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Der Neubeginn eines Altbekannten

Mit dem neuen CTS will Cadillac wieder in Europa Fuss fassen. Die gewohnt luxuriöse Limousine bietet viel amerikanischen Lifestyle.

Noch 400 Autos hat Cadillac letztes Jahr verkauft. Nicht etwa in der Schweiz, sondern in ganz Westeuropa. Die Schweiz ist mit rund 130 Neuwagen immerhin der Hauptmarkt in der Region, aber auch diese Zahl ist längerfristig keine Basis. Und da mit dem Rückzug von Chevrolet aus Europa die Position der General-Motors-Marken sowieso schwächer wird, soll nun Cadillac endlich wieder jene Rolle spielen, welche eine Marke einer 112-jährigen Geschichte verdient.

Natürlich wird GM nie Stückzahlen von China und den USA erreichen, wo Cadillac 2013 um 28 Prozent wachsen konnte. Trotzdem ist es für GM eine Imagefrage, auch hierzulande mit einer Marke in der lukrativen Oberklasse präsent zu sein. Auch wenn das nicht einfach ist: Audi, BMW und Mercedes sind omnipräsent, da tun sich auch die Luxusalternativen aus Japan, Lexus und Infiniti, schwer. Und andere europäische Marken zielen mit ausgewählten Modellen ebenfalls in Richtung Oberklasse, etwa Citroën oder Ford.

Somit muss Cadillac etwas anderes bieten als alle anderen. Das wollen die Amerikaner auf jeden Fall. «Wir arbeiten an alternativen Konzepten, etwa fürs Marketing oder für Kundenservices», sagt Vijay Iyer, der neue Director of Communications im europäischen Hauptquartier, das weiterhin im schweizerischen Glattpark angesiedelt ist. Spruchreif ist in diesem Bereich allerdings noch nichts, denn zuerst geht es darum, das Team zu vergrössern und mehr Händler zu überzeugen, dass Cadillac wirklich eine Investition in die Zukunft wert ist.

Daher müssen vorerst einmal die neuen Modelle für sich sprechen. Mit dem CTS wollen die Amerikaner dem BMW 5er und der Mercedes E-Klasse Konkurrenz machen – das betont Cadillac explizit. So richtig konkurrenzfähig sind sie aber primär beim Verhältnis von Preis und Leistung. 59?900 Franken kostet der CTS, für ein schon in der Basis gut ausgestattetes Modell der oberen Mittelklasse ein gutes Angebot. Mit aller wünschbaren Luxusausstattung vom Schiebedach bis zur Drei-Zonen-Klimaautomatik und mit Allrad werden 72?900 Franken fällig.

Der grosse Trumpf des CTS ist sicher das Design: Die 4,96 Meter lange Limousine hat Ecken, wirkt aber dank der im Vergleich zum Vorgänger deutlicher reduzierteren Höhe nicht kantig, sondern dynamisch und elegant. Ein richtiger Ami eben, aber nicht überbordend, sondern mit starkem Charakter. Der Vorgänger war allerdings, gerade beim Design des Hecks, etwas provokanter und auffälliger.

Im Innenraum kann Cadillac dann nur bedingt Akzente setzen. Während das digitale, in acht verschiedenen Varianten einstellbare Cockpit ein Hingucker ist, wirkt die Mittelkonsole mit viel Klavierlack nicht klassengemäss. Die berührungsempfindlichen Knöpfe sind zudem deutlich schlechter bedienbar als echte Tasten oder ein normaler Touchscreen.

Dafür stimmt das sonstige Ambiente mit schön verar­bei­te­tem Leder und Holz, guter Übersichtlichkeit und komfortabler Atmosphäre. Und man darf in den Ausstattungsvarianten «Premium» und «Performance» Extras wie einen farbigen Head-up-Display oder die vollautomatische Parkautomatik erwarten. Das Platzangebot ist gut, die flache Linie schränkt aber beim Kofferraum den Platz ein. 447 Liter stehen für Gepäck zur Verfügung.

Eine wirkliche Innovation ist die Verknüpfung der radar- und kamerabasierten Assistenzsysteme mit dem Fahrersitz. Der Safety Alert Seat vibriert je nach Gefahr unterschiedlich. Schwenkt man etwa nach links über die Fahrbahnmarkierung, spürt man es links vibrieren. Eine gute Idee, die aber auch Schwächen hat: Rückt etwa an der Ampel der Hintermann sehr dicht auf, spürt man auch das am Hintern.

Schade ist, dass Cadillac zum Start nur eine Motorenversion im Angebot haben. Leider kein typisch amerikanisches Triebwerk, mit der man sich abheben könnte, sondern ein Zweiliter-Vierzylinderturbo, der als Basismotorisierung immerhin 276 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment. Ein V6, vielleicht ein V8, sicher ein Diesel sollen später folgen. Kombiniert mit einer Sechsstufenautomatik und einem variablen Fahrwerk schafft der CTS tatsächlich den Spagat zwischen den Kontinenten. Er lässt sich schön laufruhig cruisen, aber auch dynamisch um die Kurven jagen. In 6,6 Sekunden beschleunigt der CTS von 0 auf hundert Stundenkilometer, der Verbrauch liegt bei 8,8 Litern auf 100 Kilometer – in Anbetracht der 128 Kilogramm Gewichtsersparnis ge­gen­über dem Vorgänger immer noch etwas viel.

Der Turbomotor zieht schön durch, tönt aber eben halt nach Vierzylinder. Gänsehaut löst das etwas angestrengte Fauchen beim beherzten Tritt aufs Gaspedal auf jeden Fall nicht aus. Wem der Amerikaner im positiven Sinn etwas zu europäisch ist, darf sich auf den Herbst freuen, dann bringt Cadillac neben dem ATS Coupé auch den neuen Escalade nach Europa – als weiterer Baustein der Offensive in der alten Welt.

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