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Der nächste Frühling kommt bestimmt

Wenn der Sommer langsam zu Ende geht, kommt die Zeit, in der geträumt werden darf. Von den Zwiebelpflanzen, die im Frühling die warme Jahreszeit einläuten, zum Beispiel.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich mag Kataloge, vor allem Pflanzenkataloge. Spätestens wenn die Sommerferien vorbei sind und die Tage kürzer werden, liegt der «Samen Mauser» im Briefkasten, ein Vorbote für den kommenden Frühling. Lauter Zwiebelpflanzen in allen Farben, Formen und Höhen werden angeboten. Schneeglöckchen, Krokus, Iris und Winterling sollen den Frühling einläuten. Wildtulpen, Schneestolz, Blaustern und erste Osterglocken werden folgen. Dieses Jahr lag der Zwiebelpflanzenkatalog der Firma Avon Bulbs aus England bereits im Juni auf meinem Schreibtisch und so konnte ich während langer Zeit planen, bestellen und – vor allem – mich freuen. Ende September werden die Pakete eintreffen und sobald der Garten für den Winter vorbereitet ist, werde ich die Zwiebeln pflanzen.

Eine Rarität

Doch was steht auf meiner Wunschliste? Für einen halbschattigen, eher feuchten Bereich unter laubabwerfenden Gehölzen, wo es vor dem Blattaustrieb sonnig ist, habe ich blauen Schneestolz (Chionodoxa luciliae) bestellt. Zu den blauen, sternförmigen Blüten stelle ich mir weisse Traubenhyazinthen (Muscari botryoides ‹Album›) und schwefelgelbe Buschwindröschen (Anemone nemerosa × lipsiensis) vor. Letztere sind in der Schweiz oft erst im Frühjahr als Rarität im Topf erhältlich. Ein Ersatz könnte die zartgelbe frühe Osterglocke Narzissus ‹Topolino› sein. Oder soll ich gefüllte Schneeglöckchen (Galan­thus nivalis ‹Flore Pleno› anstelle der Traubenhyazinthen wählen und dazu Scilla siberica pflanzen? Osterglockenwiesen in Schottland Als wir im vergangenen April in Schottland weilten, haben wir überall Osterglocken in Massen gesehen. Sie blühten am Wegrand, in Parkanlagen und Gärten und liessen mich über meinen Versuch, eine Osterglockenwiese anzulegen, schmunzeln. Wo die Schottinnen und Schotten Tausende der gelben und weissen Narzissen gepflanzt hatten, hatte ich 500 Zwiebeln für eine grosse Zahl gehalten. Osterglocken bestelle ich Jahr für Jahr wieder, denn ich mag die problemlosen Pflanzen im April besonders gern: Die Sorte Narzissus ‹February Gold› sieht fast wie die Wildform Narzissus pseudonarzissus aus, aber sie blüht oft schon im März. Ebenfalls im März blüht die in Mode gekommene N. ‹Tête-à-Tête›, eine vielblütige, eher kleine Osterglocke. Sie gefällt mir genauso gut wie andere Zwergformen, etwa die zartgelbe N. ‹Snipe› oder die N. ‹Golden Bell›, welche glockenförmige Blüten hat. Da ich weisse Blüten besser mag als gelbe, pflanze ich immer wieder die weissen Narzissus ‹Thalia› und N. ‹Mount Hood›. Alle unsere Osterglocken wachsen an Sonne und Halbschatten gleich gut. Mein Versuch, sie auch im Schatten anzusiedeln, ist zwar nicht gescheitert, aber aus den Zwiebeln entwickeln sich jeweils wenige Blüten und viel Laub. Pflanzenblätter nach der Blüte zusammenbinden Nach einigen Änderungen im Garten liegt ein grosser sonniger Bereich fast leer da. Verschiedene in Form geschnittene Buchsbäume sollen später einen grünen Garten bilden, in welchem im Frühling Krokusse und später Tulpen, gefolgt von Zierlauch, blühen sollen. Noch