Zum Hauptinhalt springen

Der Pommes-Chips-Fabrikant in Tibet

Im Sportzentrum Eselriet führt er als Pächter das Restaurant, in seiner Heimat Tibet ist Geduen Sakutshang Pommes-Chips- Fabrikant – als absoluter Pionier.

«Es sind schon viele Anfragen von Medien an mich gelangt, und meine Antwort war immer Nein», sagt Geduen Sakutshang als Erstes. Denn bei seiner Pommes-Chips-Fabrik in ­Tibet gehe es nicht um ihn, sondern um die Menschen dort. Keinesfalls wolle er ihnen Probleme bereiten. Seit Oktober ist Sakutshang Pächter des Restaurants im Illnau-Effretiker Sportzentrum Eselriet. Ebenso leitet er das Badi-Restaurant im Winterthurer Hallenbad Geiselweid. Ein besonnener Mann, der in Effretikon unaufgeregt seine Kundschaft bedient, in seiner Heimat Tibet aber ein absolutes Pionierprojekt initiiert hat. Im Jahre 1997 besuchte Sakutshang zum ersten Mal das Land im Himalaja. «Ich bin in Nordindien geboren und im Alter von 13 Jahren in die Schweiz gekommen», sagt der 46-­Jährige. Er kam in Begleitung seines ­Onkels, der lange Zeit als Abt dem Kloster Rikon vorstand. Selber wuchs er in einer Pflegefamilie auf. Von Natur aus neugierig, habe er sich relativ schnell in der Schweiz eingelebt. Bei besagtem Besuch in Tibet sei ihm aufgefallen, dass der sandige Boden auf 2500 bis 3500 Metern Höhe vor allem Gerste, Weizen und Kartoffeln hergibt. Die Bauern brachten einen Teil der Kartoffeln auf den Markt. Ihr Problem war: wohin mit dem Rest? Maschinen aus China Eine Idee reifte im Kopf des Gastronomen und liess ihn nicht mehr los. Nämlich eine Fabrik zu bauen und mit dem Überschuss an Kartoffeln Pommes-Chips zu produzieren. Der ­Tenor aus seinem tibetischen Umfeld war einhellig: «Das schaffst du nie.» Nicht ganz grundlos. Geduen Sakut­shang sagt, er sei der erste Tibeter weltweit, der in seine Heimat zurückging, um ein Projekt zu verwirklichen. Die Fabrik ist nun seit sechs Jahren in Betrieb und viele Menschen leben davon. Sakutshang legt drei farbenfrohe Mustertüten Pommes-Chips auf den Tisch. Eine Bilddokumentation zeigt die imposante Fabrik inmitten der öden Landschaft. «Die Maschinen sind aus China», erklärt Sakutshang, und täglich werde die Qualität der Chips im eigenen Labor überprüft. Schwarze Schweine, auf der Rückseite des Fa- brikgebäudes untergebracht, vertilgen die Abfälle. Nahe am Aufgeben Der Weg vom Landkauf über den Bau der Fabrik bis zur Produktion war nicht einfach. «Ich hatte keine Ahnung, wie man Kartoffelchips herstellt», erzählt der Unternehmer. Namhafte Produzenten in der Schweiz halfen ihm weiter mit ihrem Wissen. Bald sei ihm klar ­geworden: Um das Projekt auf die Beine zu stellen, muss er selbst vor Ort sein. So zog er mit seiner tibetischen Frau und den zwei kleinen Buben für zwei Jahre nach Lhasa. Als Erstes kauften Verwandte Land in Tagtse, mit dem Auto 20 Minuten von der tibetischen Hauptstadt entfernt. Als alles stand, übergab Sakut- shang die Leitung der Fabrik an seinen Schwager. «Einmal habe ich fast auf­gegeben und Rat gesucht bei einem Mönch in einem Kloster», blickt er heute zurück. Der alte Mann habe ihn motiviert und ihm die Kraft zum Weitermachen zurückgegeben. Es gab manche Hindernisse zu überwinden: Anfänglich sträubten sich zum Beispiel die Angestellten gegen die ­Hygienevorschriften. Hände waschen, Handschuhe tragen und den Kopf be­decken – «Wir arbeiten doch nicht im Operationssaal» sei der Tenor gewesen. Strikt sind auch die Auflagen für die Bauern: keine Chemie und keine Pestizide. Dafür seien die Löhne hoch, sagt der Unternehmer, und mittlerweile sei die Fabrik genossenschaftlich organisiert und nicht gewinnorientiert. «Wie gesagt, beim Projekt geht es mir vor allem darum, etwas für meine Heimat zu tun.» Kein Verkauf in der Schweiz Einmalig ist die Gewürzmischung der einen Sorte Chips. Sie enthält das Kraut Zimbo. Tibeter kennten den Geschmack von klein auf, erklärt Sakut- shang. Die Mischung habe er selber kreiert, sagt der Gastronom mit verhaltenem Stolz. Die Kartoffelchips kommen über drei Lebensmittelketten in den Verkauf, aber auch über private Läden. In der Schweiz verkauft er das Produkt hingegen nicht. «Der Geschmack wäre für hiesige Gaumen ziemlich ungewohnt.» Ausserdem laufe der Absatz in China gut. ­«Etwas wie Chips um die halbe Welt zu schiffen – das entspricht nicht meiner Vorstellung von Nachhaltigkeit.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch