Aufkleber am Heck. Gut, macht da der Schweizer Importeur gar nicht erst mit und bewirbt die zweite Generation des Stadtflohs mit «Ready Set Aygo!», einer Anspielung auf die Lancierung im Rahmen der Leichtathletik-EM in Zürich. Daneben tritt der Aygo als «The Rising Star» auf, weil Toyota das Filmfestival in Locarno sponsert. Das ist zwar nicht allzu originell, aber unzweideutig. Durchaus originell ist dafür dieses kleine Auto. Wie bei der ersten Generation im Jahr 2005 hat Toyota wieder mit PSA zusammengespannt. Citro?n C1 und Peugeot 108 heissen die Schwestermodelle, die im Frühling ebenfalls in Genf debütierten. Von der ersten Aygo-Generation verkauften die Japaner weit über 700?000 Exemplare, etwas über 14?000 waren es in der Schweiz. Der Aygo lief damit leicht besser als der C1 und der 108 – in dieser Reihenfolge. Diese Hierarchie will man bei Toyota beibehalten und im umkämpften A-Segment weiterwachsen. Die Strategie, die dahinführen soll, heisst gewagtes Design. Lieber polarisieren als nicht auffallen, sagte sich Aygo-Chefdesigner David Terai und gab seinen Mitarbeitern vor, sich an der japanischen Jugend- und Manga-Kultur zu orientieren. Das Ergebnis ist ein Kleinwagen, der als kulturelles Mischwesen durchgeht. Signifikantestes Merkmal ist das X auf der Front, das sich in vier Farben bestellen lässt. Ist es schwarz, erinnert der Aygo an die Maskerade von Zorro und von Marvel-Figuren. In den knallbunten Farbkombinationen und stilisierten Formen kann man aber ebenso Manga-Anleihen erkennen. Aber zu den harten Fakten: In der Grösse hat sich der Aygo kaum verändert. Er ist mit 3,46 Metern Länge um 2,5 Zentimeter gewachsen, hat eine um 8 Millimeter breitere Spur und steht mit einem um 5 Millimeter gesenkten Dach etwas geduckter da. Der Radstand blieb unverändert, der Kofferraum wuchs um 29 auf 168 Liter – hat aber weiterhin eine hohe Ladekante. Auch der Passagierraum ist minimal gewachsen. Doch das sind Details. Der Aygo ist wie gehabt ein Auto für Singles und Pärchen, mit zwei vorderen Plätzen, die auch für Grossgewachsene taugen, und einer Reihe zwei, auf der Erwachsene nur kurze Strecken gut gelaunt überstehen. Zu einer ordentlichen Sitzposition des Fahrers trägt das höhenverstellbare Lenkrad bei und ab der mittleren Ausführung der höhenverstellbare Fahrersitz – keine Selbstverständlichkeiten im A-Segment, wo jeder Franken zählt. Toyota will den Aygo erklärtermassen höher platzieren als die französischen Schwesterprodukte. So gibt es im Einstiegsmodell Aygo X ab 13?900 Franken etwa einen Berganfahrassistenten sowie Radio und Servolenkung ab Serie. Relevanter für den Schweizer Markt ist das mittlere Modell X-Play. Für ab 16?900 Franken ist es mit einem Lederlenkrad, einem Radio mit DAB+-Empfang, elektrischen Fensterhebern vorne und einer Funk-Zentralverriegelung ausgestattet. In dieser Ausstattung beginnt auch das Spiel mit Farben und Ausstattungen: Über Pakete können diverse Bauteile innen wie aussen individuell gewählt oder auch später ausgetauscht werden. Auf der Version X-Play basieren zudem wechselnde Sondermodelle, zum Start etwa den Aygo X-City in Orange mit schwarzem X ab 18?800 Franken. Die Spitze markiert der Freiluft-Aygo X-Wave ab 19?700 Franken mit seinem faltbaren Stoffdach. Darin ist dann auch das Multimediasystem X-Touch ab Serie eingebaut, mit dem sich das Handy samt seiner Funktionen im Auto spiegeln lässt. Den Aygo gibt es wie gehabt als Drei- oder Fünftürer, mit einer nicht ganz problemlosen Fünfgang-Handschaltung oder dem automatischen X-Shift-Getriebe. Die Federung, so zeigen die ersten Testfahrten, ist sehr komfortabel – man will fast sagen französisch – ausgelegt. Die Lenkung ist direkter und damit besser als beim Vorgänger. Allen Modellen gemeinsam ist der 3-Zylinder-Benziner mit 69 PS und 95 Newtonmetern Drehmoment, der nach einer Überarbeitung mit 4,1 Litern pro 100 Kilometer auskommen soll. Oder gar mit 3,9, wenn man den Aygo in der Eco-Version mit rollwiderstandsreduzierten Reifen und höher übersetztem 4. und 5. Gang bestellt. Allerdings geht dem Motörchen ausserhalb der Stadt rasch die Puste aus, Beschleunigungen von Tempo 80 auf über 120 nehmen über 20 Sekunden ein. Das ist nicht jedermanns Sache, ebenso wie der wenig kernige, aber laute Motorensound, den Toyota – nach Marktstudien – offenbar bewusst nicht besser gedämmt hat. Gut, geht die Schweiz als einziger Markt auch hier ihren Sonderweg und bietet gegen einen Aufpreis von 700 Franken einen etwas muntereren 1,2-Liter mit 82 PS an. Er kommt von PSA – so geht die franko-japanische Zusammenarbeit.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch