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Der Poker ging auf

Sofia. Dank taktischem Kalkül verteidigte Giulia Steingruber an den Europameisterschaften ihren Titel am Sprung erfolgreich. Am Boden doppelte die Ostschweizerin nach und holte sich die Bronzemedaille.

Als erste Schweizerin hatte sich Steingruber in Sofia an einem internationalen Anlass für drei Gerätefinals qualifiziert, als erste holte sie sich nun auch zwei Medaillen an Einzelgeräten. Nach Brüssel 2012 (Bronze am Sprung) und dem EM-Titel im Vorjahr fügte Steingruber ihrem Palmarès die EM-Medaillen 3 und 4 hinzu. Damit zog sie mit ihrer Vorgängerin Ariella Kaeslin gleich. Die Sprung-Europameisterin von 2009 hatte insgesamt ebenfalls viermal Edelmetall geholt – als einzige Schweizerin auch eine an Weltmeisterschaften.

«Doppelt so nervös»

Obwohl Steingruber an ihrem Paradegerät, dem Sprung, nach dem Tschussowitina den Jurtschenko nur mit einer Schraube zeigte, wiederholte sie ihren Triumph von Moskau und sorgte damit für ein weiteres Highlight in der Geschichte des Schweizerischen Turnverbands. Dank der fast perfekten Ausführung der beiden Sprünge lag Steingruber am Ende knapp vor der Konkurrenz. «Ich war doppelt so nervös wie sonst, weil ich den Titel unbedingt verteidigen wollte», so Steingruber, die auch wegen der zwei Stürze im Teamfinal am Samstag vor dem Wettkampf mehr Nervosität als sonst verspürt hatte.

Wohl auch wegen der missglückten Hauptprobe liess sich Steingruber von ihrem Trainer Zoltan Jordanov überreden, beim zweiten Sprung nur eine Schraube zu drehen. «Es war ein Risiko, die einfachere Variante zu turnen, aber es hat sich ausbezahlt», so Steingruber. Nicht zum ersten Mal ging damit die Taktik von Jordanov auf. Der Ungar mit britischem Pass und bulgarischen Wurzeln hatte bereits vor einem Jahr in Moskau die einfachere Variante gewählt.

In Sofia rang er allerdings lange mit sich, bis er sich zu diesem Schritt entschieden hatte – im Wissen, dass sowohl für Steingruber als auch für ihn nur Gold zählte. «Den Titel zu gewinnen, ist einfacher, als ihn zu behalten», so der Ungar. Die ganze Nacht und noch während der Busfahrt am Sonntagmorgen machte sich Jordanov Gedanken, ehe er sich beim Aufwärmen für den Jur- tschenko mit einer Schraube festlegte.

Am Ende entschied – wie Jordanov prognostiziert hatte – die Qualität der Landungen über die Verteilung der Medaillen. Vier Konkurrentinnen turnten einen höheren Schwierigkeitsgrad als Steingruber, die Schweizerin landete aber zuoberst auf dem Podest, da sie ihre Sprünge am schönsten turnte und für die Ausführung die höchste Punktzahl erhielt. Am Ende lag Steingruber 0,083 Punkte vor Anna Pawlowa (Aser), der Olympiadritten von 2004, Bronze sicherte sich Larisa Iordache (Rum), mit vier Medaillen die erfolgreichste Turnerin in Sofia. Die Deutsche Janine Berger, die Olympiavierte von London, die als Einzige neben Steingruber mit dem Tschussowitina den schwierigsten Sprung des Tages zeigte, ging als Fünfte leer aus. Die ersten sechs der Rangliste trennten nur 0,333 Punkte. «Im Fussball reicht am Ende auch ein 1:0», sagte Jordanov trocken.

Bronze als «i-Tüpfli»

Für den krönenden Abschluss der Titelkämpfe sorgte Steingruber rund eine Stunde nach ihrem Sieg, als sie sich am Boden hinter Vanessa Ferrari und Iordache, die ex aequo den Titel holten, auch noch Bronze sicherte. Beflügelt von ihrem Triumph am Sprung, setzte sie nach vier anstrengenden Tagen ihre letzten Reserven frei und überzeugte mit ihrer Sprungkraft und Akrobatik noch einmal die Zuschauer und die Punktrichter. Noch im Teamfinal am Samstag hatte sich Steingruber nach einer Landung mit den Händen am Boden abgestützt, nun kam sie wie bereits in der Qualifikation ohne Schnitzer durch das Programm. Erstmals gewann die Goss­aue­rin damit an einem anderen Gerät als am Sprung eine EM-Medaille. «Es ist das Tüpfli auf dem i», so Steingruber.

Am Schwebebalken vermochte Steingruber erwartungsgemäss nicht in den Kampf um die Medaillen einzugreifen. Nach der Siegerehrung am Sprung blieb ihr kaum Zeit, sich aufzuwärmen, da sie als erste der acht Finalistinnen ans Gerät musste. Am Ende klassierte sie sich nach einem Sturz beim gehockten Vorwärtssalto im letzten Rang. Das Malheur konnte die Freude Steingrubers allerdings nicht trüben. Immerhin hatte sie sich erstmals überhaupt an diesem Gerät für einen Final qualifiziert. (si)

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