bin ich nicht sicher, ob ich die hellgelben Crocus chrysanthus ‹Cream Beauty› oder die lila Crocus tommasianus bestellen soll. Zu Letzteren würden die etwas blasseren Crocus sieberi passen. Dazwischen könnte ich die violetten Crocus sieberi ‹Tricolor› pflanzen. Hingegen bin ich sicher, dass ich nur weisse Tulpen pflanzen will: Tulipa ‹White Triumphator› finde ich wegen der spitz auslaufenden Blütenblätter besonders elegant. Später werden dann die Allium hollandicum ‹Purple Sensation› tiefrotviolett zwischen den Buchsbäumen schweben. Dabei hoffe ich, dass die Zierlauchkugeln vom welkenden Grün der Tulpenblätter ablenken. Die welkenden Blätter der meisten Zwiebelpflanzen sind im Garten keine Zierde. Dies ist einer der Nachteile der prächtigen Blüte im Frühling. In England habe ich beobachtet, dass sorgfältige Gärtnerinnen und Gärtner die Blätter der Osterglocken nach der Blüte zusammenbinden, damit sie nicht andere Pflanzen am Wachsen hindern. Meistens habe ich dazu zu wenig Zeit. Deshalb versuche ich, die Zwiebeln an Stellen zu pflanzen, wo sie nach der Blüte von heranwachsenden Stauden wie zum Beispiel Pfingstrosen, Funkien oder Gräsern verdeckt werden. Pflanzen mit Tennisbällen Doch vor dem Verwelken im Frühsommer müssen die Zwiebeln im Herbst erst einmal gepflanzt werden. Ein möglichst natürlich wirkendes Bild ist meistens erwünscht, ein Wunsch, der nicht immer problemlos zu erfüllen ist. Immer wieder liest man, dass man die Zwiebeln auf den Boden werfen und sie dann so zufällig, wie sie hingefallen sind, pflanzen soll. Das tönt theoretisch einleuchtend, aber wenn Sie mehr als 50 Zwiebeln pflanzen wollen, haben Sie sicher keine Lust, diese einzeln zu vergraben. Ich schlage daher vor, dass Sie die Zwiebeln (es können auch gelbe Tennisbälle sein, welche man gut sieht) zwar auf den Boden werfen, dann aber an den einzelnen Punkten Gruppen von drei, fünf oder sieben gleichen Zwiebeln einpflanzen. Mit ein, zwei kräftigen Spatenstichen ist das nötige Pflanzloch viel schneller ausgehoben als mit dem speziellen Blumenzwiebelstecher. Zudem kann man einfacher Splitt für eine bessere Drainage zugeben und die Zwiebeln mit einem Maschendrahtkorb oder Blumenzwiebel-Pflanzschalen vor Mäusen schützen, die Tulpenzwiebeln als Delikatesse schätzen. Meine Bestellliste ist noch längst nicht vollständig. Im Hochbeet hat es Platz für besondere Schönheiten wie die zarten, sternförmigen Ipheion uniflorum, die leuchtend blauen frühen Iris histroides, die zierlichen violettrosa Tulipa pulchella. Im sauren Boden des Moorbeetes will ich den pagodenförmigen Hundszahn Ery­thronium ‹White Beauty› ansiedeln, und im Wäldchen sollen blaue Glocken-Scilla (Scilla hispanica ‹Blue Bells›) an die wilden «Blue Bells» in England erinnern. Während die Kaiserkrone (Frittilara imperialis) in unserem Garten keinen Platz bekommt, werde ich ihre zarteren Verwandten, die Schachbrettblumen (Frittilara meleagris), am Weiherrand pflanzen. Beim Ausfüllen der Bestelllisten mangelt es mir nie an Ideen, sodass ich jedes Mal spontan weitere Blumenzwiebeln bestelle. Wenn ich die Zwiebeln dann auspacke, weiss ich daher oft nicht mehr, wo ich sie platzieren wollte. Glücklicherweise findet sich für die «Überzähligen» immer ein leerer Topf, welcher im Frühjahr Freude machen wird.

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