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«Der Name ist eine grosse Verpflichtung»

Vertreter der katholischen Kirche nehmen die Wahl des Argentiniers Bergoglio zu ihrem Oberhaupt positiv auf.

Wie haben Zürcher Kirchenvertreter die Nachricht über die Wahl Kardinal Bergoglios zum Papst aufgenommen? Und welches Programm steckt ihrer Meinung nach hinter der Bezeichnung Franziskus?

«Ein schöner Name», fand Josef Annen, als er vernahm, dass Bergoglio sich so nennt, «er steht für Erneuerung.» Der bischöfliche Generalvikar war an einer Veranstaltung, als im Vatikan der weisse Rauch aus dem Schornstein aufstieg, und vernahm die Nachricht erst später von seinem Informationsbeauftragten Arnold Landtwing. Dieser spricht von einem sehr berührenden Auftritt, als der neue Pontifex den Balkon betreten habe: «Er hat ­gezeigt, dass er die Menschen ernst nimmt.» Der Präsident des römisch-katholischen Synodalrats, Benno Schnüriger, wertet Bergoglios Wahl als gutes Zeichen: «Er kommt aus der Weltkirche und nicht aus dem vatikanischen Apparat. Franziskus weiss, wie Kirchen an der Basis funktionieren.» Er nehme den neuen Papst nicht als einen Mann der abgehobenen theologischen Konzepte wahr, so Schnüriger: «Er hat keine Berührungsängste und trat gestern sehr bescheiden und herzlich auf.» Dem pflichtet auch Landtwing bei: «Er hat sich bei seinem ersten Auftritt verneigt und direkt den Draht zur wartenden Menge aufgebaut.»

Er kennt die Seelsorge

Einer, der das Leben des beliebtesten aller katholischen Heiligen bestens kennt, ist Willi Anderau. Der in Zürich wohnhafte Pater stand einige Jahre dem Schweizer Kapuzinerorden vor, der aus dem ursprünglichen Franziskanerorden hervorging. «Dass ein Jesuit wie Bergoglio sich Franziskus nennt, ergibt eine hervorragende Mischung», so Anderau. Beide Orden seien stark in der Seelsorge verwurzelt. «Die Jesuiten sind eher Intellektuelle, die Franziskaner volkstümlich und einfach», erklärt Anderau. «Der Name ist aber auch eine grosse Verpflichtung», gibt er zu bedenken. Grosse Symbolik hinter dem Namen erkennt auch Schnüriger: «Der heilige Franziskus hatte grosse Mühe mit der damaligen Kirche.» Schnüriger erhofft sich wieder mehr Mitsprache bei Bischofsernennungen: «Die letzten Bischöfe von Chur waren keine grossen Hirten.»

Einig ist man sich, dass auf den neuen Pontifex gewaltige Aufgaben warten. «Die erste grosse Herausforderung ist die dringend nötige Reform der Kurie», sagt Annen. «Der Papst muss Transparenz gegen innen und aussen schaffen.» Die kirchliche Basis dürfe hoffen, dass nach 35 Jahren der Zentralisierung ihre Anliegen wieder ernst genommen würden, so Annen. Schon Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hätten gewusst, dass sie im Vatikan aufräumen müssten, ergänzt Landtwing, doch sie hätten die Herausforderung nicht angepackt. Bei den grossen Themen wie Pflichtzölibat und Frauenordination rechnet hingegen niemand mit riesigen Sprüngen. «Aber vielleicht darf innerkirchlich wenigstens offen dar­über gesprochen werden», meint Landtwing. Allein das würde einen Fortschritt bedeuten.

Dass Franziskus ein besonders progressiver Papst wird, glaubt auch Ordensmann Anderau nicht: «Seine absolut konservative Sexualmoral lässt nur bedingt Hoffnung.» Dennoch kann sich Anderau auch in diesem Punkt Fortschritte vorstellen. Er sagte: «Wir wollen uns gemeinsam auf den Weg machen», so Anderau. «Möglich, dass dieser Weg in eine neuere Zeit führt.»

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