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Der Räuber, der sich selbst bestrafte

Um Drogen zu kaufen, überfiel er an der Zürcherstrasse mit dem Sackmesser einen Sexshop. Dann sprang der 31-jährige Räuber vor Reue beinahe in den Tod.

An Krücken erschien der 31-jährige Winterthurer gestern am Bezirksgericht. Er war sichtlich gezeichnet von einem Leben, das sich, wie auch der Gerichtspräsident bemerkte, «nicht auf der Sonnenseite» abspielte. Schon in früher Jugend habe er sich, wie er sagt, «zugedröhnt», um den trinkenden Vater und den gewalttätigen Stiefvater zu ertragen. Trotz Mobbing durch Mitschüler und seiner Drogenkarriere schloss der Schweizer erfolgreich eine Lehre als Automonteur ab, fiel aber immer wieder in seine Sucht zurück. Am 14. September vergangenen Jahres lebte der Angeklagte in einem Heim für betreutes Wohnen und nahm an einem Heroinentzugsprogramm teil. Daneben spritzte er sich regelmässig Kokain. Auf Kokainentzug und mit Schulden bei seinem Dealer suchte der Arbeitslose nach Geld. In einem Sexshop an der Zürcherstrasse wurde er um 14 Uhr schliesslich fündig. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass keine anderen Kunden im Geschäft waren, drückte er der 31-jährigen Verkäuferin sein Sackmesser an den Hals und verlangte Geld. Mit rund 500 Franken machte er sich aus dem Staub. Dabei verlor er sein Handy, was ihn später überführte. Am nächsten Tag plagten ihn aber massive Schuldgefühle und er stürzte sich aus einem Fenster im dritten Stock in die Tiefe. Er überlebte schwer verletzt. «Spontan und stümperhaft» Vor Gericht bestritt er weder den Anklagepunkt des Raubs noch die mehrfachen Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz. Er bat das anwesende Opfer um Verzeihung, den Tränen nahe. Er habe die Frau, wie der Staatsanwalt ausführte, mit dem Messer in einer Art bedroht, bei der eine einzige falsche Bewegung sie ernsthaft gefährdet hätte. Der Staatsanwalt forderte dar­um eine unbedingte Strafe von viereinhalb Jahren und Schadenersatz. Der Verteidiger machte dagegen geltend, dass der Überfall «spontan, unüberlegt und eher stümperhaft» durchgeführt worden sei. Der Angeklagte hätte nie die Absicht gehabt, die Geschädigte zu verletzen. Der Angeklagte sei zum Tatzeitpunkt durch den Drogenentzug nur teilweise zurechnungsfähig gewesen und habe sich zudem schon genügend bestraft, «weit grausamer, als der Staat dies je könnte». Diese seltene und massive Reuebekundung berücksichtigten auch die Bezirksrichter. Sie setzten das Strafmass auf dreieinhalb Jahre fest, schoben den Vollzug aber zugunsten einer ambulanten Behandlung auf.

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