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Der Playoff-Wahnsinn: Viertelfinals sind so ausgeglichen wie nie davor

Die Playoffs sind unberechenbar geworden. Sie sind ein Beleg für die Ausgeglichenheit der Liga - und dafür, dass die Saison mit den Playoffs neu beginnt.

Den vorläufigen Höhepunkt der Viertelfinals erlebten die Zuschauer am Donnerstag in Biel und Genf. Während Aussenseiter Biel die Serie gegen Qualifikationssieger Fribourg dank einem 4:3 nach Penaltyschiessen völlig überraschend zum 3:3 (nach 0:3) ausglich, rettete das aus Sicht des Gegners ein wenig zu kleine Tor den SC Bern zum zweiten Mal in Folge vor dem Ausscheiden gegen Genève-Servette. Hatte Alexandre Picard am Dienstag in der 59. Minute beim Stand von 1:1 einen Lattenschuss zu verzeichnen gehabt, sah am Donnerstag Mathieu Carle seinen Schuss in der Verlängerung (72.) vom Gehäuse zurückprallen. Wäre einer dieser Pucks ins Tor gefallen, würde Servette die Halbfinal-Qualifikation bejubeln und Bern dürfte heute im Heimspiel nicht auf eine Wende der Serie hoffen. Ähnliche Szenen gab es nicht nur zwischen Bern und Servette, sondern auch in den anderen Duellen. Es dokumentiert, wie nah Glück und Pech in diesen Viertelfinals beieinander liegen. Und es beweist, dass in den Playoffs das oft zitierte Momentum wertlos ist und jederzeit jedes Team jedes andere schlagen kann. Die Playoffs sind unberechenbar geworden. Es dauerte nach der Einführung der Playoffs 1985/1986 sechs Jahre bis zur ersten "Sensation": In den Viertelfinals 1992 schlug der ZSC als Siebter der Qualifikation das hoch gehandelte Lugano (2.) mit 3:1. Im neuen Jahrtausend scheiterte der Beste der "Regular Season" bereits viermal in der ersten Runde. Und nur viermal erreichte der Qualifikationssieger in den letzten zehn Ausmarchungen den Final, nachdem die aus der Pole-Position gestartete Mannschaft davor stets zumindest die Finalserie erreicht hatte. Und so lassen sich in den "Showdowns" von heute Samstag - erst zum zweiten Mal nach 1998 gehen alle Viertelfinals in ein siebtes Spiel - kaum zuverlässig Favoriten ausmachen.

Platitüden und eine "wundersame" Heilung

Die Aussagen nach den Partien vom Donnerstag tönten überall ähnlich zuversichtlich, optimistisch und trotzdem wenig aussagekräftig: "Ich hoffe, dass wir das Momentum auf unserer Seite haben werden. Dann werden wir dieses Spiel gewinnen", sagte etwa Berns Daniel Rubin, der am Donnerstag beim 4:3 nach Penaltyschiessen gegen Servette als einziger seinen Penalty verwertet hatte. "Wir müssen an unser Spiel glauben, eine gute Vorbereitung machen und uns auf die kleinen Dinge konzentrieren", diktierte Luganos Trainerfuchs Larry Huras in die Mikrofone. Wenige Meter daneben sprach Zugs Stürmer Fabian Sutter davon, dass sein Team am Samstag von Anfang an besser spielen und mehr Druck machen müsse. "Wir sind trotz der Niederlage total fokussiert." Sandro Rizzi, der Captain des HC Davos, ist ebenfalls zuversichtlich: "Wir haben viele Spieler in unseren Reihen, welche über Erfahrung aus solchen 'Schlachten' verfügen. Das ist sicher kein Nachteil." Beim HCD kündet sich zudem eine "wundersame" Rückkehr von Reto von Arx an. Gestern Freitag jedenfalls trainierte der Leitwolf der Bündner gemäss einer Meldung von "Blick online" wieder - nur sechs Tage nach seiner angeblich schweren Halswirbel-Verstauchung... Auch das Schweigen und Bluffen rund um Verletzungen gehört zu den Playoffs.

ZSC wie im Final?

Bei den ZSC Lions spielte sich zuletzt ein "neues" Gesicht in den Vordergrund: Der schwach in die Playoffs gestartete Mikko Lehtonen kommt immer besser in Fahrt. In den letzten zwei Spielen erzielte der schlaksige finnische Stürmer, der aus der KHL (Tscherepowez) kam, zwei Tore und einen Assist. "Ich musste auch hier meine Anpassungen ans Spielsystem machen. Jetzt habe ich aber entsprechendes Vertrauen gefasst. Wir spielen auch im Powerplay mit vier Linien. Deshalb macht es für mich keinen Unterschied, dass ich 'nur' in der vierten Linie spiele." Im Duell der letzten beiden Meister könnten die ZSC Lions gegen Davos zum zweiten Mal in Folge (nach dem letztjährigen Final gegen Bern) einen 1:3-Rückstand in der Serie noch drehen. Der HCD aber ist in sieben (!) Entscheidungsspielen nach Best-of-7-Formel noch ungeschlagen. Auf dem Weg zum vorletzten Meistertitel im Jahre 2009 hatten die Bündner gar alle ihre drei Playoff-Serien in extremis, also durch Siege bei entsprechenden "Showdowns", zu ihren Gunsten entschieden. Das "Stahlbad" führte über 21 Playoff-Spiele in 47 Tagen - auch dies ein Playoff-Wahnsinn. (sda)

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